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Thursday, October 22, 2026

Wer steckt wirklich hinter der Gewalt?

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  • Nach den Krawallen in Frankreich wurden rund 2500 Personen festgenommen, mehr als 800 standen vor der Staatsanwaltschaft.
  • 149 Personen sind bereits verurteilt, die Strafen reichen von fünf Monaten bedingt bis zu zwei Jahren Haft.
  • Extremismusforscher Ahmad Mansour spricht von einer Instrumentalisierung durch linksradikale und migrantische Gruppen.
  • Belege für eine koordinierte Beteiligung nennt er nicht, die Täterprofile bleiben laut Staatsanwältin Laure Beccuau unklar.

Macrons angekündigtes hartes Vorgehen gegen die Krawallmacher vom Wochenende wird derzeit umgesetzt. Nach Angaben von Justizminister Gérald Darmanin wurden von den rund 2500 Festgenommenen bereits mehr als 800 der Staatsanwaltschaft vorgeführt. Die meisten kamen sofort vor Gericht oder wurden zu einem späteren Termin vorgeladen.

Bis Dienstagmittag wurden 149 Personen zu Haftstrafen verurteilt. Neben Paris laufen weitere Schnellverfahren in Limoges, Lyon, Marseille und Lille. In den bisher bekannten Fällen reichen die Strafen von fünf Monaten bedingt bis zu zwei Jahren Haft, davon 18 Monate auf Bewährung. Die höchste bekannte Strafe erhielt eine 20-jährige Frau in Limoges.

Die Personen wurden unter anderem wegen Plünderungen, Hehlerei, Widerstandes gegen die Polizei, Angriffen auf Polizisten sowie Delikten im Zusammenhang mit Waffen und mutmasslichem Material für Molotowcocktails verurteilt. Laut Europe 1 ist ein Grossteil der landesweit Festgenommenen junge Männer zwischen 18 und etwa 30 Jahren. Einige waren minderjährig.

Laut Justizminister Gérald Darmanin wurden rund 2500 Personen festgenommen, mehr als 800 davon bereits der Staatsanwaltschaft vorgeführt.

Laut Justizminister Gérald Darmanin wurden rund 2500 Personen festgenommen, mehr als 800 davon bereits der Staatsanwaltschaft vorgeführt.AFP

Macron: «Ultralinke und Gelegenheitsplünderer»

Macron macht für die eskalierende Gewalt und Zerstörung «Agitatoren aus ultralinken Randgruppen» verantwortlich, denen sich «zahlreiche Kriminelle» angeschlossen hätten. Auch der französische Polizeigewerkschafter Hubert Gimenez sagt gegenüber «Europe 1», bei den Randalierern und Plünderern handle es sich einerseits um «Mitglieder der extremen Linken», die nur an die Proteste gekommen seien, «um sich mit unseren Kollegen anzulegen». Andererseits seien Jugendliche aus sozialen Brennpunkten beteiligt gewesen.

Mansour: «Proteste wurden von migrantischen Gruppierungen instrumentalisiert»

Der Extremismusforscher Ahmad Mansour sieht hinter den Ausschreitungen in Frankreich vor allem Probleme bei der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Bereits am Donnerstag, zwei Tage vor der landesweiten Eskalation, erklärte er bei «Markus Lanz», dass sich manche Menschen selbst in der vierten oder fünften Generation nicht als Teil der französischen Gesellschaft fühlten und andere Werte verträten.

Dabei gehe es nicht in erster Linie um Herkunft oder Religion, sondern um die Werte, die junge Menschen zu Hause vermittelt bekämen. Gewalt in Familien, Perspektivlosigkeit und mangelnde Bildung könnten Gewalt begünstigen. Einige Menschen mit Migrationshintergrund würden die Proteste laut Mansour nutzen, um selbst Gewalt ausleben zu können.

Nach den Krawallen verschärfte Mansour gegenüber «Bild» seine Kritik: «Wer noch von Schulprotesten spricht, hat keinen Bezug zur Realität, wenn es um Frankreich in den letzten Tagen geht. Die Kundgebungen wurden von linksradikalen und migrantischen Gruppierungen instrumentalisiert und übernommen», sagte er. Zugleich warnte er vor einer ähnlichen Eskalation durch linksradikale Gruppen in Deutschland. Konkrete Belege für eine koordinierte Beteiligung der genannten Gruppierungen lieferte er nicht.

Täterprofile bleiben unklar

Die eindeutige Zuordnung der Täter sei bislang jedoch schwierig. Laut der leitenden Pariser Staatsanwältin, Laure Beccuau machen viele Festgenommene keine Angaben zu ihrer politischen Haltung. Wie sie zu TF1 sagte, wurden bisher vor allem die weniger schweren Fälle ausgewertet. Dabei habe sich gezeigt, dass viele Plünderer aus Pariser Vororten stammten, die migrantisch geprägt sind und in denen viele unterhalb der Armutsgrenze leben.

Das französische Justizministerium unterscheidet zwischen zwei Gruppen: organisierten Randalierern, die meist aus dem linken Spektrum stammen sollen, und unpolitischen Plünderern, die durch die Innenstädte gezogen seien und das Chaos genutzt hätten. Die beiden Gruppen hätten miteinander wenig zu tun, sagte Ministeriumssprecher Sacha Straub-Khan bei France Info.

Justizminister Gérald Darmanin betonte bei CNews, 70 Prozent der Festgenommenen seien Erwachsene, fast alle von ihnen männlich. «Unter ihnen sind Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen ohne französische Staatsbürgerschaft – aber auch Menschen, die perfekt integriert sind, Franzosen», so Darmanin.

Thomas Sennhauser

Thomas Sennhauser (ths), arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er begann als Videojournalist und wechselte nach zwei Jahren ins Ressort News wo er über gesellschaftliche Themen und Analysen zu Geschehnissen im Ausland schreibt.

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