Session zu Stromversorgung – Nationalrat will Moore beim Stromnetzausbau schützen

Das Stromnetz soll schneller ausgebaut werden. Doch bei Freileitungen und beim Schutz der Moore sind die Räte uneinig.
Autor:
16.09.2026, 13:22
Das Stromnetz ist unbestritten eine versorgungsrelevante Infrastruktur. Insbesondere die Höchstspannungsleitungen bilden quasi das Rückgrat der Stromversorgung und sind von nationalem Interesse. Ihr Aus- und Umbau im sogenannten Netzexpress hat Vorrang vor anderen Interessen und soll grundsätzlich über Freileitungen realisiert werden.
Doch bereits hier gehen die Meinungen von Stände- und Nationalrat auseinander: Gilt dieser Vorrang nur für das Übertragungsnetz mit der höchsten Spannung? Und wo soll es Ausnahmen geben?
Rechts und links gegen zu viele Ausnahmen
Nicht zu viele Ausnahmen – darin waren sich im Nationalrat für einmal Rechts und Links einig.
Für die SVP sagte Benjamin Giezendanner (AG): «Je mehr Ausnahmen wir schaffen, desto kleiner wird der Beschleunigungseffekt. Wenn wir aus dem sogenannten Netzexpress einen Bummelzug machen, verliert diese Vorlage für die SVP ihre Attraktivität.»
Auch die Zürcher Grüne Nationalrätin Marionna Schlatter (ZH) kritisierte die Entscheide des Ständerats. Dieser habe «etwas zu viel Aktivismus an den Tag gelegt». Insbesondere was die Ausnahmen für die Erstellung von Infrastrukturen angehe, sei es in Mooren, im Gewässerraum oder in Waldesnähe.
Nationalrat will Moore schützen
Der Ständerat wollte bei künftigen Bauprojekten für das Stromnetz noch mehr Tempo ermöglichen. In den kommenden Jahren stehen zahlreiche altersbedingte Ersatzleitungen sowie zusätzliche Ausbauten wegen des steigenden Strombedarfs an.
Bundesrat und Nationalrat hingegen wollen Biotope von nationaler Bedeutung, einschliesslich der Moore und Moorlandschaften, weiterhin schützen. Sie sehen darin keinen Widerspruch zum Ziel der Vorlage, den Aus- und Umbau zu beschleunigen. Nur etwa drei Prozent der Starkstromleitungen führten durch Moorlandschaften.
Die SP wollte den Naturschutz unter bestimmten Bedingungen ausbauen und brachte entsprechende Ausnahmen bei der Debatte um mögliche Erdleitungen ins Spiel. Doch Martin Bäumle von der Zürcher GLP entgegnete: «Ob es wirklich sinnvoller ist, für eine 220- oder 380-Kilovolt-Leitung einen Tunnel durch ein Moor zu bauen? Eine Freileitung beeinträchtigt zwar die Landschaft etwas, ist insgesamt aber wahrscheinlich der deutlich geringere Eingriff in Natur und Umwelt.»
Die bürgerliche Mehrheit folgte diesem Argument.
Sowohl die Umweltschutzorganisation Pro Natura als auch die Netzgesellschaft Swissgrid begrüssen die Entscheide des Nationalrats. Als Nächstes ist wieder der Ständerat dran – voraussichtlich nächste Woche.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.