Fast so schlecht wie 2008: Lions-Defense erreicht historische Dimensionen
Die Detroit Lions besitzen nach vier Spieltagen die schlechteste Defense der NFL. Die Zahlen erinnern bereits an das sieglose Team von 2008. Head Coach Dan Campbell will über einen möglichen Abschied von Defensive Coordinator Kelvin Sheppard dennoch nicht sprechen.

Detroits Defense rund um Aidan Hutchinson (im Bild) sucht weiterhin vergeblich nach Antworten. Bob Donnan
445 Yards, sechs gegnerische Scoring Drives nacheinander und zum dritten Mal in vier Wochen mindestens 30 zugelassene Punkte: Die 26:32-Niederlage gegen die Carolina Panthers war kein Ausrutscher. Sie war der vorläufige Tiefpunkt einer defensiven Entwicklung, die in Detroit längst historische Dimensionen angenommen hat.
Nur 21 Yards besser als das 0:16-Team
Über vier Spiele haben die Lions 1695 Yards zugelassen. Mehr waren es zu diesem Zeitpunkt in der gesamten Franchisegeschichte lediglich 2008, als Detroit auf dem Weg zur ersten 0-16-Saison der NFL-Geschichte nach vier Partien bei 1716 Yards stand. Die aktuelle Defense trennen damit gerade einmal 21 Yards von jener berüchtigten Einheit.
Auch der Blick auf die Punkte macht wenig Hoffnung. Detroit lässt durchschnittlich 31,8 Zähler pro Partie zu. Über eine komplette Saison waren in den vergangenen 40 Jahren nur die Lions-Defenses von 2020 (32,4) und 2008 (32,3) schlechter. Erstmals seit der sieglosen Saison kassierte Detroit zudem in drei der ersten vier Spiele mindestens 30 Punkte.
Die Tabellenplätze lesen sich entsprechend:
Platz 32 (von 32) bei zugelassenen Punkten: 31,8 pro Spiel
Platz 32 bei zugelassenen Yards: 423,8 pro Spiel
Platz 32 gegen den Pass: 304,8 Yards pro Spiel
Platz 32 bei Third Downs: 52,8 Prozent zugelassen
Kein Gegner blieb bislang unter 24 Punkten oder 335 Total Yards. Selbst der statistisch beste Auftritt gegen die Jets wirkt im Rückblick ernüchternd: Eine Woche später hielt Chicago dieselbe Offense bei lediglich 157 Yards und zwölf Punkten. Gegen Detroit hatte New York noch 335 Yards und 24 Zähler produziert.
Panthers legen Detroits Probleme offen
Gegen Carolina offenbarte die Lions-Defense schließlich all ihre Schwächen auf einmal. Bryce Young startete mit elf vollständigen Pässen nacheinander und beendete die Partie mit 329 Yards sowie zwei Touchdowns. Tetairoa McMillan fing 14 Pässe für 192 Yards und zwei Scores.
Als Detroit die Probleme in der Passverteidigung nach der Pause etwas besser kontrollierte, übernahm dann einfach das Laufspiel. Chuba Hubbard kam ohne viel Mühe auf 122 Yards und zwei Touchdowns. "Dann hat uns der Lauf erwischt. Wir haben in der zweiten Hälfte angefangen, Yards abzugeben - und genau das durfte nicht passieren", erklärte Campbell.
Der defensive Front um Aidan Hutchinson und Alim McNeill bescheinigte der Head Coach zwar weiterhin ordentlichen Druck. Dahinter fehlt jedoch jede Stabilität. Missverständnisse in der Zone, offene Räume über die Mitte und verpasste Tackles ziehen sich durch sämtliche bisherigen Partien.

Defensive Coordinator Kelvin Sheppard steht nach dem historisch schwachen Saisonstart seiner Defense unter Druck. Junfu Han / USA TODAY NETWORK via Imagn Images
Verletzungen erklären nicht alles
Die personelle Situation verschärft das Problem. Brian Branch und Kerby Joseph haben in dieser Saison noch kein Spiel gespielt, und auch dahinter fehlen inzwischen sämtliche Alternativen: Avonte Maddox fällt für den Rest der Saison aus, Thomas Harper steht auf der Injured-Reserve-Liste. Gegen Carolina verletzte sich nun auch noch Cornerback Rock Ya-Sin am Oberschenkel.
Immerhin besitzt Branch laut Campbell gute Chancen, nach der abschließenden medizinischen Freigabe in dieser Woche ins Training zurückzukehren. Seine Rückkehr allein wird jedoch kaum alle Probleme beheben. Bereits in Sheppards erster Saison als Defensive Coordinator belegten die Lions bei den zugelassenen Punkten lediglich Rang 22. Die erhoffte Weiterentwicklung ist bislang komplett ausgeblieben.
Campbell will "jede Möglichkeit ausschöpfen"
Angesichts der historischen Zahlen wurde Campbell am Montag direkt gefragt, ob er über eine Trennung von Sheppard nachdenke. Der Head Coach blockte die Personalfrage ab.
"Darüber rede ich nicht. Ich rede davon, mit dem, was wir haben, jetzt besser zu werden. Genau das werden wir tun. Wir werden einen Weg finden, mit dem, was wir haben, besser zu werden", erklärte Campbell.
Detroit habe bereits in jeder Woche Anpassungen vorgenommen. Weitere Veränderungen bei den Spielzügen, der Coverage und beim eingesetzten Personal seien denkbar. "Ich will hier wirklich jede Möglichkeit ausschöpfen", betonte Campbell und stellte gleichzeitig klar, dass er nach vier Spielen noch nicht in Panik verfalle.
Viel Zeit bleibt dennoch nicht. Vor der Bye Week treten die Lions bei den Arizona Cardinals an. Spätestens dort muss Sheppards Defense erste Antworten liefern. Andernfalls dürfte sich die Frage nach seiner Zukunft kaum noch so einfach abblocken lassen.
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