«111 – Echoes from Halifax» – Ein Katastrophenfilm ohne Crash – aber mit emotionaler Wucht

Wer bei «111 – Echoes from Halifax» einen klassischen Katastrophenfilm erwartet, wird überrascht. Der Absturz, ausgelöst durch einen Kabelbrand über der Cockpitdecke, ist nie zu sehen.
Es war wichtiger, die Leere zu zeigen.
Für Regisseur Mauro Müller war dieser Verzicht ein zentrales Anliegen: «Ich wollte die emotionalen Erfahrungen der Figuren zeigen und den Fokus auf das Nachhallen legen. Den Aufprall haben wir bewusst weggelassen, es war wichtiger, die Leere zu zeigen.»
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Bild 1 von 3. Schauspielerin Ursina Lardi als Care-Mitarbeiterin in «111 – Echoes from Halifax». Nach dem realen Absturz betreute das Care-Team damals rund 1500 Betroffene. Bildquelle: AscotElite.
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Bild 2 von 3. An der Küste bei Halifax erinnern zwei offizielle Gedenkstätten an den tragischen Absturz von 1998. (Filmszene aus «111 – Echoes from Halifax»). Bildquelle: AscotElite.
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Bild 3 von 3. Der vordere Teil des Flugzeugs wurden für die Unfalluntersuchung in einer Halle in Kanada mühsam zusammengesetzt. (Filmszene aus «111 – Echoes from Halifax»). Bildquelle: AscotElite.
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Diese emotionale Leere wird greifbar, wenn die Tonspur das historische Grauen zurückholt. Radiostimmen und Archivtöne schneiden tief: «Swissair-Hotline in Kloten, wie kann ich helfen?» gefolgt von der verzweifelten Frage eines Vaters: «Können Sie bestätigen, dass mein Sohn auf dem Swissair-Flug 111 war?»
Eine Protagonistin mit Schwächen
Im Zentrum des Spielfilms steht die Schweizer Schauspielerin Ursina Lardi. Die gebürtige Bündnerin, die durch Produktionen wie das Oscar-nominierte Drama «Das weisse Band» oder die Komödie «Die Nachbarn von oben» längst den internationalen Durchbruch geschafft hat, verkörpert ein Mitglied des damaligen Care-Teams, das eine zutiefst fordernde Aufgabe hatte: den wartenden Hinterbliebenen die Nachricht über den Tod ihrer Liebsten zu überbringen.
Doch ihre Figur ist keine unfehlbare Krisenmanagerin. «Sie ist keine Spitzenkraft, sie macht viele Fehler, darum ist es eine charmante Rolle», sagt Lardi.
Insgesamt betreute das Care-Team damals rund 1500 Betroffene. Um die Realität dieser psychologischen Ausnahmesituation so präzise wie möglich einzufangen, holte sich das Filmteam fachliche Unterstützung: Der damalige Swissair-Geschäftsleiter Walter Kälin stand dem Regisseur als Berater zur Seite.
Fast 50'000 Anrufe und ein globaler Einsatz
«Man findet nie die richtigen Worte», sagt Walter Kälin. Entscheidend sei etwas anderes: die Menschen nicht allein lassen. Vor allem müsse man ihnen so schnell wie möglich Informationen zur Verfügung stellen. Die Notfall-Hotlines der Swissair verzeichneten in den ersten Tagen nach dem Absturz fast 50'000 Anrufe.
An Bord der Swissair-Maschine befanden sich Menschen unterschiedlicher Nationalitäten. Entsprechend lebten auch die Angehörigen in verschiedenen Teilen der Welt. Swissair schickte nicht nur Betreuungskräfte nach Halifax. Auch in New York, Genf, Zürich und Hongkong musste die Airline Unterstützung organisieren. Es ging um unterschiedliche Sprachen, religiöse Traditionen und kulturelle Vorstellungen von Trauer, sagt Walter Kälin.
Ein persönlicher Film
Auch hinter den Kulissen ist das Drama von realen Emotionen durchdrungen. Für den Produzenten Björn Hering ist das Projekt eng mit der eigenen Familiengeschichte verknüpft: Der damals verunglückte Chefpilot der Swissair-Maschine, Urs Zimmermann, war der Vater von Herings heutiger Ehefrau. «111 – Echoes from Halifax» ist folglich kein einfacher Kinobesuch.
Es ist ein aufwühlendes Drama und eine sensible filmische Hommage an ein Ereignis, das eine ganze Nation bis heute bewegt.
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