Von KI in die Irre geführt?: Jugendlicher muss von Felsvorsprung gerettet werden
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Von KI in die Irre geführt?Jugendlicher muss von Felsvorsprung gerettet werden
09.10.2026, 12:10 Uhr

Ein Teenager aus British Columbia hängt nach einer gefährlichen Bergwanderung an einer steilen Felswand fest. Ein Hubschrauber muss den 16-Jährigen retten. Medienberichten zufolge hat er die KI Claude für die Routenplanung verwendet.
Die über 500 Meter hohe Felswand Widowmaker Arete im kanadischen British Columbia ist eine gefährliche Strecke für ungeübte Kletterer. Sie erfordert sorgfältige Planung und geeignete Ausrüstung. Genau das wurde dem 16-jährigen Bryce Vincent Gowryluk auf seiner Wanderung zum Verhängnis: Als er plötzlich vor der steilen Felswand stand, hatte er weder das eine noch das andere. Gowryluk musste von einem Hubschrauber gerettet werden. Medienberichten zufolge hatte der KI-Chatbot Claude die Route für den jungen Wanderer geplant.
Der 16-Jährige fuhr am Samstag mit einer Gondel auf den Grouse Mountain und wollte von dort aus den Crown Mountain erreichen. Die Strecke führt über Geröll, mehr als 600 Höhenmeter müssen überwunden werden. Die Wanderung zieht sich normalerweise über acht Stunden. Wanderführer warnen, dass sie nicht für Anfänger geeignet ist.
Als Gowryluk, ein begeisterter Indoor-Kletterer, den Pass hinunter und in ein mit Felsbrocken übersätes Tal wanderte, kam er von der geplanten Route ab. Der "Guardian" berichtete, dass die Wegbeschreibung von Claude den Jugendlichen von der Route abweichen ließen. Gowryluk bestreitet das: "Die Leute reißen das Ganze aus dem Zusammenhang, weil sie denken, [...] ich wäre von der KI gezwungen worden, auf den Widowmaker zu gehen, was nicht stimmt", sagt Gowryluk gegenüber "CBC News". Er erzählt, dass er die Wanderung drei Tage lang geplant habe. Dabei nutzte er Google Maps und den Kartendienst Alltrails. Er gibt zu, einige Informationen über das Gelände mit Claude abgeglichen zu haben. Hauptsächlich habe er den KI-Assistenten aber für seine Packliste genutzt.
"Furchtbar schiefgelaufen"
Er behauptet, versehentlich auf den Weg zur Widowmaker Arete abgebogen zu sein. Zunächst sei das Gelände "nicht besonders schwierig" gewesen. Dann wurde es schnell zu steil und zu glatt, um weiterklettern zu können. Er befand sich an der letzten Felswand der Widowmaker Arete, die über 518 Meter in die Höhe ragt. Die Kletterroute erfordert Seile, Klemmkeile und einen klaren Aufstiegsplan. "Da wurde mir klar, dass etwas furchtbar schiefgelaufen war", sagt Gowryluk. Aber er kletterte weiter und konzentrierte sich darauf, seine Hände und Füße überall dort zu platzieren, wo sie Platz fanden.
"Ich wusste, dass die Angst mich nur in Panik versetzen und die Panik mich in den Tod führen würde." Schließlich erreichte er einen ausreichend breiten Vorsprung, auf dem er stehen konnte, und rief seine Mutter an. "Er war nicht panisch. Er sagte nur: 'Mama, ich muss die North Shore Rescue anrufen. Ich kann nicht mehr weiter. Ich bin zu hoch geklettert und komme nicht mehr runter'", sagt seine Mutter gegenüber "CBS".
Paul Markey, Einsatzleiter des Rettungsteams North Shore Rescue, sagt, sie seien von der Polizei zur Rettung von Gowryluk entsandt worden. Unabhängig davon, ob er sich per Chatbot oder auf eigene Faust orientiert habe, so Markey, habe sich Gowryluk ohne die richtige Ausrüstung auf einer äußerst anspruchsvollen alpinen Kletterroute wiedergefunden. "Er saß auf einem Felsvorsprung", sagt Markey ."Er hatte große Angst, wie jeder in dieser Lage gehabt hätte."
Schwierige Rettung
Der Rettungshubschrauber hatte zuerst Schwierigkeiten, Gowryluk zu erreichen, da der Jugendliche zu nah an der Felswand stand. Zwei Mitglieder des Rettungsteams seilten sich vom Hubschrauber zu ihm ab. Dann brachten sie ihn in ein Gebiet, wo er sicher wieder hochgezogen werden konnte. "Es war definitiv eine Erfahrung, bei der man sich wirklich bemühen musste, nicht in Panik zu geraten", sagt Gowryluk, als er sich daran erinnert, wie er an Gurtzeug aus dem Hubschrauber hing.
Markley erklärt, dass Gowryluk sich weit von seiner geplanten Route entfernt habe. Er warnt davor, dass Bergsteiger sich nicht auf die Anweisungen künstlicher Intelligenz verlassen sollten. "Claude war in dieser speziellen Situation noch nie in dem Gebiet, in dem sich dieser 16-jährige Junge befand. Claude kann nur bis zu einem gewissen Grad beschreiben, wie das Gebiet aussehen könnte."
Er merkt an, dass Apps in manchen Fällen zu viele Informationen liefern. "Wir haben festgestellt, dass einige der Apps Wege in Gebieten ausweisen, in denen wir als Rettungsteam eigentlich lieber hätten, dass diese Wege oder Routen gar nicht erst ausgewiesen werden", sagte er und fügte hinzu, dass Menschen Routen sehen, die sie für gute Wege halten, nur um dann in Schwierigkeiten zu geraten. Gowryluk wird der Vorfall aber nicht vom Klettern abhalten, berichtet er "CBC News". Er will bald wieder zu einer Bergwanderung aufbrechen.
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