Champions League auf Kunstrasen: FC Bayern kehrt nach 20 Jahren zurück in den "Wahnsinn"

Der FC Bayern München muss erstmals seit 20 Jahren ein Pflichtspiel auf Kunstrasen absolvieren. Beim ersten und bislang letzten Mal wüteten Uli Hoeneß und Co. mächtig. Diesmal geht man gelassen an die Aufgabe heran.
Der Mittelfeldchef klagte über Rückenprobleme, der Manager sprach von "Wahnsinn" und der Trainer von einer "Unverschämtheit": Die Kunstrasen-Premiere in der Champions League brachte den FC Bayern auf die Palme. Das 2:2 bei Spartak Moskau ist das bislang einzige Pflichtspiel in seiner 126-jährigen Geschichte, das der FC Bayern auf einem reinen Kunstrasen austragen musste. Nun, 20 Jahre später, muss der deutsche Fußball-Rekordmeister zurück auf den ungewohnten Untergrund, doch von Ärger ist vor dem Gastspiel bei Königsklassen-Neuling Viking Stavanger nichts zu spüren.
"Ob Wind, Regen oder Sonne, egal ob in Amerika in Carolina bei 45 Grad oder in Viking bei minus 5 Grad auf Kunstrasen, es ist für mich alles egal. Ich möchte gerne, dass wir überall Bayern sind", sagte Trainer Vincent Kompany mit Nachdruck. "Wir wollen gegen Stavanger gewinnen, Punkt", sekundierte Sportvorstand Max Eberl. Und Mittelfeldchef Joshua Kimmich geht "davon aus", dass die Bayern auch auf Kunstrasen "sehr guten Fußball spielen" werden.
"Wäre fahrlässig"
Ungewohnt ist das Duell am Abend (21 Uhr/Prime Video und im Liveticker auf ntv.de) dennoch. "Ich habe in 20 Jahren Karriere nie auf Kunstrasen gespielt", sagte Kompany. Deshalb reisen die Bayern früher an und verlegen das Abschlusstraining, das sie in der Regel an der heimischen Säbener Straße absolvieren, nach Stavanger. Die Spieler sollten "ein Gefühl bekommen" dafür, welche Schuhe sie tragen müssten, sagte Kompany. Alles andere, betonte Eberl, "wäre fahrlässig".
Ihre Spielweise, betonte Harry Kane, werden die Bayern deshalb aber nicht verändern. Zuletzt, bekannte der Stürmerstar, habe er 2017 mit England in Litauen auf Kunstrasen gespielt. "Man muss sich kurz an den Belag gewöhnen; er geht etwas stärker auf Knie und Knöchel. Mit den richtigen Schuhen sollte das aber kein großes Problem sein. Gut, dass wir im Herbst und nicht im Winter dort spielen, sonst wäre der Unterschied größer."
In Stavanger ist der Belag - anders als beispielsweise in der Münchener Allianz Arena, wo die Profis auf einer Mischung aus Naturrasen und künstlichen Fasern spielen - vollständig künstlich. "Moderne Kunstrasenplätze bestehen aus synthetischen Fasern, die mit Sand und je nach System weiteren Füllstoffen stabilisiert werden. Sie sind besonders widerstandsfähig, ganzjährig bespielbar und weniger abhängig von Witterung und Wachstumsbedingungen", schreibt der FC Bayern. "Gerade in Regionen mit langen Wintern, viel Regen und vergleichsweise wenig natürlichem Licht bietet Kunstrasen deshalb große Vorteile."
"Unverschämtheit"
Joshua Kimmich erwartet keine Probleme. "Ich glaube, dass sich die Kunstrasenplätze in den letzten Jahren entwickelt haben, die sind nicht mehr so wie bei mir in der Jugend. Zumindest hoffe ich das. Ich lasse mich überraschen." Er selbst habe "ehrlicherweise schon länger nicht mehr auf Kunstrasen gespielt", sagte der Mittelfeldspieler. "Es ist schon anders."
Peter Sauer, Teamleiter Greenkeeping beim FC Bayern, kann seinen Kapitän zumindest dahingehend beruhigen, dass "Kunstrasen nicht gleich Kunstrasen ist. Es kommt darauf an, wie alt der Belag ist, welche Verfüllung verwendet wurde und welche Dämpfungswerte die Oberfläche hat. Im Vergleich zu Naturrasen fühlt er sich stumpfer an, gibt weniger nach und der Ball springt anders auf – meist rollt der Ball auch deutlich schneller."

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Eine böse Überraschung erlebten die Bayern im November 2006 auf dem Kunstrasen im Moskauer Luschniki-Stadion, auch wenn Doppelpacker Claudio Pizarro ein Remis sicherte. Mark van Bommel hatte danach Rücken und Uli Hoeneß polterte gegen die UEFA: "Es ist ein Wahnsinn, dass die UEFA Spiele auf solchen Plätzen zulässt", wütete der damalige Manager. "Erst wenn sich jemand auf so einem Untergrund die Achillessehne reißt, werden manche Herren vielleicht endlich aufwachen."

Trainer Felix Magath schimpfte: "Es ist eine Unverschämtheit, dass der Verband einen solchen Belag auf diesem Niveau erlaubt." Nun sind die Bayern zurück auf dem damals noch verhassten Untergrund. Und gehen überaus gelassen ins Spiel.
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