Wetten auf Wahlen – US-Midterms: Wie gut sagten Prognosemärkte die Wahlen voraus?

Beispiel US-Midterms: Bei der Prognoseplattform Polymarket wurden zum Ausgang der Wahlen Wetten im Nennwert von über 340 Millionen Dollar gehandelt, bei Kalshi sogar von über einer Milliarde.
Beispiel Brasilien: Wer bei Polymarket auf einen Sieg von Präsident Lula da Silva wettete, konnte seinen Einsatz mehr als versechsfachen. Allein bei Polymarket wurden auf den Ausgang der brasilianischen Präsidentschaftswahl Wetten im Nennwert von über 249 Millionen Dollar gehandelt.
Für uns sind das illegale Geldspiele.
Laut Kalshi und Polymarket handelt es sich dabei aber nicht um Wetten. Die Plattformen stellen sich auf den Standpunkt, bei ihnen werde mit Finanzprodukten gehandelt. Wer auf den Sieger oder die Siegerin einer Wahl setzt, kauft demnach so etwas wie eine Aktie, deren Wert an den Ausgang der Wahl geknüpft ist.
In der Schweiz sind Polymarket und Co. gesperrt, aber...
In den USA ist diese Argumentation juristisch höchst umstritten. In der Schweiz zieht sie gar nicht: «Für uns sind das illegale Geldspiele und die kommen auf die Sperrliste», sagt Manuel Richard, Direktor der interkantonalen Geldspielaufsicht (Gespa).
Die Gespa sucht nicht selbst nach illegalen Angeboten, das sieht das Gesetz nicht vor. Sie wird aktiv, wenn ihr jemand ein Angebot meldet – häufig sind das bewilligte Schweizer Anbieter, die sich so gegen Konkurrenz wehren.
Bietet eine ausländische Website ohne Bewilligung Wetten oder Lotterien für die Schweiz an, kommt die Domain auf die Sperrliste. Die Internetprovider müssen die Adresse dann blockieren. Die Betreiber können Einsprache erheben, in letzter Instanz entscheiden die Gerichte.
Ende 2025 standen 671 Domains auf der Liste. Für Onlinecasinos ist die Spielbankenkommission zuständig.
Die Sperrliste soll verhindern, dass sich bestimmte Websites in der Schweiz aufrufen lassen. Mit etwas Know-how können die Sperren aber umgangen werden. «Der Gesetzgeber ist sich der beschränkten Wirksamkeit bewusst», sagt Richard und befürchtet, der rasche technologische Wandel dürfte die Wirksamkeit der Liste in den nächsten Jahren noch verringern.
Trotzdem sei die Massnahme nicht umsonst: «Viele Anbieter haben sich aus dem Markt zurückgezogen und nehmen keine Schweizer Kunden mehr an.»
Prognosemärkte lagen bei den US-Midterms meist richtig
Doch auf den Prognosemärkten wird weiterhin auch auf Schweizer Politik gewettet, wenn auch mit kleineren Summen: Für die Abstimmung vom November sind es knapp 40'000 Dollar. Wer jetzt auf ein Nein zur Feuerwerksinitiative setzt, kann seinen Einsatz verdreifachen. Der Markt beziffert die Chance auf ein Ja mit 71 Prozent.
Dass solche Prognosen ziemlich zuverlässig sein können, zeigen die US-Midterms: Eine Stunde vor Schliessung der ersten Wahllokale gab Polymarket den Demokraten eine Chance von 73,5 Prozent, beide Kammern zu gewinnen, was auch geschah.
Bei Kalshi hatte der demokratische Herausforderer in Kansas eine Chance von 63 Prozent. Er gewann – als erster Demokrat seit 1932.
Informationen auf effiziente Weise zusammengetragen
Allerdings: Bei den Midterms lagen auch die meisten traditionellen Vorhersagemodelle richtig. «Da ist immer ein wenig Glück im Spiel, wer die genaueren Vorhersagen liefert», meint Oliver Strijbis, der an der Franklin University Switzerland in Lugano und der Universität Zürich zu Prognosemärkten forscht.
Wer erwartet, dass eine Vorlage scheitert, wird selbst eher Nein stimmen. Das hat Oliver Strijbis in einer Studie gezeigt. Er hat über 4000 Stimmberechtigte zu drei Initiativen befragt, darunter die Feuerwerksinitiative. Hörten die Befragten, die Vorlage werde wohl scheitern, sank ihre Zustimmung.
Strijbis nennt das den Titanic-Effekt. «Es kommt nicht so darauf an, woher die Erwartungen kommen», sagt er. Ob aus Umfragen, Medienberichten oder eben aus Prognosemärkten.
Letztere hätten bei den US-Midterms aber kaum einen Einfluss gehabt, glaubt Strijbis: Die Wählerschaft sei zu gespalten, Umfragen gebe es ohnehin genug.
«Für sehr viele andere politische Ereignisse erlauben Prognosemärkte vielleicht die genauesten Vorhersagen.» Denn in einem solchen Markt würden alle verfügbaren Informationen auf sehr effiziente Weise zusammengetragen. «Und wenn es auf Prognosemärkten um viel Geld geht, haben die Teilnehmenden einen sehr starken Anreiz, basierend auf diesen Informationen ihr Geld richtig einzusetzen.»
Das viele Geld ist für Strijbis allerdings auch ein Problem: Polymarket und Kalshi seien de facto Geldspiele, aber nicht entsprechend reguliert wie der Rest der Branche. «Viele Menschen verlieren viel Geld auf diesen Plattformen.»
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