Status der globalen Wasservorräte ist besorgniserregend
Wasserknappheit ist aktuell vor allem im Süden Deutschlands ein Problem. Sinkende Grundwasservorräte zeigen die Folgen der Trockenheit. Renaturierung, Wasserspeicher und neue Leitungen sollen helfen.
17.09.2026 | 2:24 minWas aktuell auf der Erde mit unserem Wasser geschieht, wird gravierenden Einfluss auf unsere Zukunft haben, davor warnt die World Meteorological Organization (WMO) gleich zu Beginn ihres jährlichen Reports. Hydrologe Robert Reinecke, der an dem Bericht mitgewirkt hat, spricht gegenüber ZDFheute von einem "krassen Zustand" mit Blick auf die weltweiten Wasserressourcen.
Dieser Sommer hat uns allen vor Augen geführt, wie schwierig es schon heute ist, mit der Verknappung der Wasservorräte umzugehen.
Robert Reinecke, Hydrologe
Dabei sind die Folgen der Trockenheit 2026 in dem Bericht noch gar nicht festgehalten. Denn die WMO bezieht sich immer auf das Vorjahr, also in diesem Fall auf 2025. "Daher ist davon auszugehen, dass der Bericht 2027 noch dramatischer ausfällt."
Österreichische Bauern leiden unter Trockenheit. Besonders stark ist die Weinlese betroffen. Die Trauben sind kleiner als normal, wodurch die Ernte trotz guter Qualität deutlich geringer ausfällt
10.09.2026 | 2:15 minWenn Wasser fehlt: Der WMO-Bericht warnt
2025 war für die Flüsse weltweit eines der trockensten Jahre seit mehr als drei Jahrzehnten. Der Bericht der WMO zum Zustand der weltweiten Wasserressourcen belegt den fortschreitenden Rückgang der Süßwasserreserven. Hinzu kommt das Abschmelzen der Gletscher.
Im Klartext: Die Wasserspeicher auf der Erde leeren sich langsam. Asien und Afrika sind am stärksten betroffen, dem Bericht zufolge entfielen auf beide Kontinente mindestens die Hälfte aller bekannten wasserbezogenen Extremereignisse wie Dürren oder Überschwemmungen sowie mehr als 80 Prozent der damit verbundenen Todesfälle der vergangenen fünf Jahre. Die Verfügbarkeit von Daten hat sich verbessert, doch in stark betroffenen Gebieten bestehen weiterhin Lücken, schreibt die WMO.
Hitze und Dürre setzen Frankreichs Winzern zu: Die Weinernte fällt in diesem Jahr deutlich geringer aus. Dabei hatten die Winzer im Frühjahr noch auf einen guten Ertrag gehofft.
08.09.2026 | 0:19 minWasser in der Atmosphäre: Extreme nehmen zu
Durch den Klimawandel erwärmt sich die Atmosphäre, erklärt Eva Börgens vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung. In der Folge könne eine wärmere Atmosphäre mehr Wasser speichern und führe gleichzeitig mehr Energie mit sich, was eine Häufung von Extremwetterlagen wie Stürme oder Überschwemmungen nach sich ziehe.
Börgens beobachtet die Veränderung des Wassersystems mithilfe von Satellitentechnik und hat ebenfalls an dem WMO-Bericht mitgearbeitet. "Wir sind bislang in Deutschland relativ gleichmäßige Regenfälle gewöhnt", so Börgens auf Nachfrage von ZDFheute. Aber in Zukunft sei mit einem Wechsel aus Dürrephasen und starken Niederschlägen zu rechnen.
El Niño bringt weltweit mehr Dürre, Hitze und Extremwetter. Besonders die Landwirtschaft leidet – mit möglichen Folgen für Lebensmittelversorgung und Preise.
04.09.2026 | 2:19 minWasserkrise: Was Deutschlands Flüssen droht
Was lässt sich aus dem Bericht für Deutschland herauslesen? Es zeige sich einmal mehr, wie stark wir von der Gletscher- und Schneeschmelze in den Alpen abhängen, meint Reinecke, der an der Uni Mainz eine Juniorprofessur für Erdsystemmodellierung hat. Flüsse wie der Rhein bekommen weniger Wasser zugeführt, weil in den Alpen weniger Schnee fällt und die Gletscher kleiner werden. Das sei eine Zeit lang nicht so stark aufgefallen, so Reinecke, weil die Gletscher in den Alpen Wasser abgegeben hätten. Aber durch die Schmelze und den geringen Schneefall sei das nun vorbei.
Woraus er als Wissenschaftler Hoffnung schöpfe, erklärt Reinecke gegenüber ZDFheute so:
Wir haben die Mechanismen des Klimawandels extrem gut verstanden und wir kennen die Lösungen. Wir müssen uns als Gesellschaft nur auf den Weg machen.
Robert Reinecke, Hydrologe
Dazu gehöre an erster Stelle die Reduktion der CO2-Emissionen, aber auch eine Anpassung der Infrastruktur wie zum Beispiel die Ausweitung von Flussauen oder der Bau von Schwammstädten.
Weitreichendere Folgen eines stärkeren El-Niño dürften „erzwungene Migration, humanitäre Krisen und auch vielleicht Ressourcenkonflikte“ sein, sagt Klimaexpertin Kira Vinke.
04.09.2026 | 3:34 minWer bekommt Wasser, wenn es immer knapper wird?
"Wir müssen uns einerseits stärker vor Hochwasser schützen und andererseits versuchen, das Wasser in der Landschaft zu halten", ergänzt Börgens. Das heißt, die kurzen, aber vermutlich heftigen Niederschlagsphasen zur Speicherung des Wassers zu nutzen, um anschließend besser über die Dürrephasen hinwegzukommen.
Reinecke geht es aber nicht nur um technische Fragen. Er glaubt, dass auch eine gesellschaftliche Debatte geführt werden müsse. Für ihn ist die entscheidende Frage: "Wer hat welche Wasserrechte? "Wo und bei wem fangen wir an, wenn Kommunen in Zukunft häufiger Wasser reduzieren müssen, wie wir es im Sommer 2026 bereits erlebt haben?"
Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 17.09.2026 ab 05:30 Uhr.
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