Schweizer Fleischmarkt – In der Schweiz wird so viel Poulet gegessen wie noch nie

- Der Konsum von Pouletfleisch hat in den letzten 25 Jahren um 83 Prozent zugenommen auf 16.5 Kilo pro Person.
- Im Vergleich zu anderen Fleischarten kommt beim Poulet ein deutlich geringerer Anteil aus Schweizer Produktion.
- Das Angebot aus tiergerechter Haltung mag mit dem schnellen Wachstum der Nachfrage nicht mithalten.
Poulet ist gemäss dem Branchenverband Proviande nach dem Schweinefleisch zum zweitbeliebtesten Fleisch der Schweizer Bevölkerung geworden. Während der Konsum von Poulet in den letzten 25 Jahren stetig stieg, ist der aller anderen Fleischarten im gleichen Zeitraum gesunken oder gleich geblieben.
Diese starke Zunahme lässt sich unter anderem durch die sozialen Medien erklären, wo sich Sportlerinnen oder Sportler als Pouletfans bekennen oder Empfehlungen für «Crousty»-Fast-Food-Restaurants die Runde machen, die besonders in der Westschweiz beliebt sind. Der erschwingliche Preis von Poulet und die Tatsache, dass es für alle Religionsgemeinschaften konsumierbar ist, sind weitere Gründe für den Erfolg.
Schweizer Produktion unter Druck
Doch das Angebot hält mit der Nachfrage nicht Schritt. Laut dem Schweizerischen Bauernverband deckt die inländische Produktion nur 62 Prozent des Konsums. Im Vergleich dazu erreicht die Selbstversorgung bei Kalbfleisch 97 und bei Schweinefleisch 95 Prozent.
Letztes Jahr importierte die Schweiz fast 50’130 Tonnen Pouletfleisch, ein Drittel davon stammte aus Brasilien. Doch Anfang September hat die Schweiz die Importe von brasilianischem Fleisch eingefroren, eine Vorsichtsmassnahme angesichts der Verwendung von Antibiotika. Migros und Coop teilten mit, sie seien in der Lage, das mit europäischem Geflügel zu kompensieren. Allerdings könnten die Preise in den kommenden Wochen steigen.
Wie ein Pouletproduzent vom Wachstum des Konsums profitiert:
Die Ross 308, eine schnell wachsende Rasse, macht 90 Prozent des in der Schweiz konsumierten Pouletfleisches aus. Tierschutzorganisationen prangern dieses Wachstum an, das bei den Poulets Leiden verursacht. In Europa verbietet ein Tierschutzlabel, das European Chicken Commitment (ECC), die Verwendung dieser schnell wachsenden Rasse.
Fast 400 Unternehmen haben das Label unterzeichnet, wie KFC, Burger King, Lidl France, Aldi France oder auch die LDC-Gruppe, der grösste europäische Pouletproduzent. In der Schweiz hat dies keiner der grossen Detailhändler getan. Das Tierwohl hängt aber auch von anderen Faktoren wie den Haltungsbedingungen ab. Diese gehören in der Schweiz zu den strengsten der Welt.
Migros leitet einen Wandel ein
Im September ist die gesamte Marke Optigal, die 40 bis 50 Prozent des Pouletverkaufs der Migros ausmacht, auf eine langsamer wachsende Rasse umgestellt worden. Diese Poulets werden durchschnittlich 42 Tage leben statt 35 Tage bei Ross 308. Diese Änderung erfolgt ein Jahr, nachdem die Westschweizer Tierschutzorganisation Observatoire du spécisme Bilder aus einem Waadtländer Betrieb der Migros-Tochter Micarna publiziert hatte. Sie zeigten Poulets, die hinkten und allem Anschein nach unter Gewichts- und Hautproblemen litten.
Auf langsamer wachsende Rassen zu setzen, bedeutet weniger inländische Produktion und mehr Importe. Die Migros hat angekündigt, man wolle die Schweizer Geflügelproduktion stabilisieren oder sogar erhöhen. Der Konzern startete einen Aufruf: Er sucht 50 neue Betriebe, die bereit sind, in die Pouletaufzucht einzusteigen. Doch angesichts der Gesetze im Bereich der Raumplanung dürfte sich die Aufgabe als schwierig erweisen.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.