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Tuesday, September 29, 2026

Akademie in Flammen: "Angriff auf das Herz der Ukraine"

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Eine russische Drohne ist am Montag in das Hauptgebäude der Akademie der Wissenschaften der Ukraine in Kyjiw eingeschlagen. In dem Gebäude des Präsidiums der Akademie brach ein Brand aus. Auf Videos, die in sozialen Netzwerken verbreitet wurden, ist zu sehen, wie Menschen versuchen, durch Fenster den Flammen zu entkommen.

Laut Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj gab es ein Todesopfer und sechs Verletzte, darunter drei Kinder. Er erklärte, Russland sollte als Antwort Konsequenzen zu spüren bekommen.

"Jeder Partner der Ukraine muss angesichts dieses Terrors und solcher Einschläge erkennen, dass die Unterstützung für die Ukraine eine Unterstützung für das Leben der Menschen ist", schrieb er beim Nachrichtendienst Telegram. Terror dürfe niemals zur Normalität werden.

Ein Feuerwehrmann löscht den Brand nach dem russischen Angriff auf das Gebäude der Akademie der Wissenschaften am 28. September 2026. Zu sehen ist ein Feuerwehrmann mit Löschschlauch vor Autos und einem brennenden Gebäude
Löscharbeiten nach dem russischen Angriff auf das Gebäude der Akademie der Wissenschaften am 28. September 2026Bild: Gleb Garanich/REUTERS

Die Sprecherin der Akademie, Maria Prysihlej, berichtet im DW-Gespräch, der zweite und dritte Stock des Gebäudes seien durch einen direkten Einschlag der Drohne zerstört worden.

Mittagspause rettete Leben

"Das Gebäude und die Büros sind nicht mehr vorhanden - zwei Stockwerke auf der Seite des Innenhofs. Alles brannte, im Innenhof ist alles zerstört, auch in den benachbarten Gebäuden sind Fenster und Türen durch die Druckwelle zerbrochen", so Prysihlej.

Ihr zufolge befanden sich im zweiten Stock das Büro eines Abteilungsleiters des Präsidiums sowie die Empfangsräume der Akademie. Im ersten Stock war der Sitzungssaal, in dem sich zum Zeitpunkt des Angriffs aber niemand aufgehalten hatte.

In dem Gebäude arbeiteten über hundert Personen. Da gerade Mittagspause war, waren viele nicht an ihren Arbeitsplätzen. Den Rettungskräften gelang es am Montagabend, den Brand zu löschen.

Wer ist Opfer des Angriffs geworden?

Die beim Angriff verstorbene Frau ist laut Prysihlej die Assistentin des Vizepräsidenten der Akademie, Wolodymyr Horbulin. Der ehemalige Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats wurde durch Trümmerteile verletzt.

Medienberichten zufolge traf die Drohne einen Raum in der Etage über Horbulins Büro. Eine weitere Mitarbeiterin der Akademie wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Sorge herrscht um den Leiter einer Abteilung des Präsidiums, der sich gerade in jenem Büro aufhielt, in das die Drohne einschlug. "Noch gibt es keine Informationen und keinen Kontakt zu der Person, die dort gearbeitet hat", sagt Prysihlej.

In dem Gebäude des Präsidiums ist die Verwaltung untergebracht. Daher habe, wie Prysihlej betont, das Gebäude keine militärische oder strategische Bedeutung.

"Russland tötet normale Menschen, greift Wohnhäuser, Bildungseinrichtungen, Kindergärten und Schulen an. Es zerstört gezielt die ukrainische Wissenschaft. Das ist russischer Terror", beklagt die Sprecherin der Akademie.

Viele Institute der Akademie betroffen

Laut Prysihlej besteht die Akademie der Wissenschaften aus etwa 160 Einrichtungen. Fast alle von ihnen hätten im Laufe der Kriegsjahre bereits mehr oder weniger schwere Schäden davongetragen. Besonders stark betroffen sei die Stadt Charkiw, wo viele Institute von russischen Angriffen getroffen wurden.

Ein Mann rettet sich über eine Leiter aus dem brennenden Gebäude der Akademie der Wissenschaften
Ein Mann rettet sich über eine Leiter aus dem brennenden Gebäude der Akademie der WissenschaftenBild: Thomas Peter/REUTERS

In Kyjiw wurde vor kurzem bei einem Angriff das Palladin-Institut für Biochemie stark beschädigt. "Alles ist ausgebrannt. Dort gab es Labore und Proben, die Wissenschaftlern sehr wichtig waren", berichtet Prysihlej.

Das Institut befindet sich in unmittelbarer Nähe zum nun getroffenen historischen denkmalgeschützten Gebäude des Präsidiums der Akademie. Erbaut wurde es für die Gräfin Jelysaweta Lewaschowa als Mädchenpensionat für Töchter aus verarmten Adelsfamilien.

Angriff auf nationales Gedächtnis

Im Sommer 1918 wurden in dem Gebäude Räume für Professoren bereitgestellt. Im November wurde dann die Ukrainische Akademie der Wissenschaften gegründet. 

Laut Olena Iwanowska, Beauftragte für den Schutz der Staatssprache Ukrainisch, ist die Attacke auf das Präsidium der Akademie der Wissenschaften ein "Angriff auf das Herz der Ukraine".

"Der Feind versucht, die ukrainische Wissenschaft, Bildung und Kultur - alles, was unser nationales Gedächtnis und das intellektuelle Fundament des Staates ausmacht - zu zerstören", sagt sie.

Russland habe über Jahrhunderte hinweg versucht, ukrainische Wissenschaftler an ihrer Arbeit zu hindern, die ukrainische Sprache aus der Wissenschaft zu verbannen und das Existenzrecht des Landes zu leugnen. "Heute führt es diesen Kurs mit Raketen und Drohnen fort", schreibt sie auf Facebook.

EU verurteilt Angriff auf Akademie

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, verurteilte den Angriff auf die Akademie und bekundete ihre Unterstützung für die Rettungskräfte und die Familien der Opfer.

"Heute ist die Wissenschaft ins Visier Russlands geraten. Meine Gedanken sind bei den Helden, die nach Menschen suchen, die noch in der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine eingeschlossen sind. Ebenso bei den Familien und Angehörigen der Opfer der schrecklichen Angriffe im ganzen Land. Wir stehen an ihrer Seite. Europa unternimmt mehr Anstrengungen als je zuvor, um die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine zu stärken", schreibt sie auf X.

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte in einem Post, Russlands Zynismus kenne keine Grenzen. "Russland verschiebt bewusst die Grenzen dessen, was tolerabel zu sein scheint. Jeder Angriff, auf den keine entschlossene Reaktion folgt, ermutigt nur zu weiteren Taten", warnt Sybiha.

Er betont, dass die Ukraine dringend mehr Abfangraketen zum Schutz ihrer Städte benötige. Zudem sollte es schärfere Sanktionen geben, "um Russland die Ressourcen für seinen Krieg zu entziehen".

"Russland muss begreifen, dass jeder Angriff Konsequenzen hat. Der Preis für Angriffe auf ukrainische Zivilisten muss für den Aggressor untragbar werden. Wir rufen zudem die UNESCO (UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur) dazu auf, Russland die Stimme, das Stimmrecht sowie die Wählbarkeit für Leitungs- oder Arbeitsgremien zu entziehen", so Sybiha.

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