Sturzflut: Wie China Informationen aus Tibet kontrolliert
Stand: 29.08.2026 • 01:21 Uhr
Nach der Sturzflut sind zahlreiche Journalisten nach Nepal gereist. Aus dem von China kontrollierten Tibet jedoch dringen über chinesische Staatsmedien nur spärliche Informationen.
Die staatlich kontrollierten Medien in China zeigen nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya-Gebirge an der Grenze zu Nepal bislang überwiegend: einen chinesischen Staat, der zu funktionieren scheint.
Sie zeigen: die geordnete Ankunft gestaffelter, uniformierter Einheiten, Drohnen- und Helikopter-Bilder aus der Luft, die Verteilung von Hilfsgütern und technische Geräte, die zum Einsatz kommen. Die Videoaufnahmen von den gewaltigen Wassermassen der Sturzflut, die am ersten Tag noch im chinesischen Netz kursierten, haben staatliche Zensoren inzwischen weitestgehend gelöscht.
Darunter ein Video von chinesischen Überwachungskameras im tibetischen Grenzort Gyirong, das zeigt, wie die Welle aus Schlamm und Geröll ein massives Grenzkontrollgebäude verschluckt und flüchtende Menschen auf dem Vorplatz unter sich begräbt.
Bislang nur einstellige Zahl an Todesopfern gemeldet
"Die gesamte Pilgergruppe war in dem Gebäude", erzählt Sadhguru Jaggi Vasudev, ein spiritueller Führer, im indischen Nachrichtenmagazin India Today. 80 Pilger seiner Organisation seien vermisst. Der Leiter der Gruppe habe ihm kurz vor dem Zeitpunkt der Katastrophe mitgeteilt, dass sie den Grenzübergang erreicht hätten.
"Hätte er die Grenze passiert, dann wäre sein nepalesisches Handy aktiviert worden, aber es gibt kein Signal." Trotz der Bilder der gewaltigen Flutwelle bleiben die chinesischen Staatsmedien bei ihrer Darstellung von einer bislang einstelligen Zahl an Todesopfern.
Keine unabhängige, freie Berichterstattung möglich
Eine unabhängige, freie Berichterstattung ist im isolierten und stark kontrollierten Landesteil Tibet nicht möglich. Ausländischen Journalisten wird der Zugang erschwert, sie dürfen so gut wie gar nicht erst einreisen. Die Menschenrechtsorganisation International Campaign for Tibet in Berlin fordert von den chinesischen Behörden Transparenz. Während Nepal zeitnah Informationen bereitgestellt hat, erwarte die Organisation dies auch in Tibet.
Im abgelegenen und schwer zugänglichen Unglücksort im Himalaya-Gebirge in Tibet sind seit Donnerstag verstärkende Rettungskräfte aus dem Rest Chinas und das Militär im Einsatz. Die Schlamm- und Geröllmassen auf den Straßen machen es den Helfen extrem schwer, zum verschütteten Grenzübergang Gyirong vorzudringen. Chinesischen Berichten zufolge gelangten erst heute Einsatzkräfte zu Fuß über die Berge dorthin.
Im verschütteten Tal zeigen Bilder im Staatsfernsehen zudem Einsatzkräfte, die mit Baggern und schwerem Baugerät versuchen, Zugangsstraßen zu befreien und zu reparieren. Teile des Wegs sollen wiederhergestellt worden sein.
Drohender Dammbruch wohl zunächst verhindert
Außerdem werden Drohnen mit Wärmebildkameras bei der Suche nach Überlebenden eingesetzt. "Die Straße vor uns ist vollständig unterbrochen und somit für unser Personal unpassierbar. Wir können uns bei der Suche nur auf Drohnenflüge in geringer Höhe verlassen", sagte Wang Yongming, ein technischer Leiter der Rettungskräfte vor Ort im chinesischen Staatsfernsehen CCTV.
Zwischenzeitlich waren die Rettungsarbeiten am Freitag wegen eines drohenden Dammbruchs und möglicher weiterer Überflutungen unterbrochen worden. Hinter Geröllmassen hat sich auf der tibetischen Seite ein Stausee gebildet, der den chinesischen Angaben zufolge wie befürchtet übergelaufen ist. Die Risiken durch den See seien inzwischen unter Kontrolle gebracht, heißt es von den chinesischen Behörden.
Auch in Tibet Deutsche vermisst
Die Rettungsarbeiten könnten jedoch durch weiteren Regen erschwert werden. Die lokalen Behörden haben vor starken Niederschlägen und Gewittern in den kommenden Tagen gewarnt. Durch anhaltenden Regen bestehe eine erhöhte Gefahr weiterer Überschwemmungen und Erdrutsche.
Bislang wurden im tibetischen Teil des Katastrophengebiets chinesischen Staatsmedien zufolge mehr als 1.000 Menschen in Sicherheit gebracht, darunter Bewohner des Gebiets und Touristen. Weiterhin werden auf chinesischer Seite mehr als 550 Menschen vermisst. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin heißt es, sowohl in Nepal als auch in Tibet seien auch deutsche Staatsangehörige unter den Vermissten.
Höchstes Entscheidungsgremium in China tagt
In der chinesischen Hauptstadt Peking kam Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping mit dem höchsten Entscheidungsgremium der Kommunistischen Partei zu einer Sitzung zusammen, um die Rettungsmaßnahmen zu koordinieren.
Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua, hieß es in dem Treffen, die Behörden müssten "wissenschaftlich fundierte Such- und Rettungspläne ausarbeiten und alle Anstrengungen unternehmen, um nach Vermissten aus dem In- und Ausland zu suchen".
Zudem forderte das Gremium demnach eine bessere Überwachung von Gletscherseen. Der chinesische Ministerpräsident Li Qiang war am Donnerstag in das Katastrophengebiet auf der tibetischen Seite gereist, um die Rettungseinsätze zu beaufsichtigen.
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