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Saturday, September 12, 2026

Sexologin Dania Schiftan erklärt: «Ein Orgasmus ist nicht automatisch Ausdruck von Lust»

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Sexologin Dania Schiftan erklärt

«Ein Orgasmus ist nicht automatisch Ausdruck von Lust»

Corinne Müller spricht im neuen Blick-Format «G&G Deeptalk» erstmals über ihren jahrelang erlebten Missbrauch. Der Mann, dem sie vertraute, ignorierte ihre Nein. Sie bricht ein Tabu und erzählt vom Orgasmus während eines sexuellen Übergriffs.

Publiziert: vor 14 Minuten

Aktualisiert: vor 7 Minuten

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft

  • Corinne Müller spricht erstmals öffentlich über jahrelang erlebten sexuellen Missbrauch
  • Trotz Übergriffen erlebte sie Orgasmen – eine Reaktion, keine Zustimmung
  • Sexologin: Körperliche Reflexe sind keine Zeichen von Lust oder Einverständnis
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Flavia SchlittlerRoyal- und People-Expertin

Das ehemalige Moneygirl Corinne Müller (39) spricht im neuen Blick-Format «G&G Deeptalk» erstmals öffentlich darüber, dass sie jahrelang sexuell missbraucht wurde. Sie war jung und vertraute dem Mann, der sie beruflich weiterbringen wollte. Auch als er ihr sagte, dass er ihren Körper mit Massagen formen könne und «dass eine Frau zum Höhepunkt kommen müsse, damit sie etwas bringt». Was er damit meinte, war ihr nicht klar.

Corinne Müller berichtet im Videopodcast über den wöchentlichen Missbrauch – und all ihre Nein, die der Mann ignorierte. Sie bricht auch ein Tabu, wenn sie erzählt, dass sie während des Missbrauchs tatsächlich einen Orgasmus hatte. Die renommierte Psychoanalytikerin und Sexologin Dania Schiftan erklärt im Blick-Interview, weshalb Frauen auch während eines sexuellen Übergriffs zum Höhepunkt kommen können.

Blick: Wie kann es passieren, dass eine Frau während eines sexuellen Übergriffs einen Orgasmus erlebt? Was geschieht dabei körperlich und psychisch?
Dania Schiftan: Weil unser Körper auf sexuelle Reize reagieren kann, völlig unabhängig davon, ob wir diese Situation wollen oder nicht. Wenn Genitalien entsprechend stimuliert werden, kann Erregung entstehen, und es kann auch zu einem Orgasmus kommen. Gleichzeitig kann die Frau psychisch Angst, Ekel, Schmerz oder völlige Ablehnung empfinden. Das widerspricht sich nicht. Ein Orgasmus ist zunächst einmal eine körperliche Reaktion – und nicht automatisch Ausdruck von Lust.

Was sagt ein Orgasmus während eines Übergriffs über die Gefühle und den Willen der betroffenen Frau aus?
Eigentlich nichts. Und das finde ich ganz wichtig zu verstehen. Wir setzen einen Orgasmus sehr schnell mit Lust gleich. Aber das stimmt so nicht. Ein Orgasmus zeigt, dass der Körper auf einen Reiz reagiert hat. Er sagt nicht: «Ich wollte das.» Er sagt nicht: «Das hat mir gefallen.» Und schon gar nicht bedeutet er Zustimmung.

Kann man zum Orgasmus gezwungen werden?
Ein Orgasmus ist ein Reflex. Genau genommen gibt es einen Erregungsreflex und einen Orgasmusreflex. Das bedeutet: Man kann die Voraussetzungen und die Umgebung dafür schaffen, dass dieser Reflex ausgelöst wird – aber man kann ihn nicht erzwingen.

Warum kann eine solche körperliche Reaktion später besonders starke Schuld- oder Schamgefühle auslösen?
Weil genau diese falsche Verknüpfung so tief in uns sitzt: Wenn mein Körper erregt war oder ich sogar einen Orgasmus hatte, dann muss ich es doch irgendwie gewollt haben. Und daraus können massive Schuld- und Schamgefühle entstehen. Dabei ist die entscheidende Information eine ganz andere: Der Körper hat reagiert. Mehr lässt sich daraus nicht ableiten.

Kann sich der Körper bei wiederholten sexuellen Übergriffen auf bestimmte Berührungen oder Abläufe konditionieren, sodass er irgendwann automatisch reagiert?
Ja, absolut. Unser Körper lernt über Wiederholung. Bestimmte Berührungen oder Abläufe können irgendwann sehr schnell eine körperliche Reaktion auslösen. Das kennen wir auch aus einvernehmlicher Sexualität: Der Körper weiss irgendwann ziemlich genau, auf welche Reize er reagiert. Bei Übergriffen können solche Lernprozesse genauso stattfinden. Das bedeutet aber auch hier nicht, dass Lust vorhanden ist oder die Person das Geschehen will.

Was würden Sie einer Frau sagen, die nach einem Übergriff mit Orgasmus denkt: «Dann muss ein Teil von mir das doch gewollt haben»?
Ich würde ihr sagen: Nein. Ihr Körper hat etwas gemacht, das Körper machen können. Das ist keine Aussage darüber, was Sie wollten. Erregung ist nicht Lust. Ein Orgasmus ist nicht Wollen. Und eine körperliche Reaktion ist keine Zustimmung. Entscheidend ist nicht, was Ihr Körper gemacht hat, sondern ob Sie diese sexuelle Handlung wollten.

Corinne Müller sagt, noch heute würde sie zusammenzucken, wenn ihr Freund sie an bestimmten Stellen berührt, wo der andere sie berührt hat. Wie können Traumata wie diese je überwunden werden?
Unser Körper kann Berührungen sehr stark mit bestimmten Erfahrungen verknüpfen. Dann reicht später vielleicht eine Berührung an genau dieser Stelle und das Nervensystem reagiert, obwohl die Frau heute weiss: Ich bin sicher, das ist mein Partner, ich möchte diese Nähe eigentlich. Solche Verknüpfungen können sich aber auch wieder verändern. Dabei geht es nicht darum, sich an eine Berührung «gewöhnen zu müssen». Im Gegenteil. Zentral ist, wieder Selbstbestimmung zu erleben: Ich entscheide, wann ich berührt werde, wo, wie lange und wie intensiv. So kann der Körper nach und nach neue Erfahrungen abspeichern. Berührung kann wieder etwas werden, über das ich selbst verfüge.

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