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Thursday, October 1, 2026

Klimasorgen weichen Resignation: Deutsche in großer Angst vor steigenden Kosten

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Klimasorgen weichen ResignationDeutsche in großer Angst vor steigenden Kosten

01.10.2026, 11:56 Uhr Max-01Von Max Patzig

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Das Leben wird immer teurer. (Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

Die Inflation wird für viele Menschen in Deutschland zur Bedrohung. Sie fürchten, dass ihr Geld nicht zum Leben reicht. Mit der Politik sind sie so unzufrieden wie lange nicht. Doch bei anderen Themen blicken die Deutschen etwas optimistischer als vor einem Jahr in die Zukunft.

Menschen in Deutschland sind etwas ängstlicher als vor einem Jahr. Das besagen die Ergebnisse der Studie "Die Ängste der Deutschen" der R+V-Versicherung. Demnach legt der sogenannte Angstindex um einen Prozentpunkt von 37 auf 38 Prozent zu. Allerdings liegt das Angstniveau damit "deutlich unter dem Spitzenwert von 52 Prozent im Jahr 2016", sagt Studienleiter Grischa Brower-Rabinowitsch bei der Vorstellung der Ergebnisse.

Die größte Angst herrscht in diesem Jahr vor den weiter steigenden Lebenshaltungskosten. "Insgesamt 59 Prozent der Bevölkerung fürchten, dass ihr Geld dauerhaft nicht zum Leben reicht", sagt Brower-Rabinowitsch. Im Vergleich zu 2025 haben sieben Prozent mehr Menschen große Angst vor den steigenden Kosten. "Die Menschen erleben tagtäglich, wie kostspielig der Alltag inzwischen ist", benennt Brower-Rabinowitsch den Grund der Entwicklung.

"Die Menschen können sich immer weniger leisten", stellt Politikwissenschaftlerin Isabelle Borucki von der Philipps-Universität Marburg fest. "Die Schlüsselpreise Energie, Wohnen und Lebensmittel sind spürbar gestiegen. Dadurch sinkt der finanzielle Spielraum für Freizeit, Urlaub und Anschaffungen." Die Inflation ist im September auf ein Langzeit-Hoch gestiegen.

Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten ist alles andere als neu: Schon zum 16. Mal führt diese Angst die seit 1992 jährlich durchgeführte Studie an. War im vergangenen Jahr die Sorge in West und Ost gleich groß, ist die Angst nun im Westen (60 Prozent) größer als im Osten (53 Prozent). Zudem sind Frauen (63 Prozent) öfter um die finanzielle Belastung besorgt als Männer (55 Prozent). Borucki verweist auf das geringere Einkommen der meisten Frauen im Vergleich zu Männern.

Vertrauen in Politik sinkt

Die zweitgrößte Angst haben die insgesamt 2400 Befragten vor Steuererhöhungen oder Leistungskürzungen. 53 Prozent gaben an, große Sorge zu haben (plus vier Prozentpunkte im Jahresvergleich). "Für die Finanzierung von Sozialversicherungen, Verteidigung und Infrastruktur will der Staat viel Geld in die Hand nehmen", sagt Brower-Rabinowitsch. Professorin Borucki dazu: "Den Bürgerinnen und Bürgern ist klar, dass die steigenden Ausgaben entweder durch höhere Abgaben, geringere Leistungen oder zusätzliche Verschuldung ausgeglichen werden müssen." Hintergrund der Angst sei die Frage nach der Fairness, wer die Kosten der Modernisierung tragen soll, und ob man sich noch auf die zugesagten Leistungen verlassen kann.

Eine ähnliche Entwicklung ist beim Vertrauen in die Politik zu beobachten. 48 Prozent (2025: 42 Prozent) fürchten, dass die Politik mit ihren Aufgaben überfordert ist. "Wir beobachten einen deutlichen Vertrauensverlust", sagt Studienleiter Brower-Rabinowitsch. Die Befragten waren aufgefordert, Regierung und Opposition mit Schulnoten zu bewerten. Das Ergebnis fällt auf ein Langzeit-Tief: "Der Notendurchschnitt liegt in diesem Jahr bei 4,1. Noch schlechter waren die Noten zuletzt während der Regierung Merkel im Jahr 2018", sagt der Studienleiter, der das Ergebnis "miserabel" nennt.

"Nach dem Ende der Ampel verknüpften viele mit Schwarz-Rot die Hoffnung auf mehr Führung, weniger Streit und eine schnelle wirtschaftliche Wende. Das hat sich nicht erfüllt", zieht Politikwissenschaftlerin Borucki ein Zwischenfazit zur aktuellen Bundesregierung. "Zwischen den großen Ankündigungen und den spürbaren Ergebnissen klafft jetzt eine Lücke. Die Menschen sind enttäuscht und verlieren Vertrauen."

Weniger Angst vor Klima und Krieg

Nicht bei allen abgefragten Themen steigt die Angst der Deutschen. Bei einer Handvoll sind die Befragten heute etwas sorgenfreier als noch vor einem Jahr. Etwa bei Naturkatastrophen ist solch eine Entwicklung zu beobachten. Die Angst geht hier von 36 auf 27 Prozent zurück. Die damit eng verbundenen Sorgen vor dem Klimawandel sinken von 36 auf 30 Prozent. "Die Folgen der Klimakrise sind für die Menschen deutlich erlebbar", sagt Borucki. "Angesichts der scheinbar unaufhaltsamen Veränderungen wird das Gefühl der Angst offenbar durch Resignation überlagert." Die Professorin fordert, die Regierung solle sich trauen, zukunftsgerichtete Klimapolitik zu machen. "Das wäre eine Chance für das Land und für die Wirtschaft."

Bei den Themen Terrorismus (von 39 auf 34 Prozent), Krieg mit deutscher Beteiligung (von 41 auf 34 Prozent) und Macht autoritärer Herrscher weltweit (von 47 auf 41 Prozent) gibt es in dieser Erhebung ebenfalls weniger große Ängste als 2025. Doch auch diese waren zum Teil schon deutlich niedriger. Die Angst vor einer Verwicklung in einen Krieg lag etwa im Jahr vor dem Beginn der Kämpfe in der Ukraine bei lediglich 16 Prozent.

Auf einem Tiefstwert ist zudem die Angst vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes angelangt: "Nur 20 Prozent der Erwerbstätigen befürchten, ihren Job zu verlieren", so die R+V-Versicherung. Dies steht allerdings im direkten Zwiespalt zu Platz vier aller Ängste. Die Sorge vor einer schlechteren Wirtschaftslage treibt 51 Prozent der Befragten um. "Die Angst vor einer Rezession ist um zehn Prozentpunkte gestiegen - stärker als jede andere Sorge", so Brower-Rabinowitsch.

Für die repräsentative Stichprobe wurden 2400 Personen im Alter ab 14 Jahren befragt, davon 1600 in West- und 800 in Ostdeutschland. Die Erhebung wurde von Mitte Mai bis Ende Juli durchgeführt. Die Befragten äußerten sich in persönlichen Interviews zu geschlossenen Fragen. Sie sollten auf einer Skala von 1 (gar keine Angst) bis 7 (sehr große Angst) antworten. Die Werte 5, 6 und 7 wurden als "große Angst" zusammengefasst.

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