RTL sorgt für Kritik: Alte Folgen werden von KI «recycelt»

- Fünf Episoden hat RTL bereits mit KI umgestaltet – Figuren wurden ausgewechselt, Geschlechter geändert, Urteile neu gesprochen.
- Der Sender verzichtet bewusst auf eine Kennzeichnung im laufenden Programm und setzt stattdessen auf «formatgerechte Transparenz».
- Schweizer Sender wie SRF und CH Media gehen deutlich zurückhaltender vor und lehnen inhaltliche KI-Eingriffe in bestehende Produktionen ab.
Der Influencer Alex Riechelmann veröffentlichte vor Kurzem ein Video, in dem er den Sender RTL dafür kritisiert, dass sie alte Episoden der Gerichtsshow «Ulrich Wetzel – Das Strafgericht» mit KI abgewandelt haben. Mithilfe der KI sind Figuren, Handlungsverläufe und auch Urteile auf Basis der produzierten Folgen neu entwickelt worden. So entstehen neue Folgen, in denen am Ende teils auch ganz andere Urteile gesprochen werden. Aus einem Mutter-Sohn-Verhältnis wird in einem Fall ein Geschwisterverhältnis, in einer anderen Folge wird zudem das Geschlecht der Hauptfigur verändert. Schauspieler, die bereits in der Serie existieren, werden dabei einfach ausgewechselt und neu eingesetzt.
Besonders problematisch findet Riechelmann, dass RTL keinerlei Hinweise einblendet, dass man die bestimmten Episoden mit künstlicher Intelligenz verändert hat, obwohl die relativ neue KI-Verordnung der EU die Kennzeichnung von KI-Inhalten verpflichtend macht. «Diese Folgen werden dann dreist als neue verkauft.» Zuletzt erwähnt er: «Ich würde mir lieber die zehnte Wiederholung von etwas ansehen, statt mir sowas reinzuziehen.»
Pilotprojekt
Ausprobiert wurde das Ganze zwar erst an fünf Episoden, RTL kann sich aber vorstellen, das auf andere Sendungen auszuweiten und geht mit dem Thema sehr offen um. Bereits im Frühjahr wurde eine KI-Offensive angekündigt. Gegenüber «DWDL.de» gab RTL bekannt, man verzichte bewusst auf eine unmittelbare Kennzeichnung im laufenden Programm und setze auf eine «formatgerechte Transparenz über den Einsatz von KI». Der RTL-Sprecher sagte zudem, dass es entscheidend sei, ob beim Publikum überhaupt der Eindruck entstehen könne, «KI-generierte oder bearbeitete Inhalte seien authentische oder wahrheitsgetreue Aufnahmen».
Wie stehen Schweizer Medien dazu?
Gegenüber 20 Minuten äusserte sich die Mediensprecherin vom SRF zum Thema. Auf die Frage, ob es aus der Sicht vom SRF grundsätzlich zulässig wäre, Sendungen mithilfe von KI nachträglich zu verändern, antwortete sie: «Bei einer bestehenden Sendung, welche unser Publikum bereits gesehen hat, ist das heute kaum vorstellbar. KI kann bei der Restaurierung von altem Bild- und Ton-Material eingesetzt werden. Allenfalls wären im Bereich Satire oder in der Fiktion gewisse Experimente möglich.» Das SRF setzte bereits KI in einer Sendung ein: «Die SRF-Serie «Mindblow» war die erste SRF-Produktion, in der KI-Technologie massgeblich zur Anwendung kam. Trotz des Einsatzes künstlicher Intelligenz wurde jede Einstellung einzeln bearbeitet, um die kreative Kontrolle über den Prozess zu behalten.», stellte sie klar.
Auch «CH Media», respektive «3+», gab gegenüber 20 Minuten bekannt, dass der Einsatz von KI bei der Neuerstellung bereits ausgestrahlter Sendungen derzeit kein Thema sei. «Wir unterscheiden klar zwischen technischen Hilfsmitteln und Eingriffen in den Inhalt einer Produktion.», so die Leitung der Eigenproduktion von CH Media.
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Wird das die Zukunft des Fernsehens?
Man könne sich «sehr gut vorstellen, weitere Innovationsprojekte dieser Art zu testen», so RTL. «Wir sind überzeugt, dass Künstliche Intelligenz für die Unterhaltungsbranche eine neue Epoche kreativer Möglichkeiten eröffnen kann, wenn sie verantwortungsvoll eingesetzt wird.» Während grosse Medienhäuser der Schweiz zaghafter mit der künstlichen Intelligenz umgehen, ist der deutsche Privatsender deutlich offensiver, spricht dabei aber immer noch von «Pilot- und Lernphasen».
Stella Regenscheit (str), arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im People-Ressort.
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