Flávio Bolsonaro flieht nach Wahlniederlage aus Brasilien
Wenige Tage nach seiner Niederlage bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien ist der rechte Kandidat Flávio Bolsonaro trotz eines richterlichen Ausreiseverbots außer Landes geflohen. Laut der argentinischen Einwanderungsbehörde reiste der Senator auf dem Landweg in das Nachbarland ein und flog von dort mit einem Privatflugzeug weiter Richtung Ecuador. Die Nachrichtenagentur AFP meldet unter Berufung auf Reporter, die Maschine sei unterdessen in Miami im US-Bundesstaat Florida gelandet.
US-Präsident Donald Trump hatte nach Berichten über eine Flucht des brasilianischen Politikers dessen mögliche Einreise in der Nacht zu Mittwoch begrüßt. Zugleich kritisierte er die Wahl in Brasilien als "schrecklich", ohne dies näher zu begründen. Schon zuvor hatte ein US-Beamter bestätigt, Bolsonaro und dessen Angehörigen würden Visa gewährt.
Ermittlungen wegen Geldwäsche
Vor seiner Ausreise war der Politiker einer Anordnung des Obersten Gerichts in Brasilien vom Montag nicht nachgekommen, seine Reisepässe binnen 24 Stunden abzugeben. Der in rechten Kreisen angefeindete Richter Alexandre de Moraes hatte Bolsonaros Pässe für ungültig erklärt und diesem untersagt, das Land zu verlassen. Die Verfügung wurde im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gegen Bolsonaro und den Anwalt Willer Tomaz erlassen. Dabei geht es um mutmaßliche Geldwäsche im Zusammenhang mit Unternehmen und Online-Sportwetten.

In den vergangenen Tagen hatte Bolsonaro noch beteuert, er wolle seine Pässe abgeben; allerdings werde er sich gegen die aus seiner Sicht ungerechtfertigte Maßnahme wehren. Er bestritt jegliche Ausreisepläne. Der 45-Jährige führte die Anordnung des Gerichts auf eine Äußerung seines seit 2025 in den USA lebenden Bruders Eduardo zurück. Dieser hatte vor der Wahl eine Ausreise Flávios im Fall einer Niederlage gegen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva befürwortet.
Gegen Eduardo Bolsonaro, der ebenfalls Politiker in seinem Heimatland war, liegt dort ein Haftbefehl vor. Er hatte während des Strafprozesses gegen seinen Vater wiederholt auf Sanktionen Washingtons gegen Richter des Obersten Gerichts gedrängt.
Vater verbüßt Haftstrafe im Hausarrest
Der 71-jährige Jair Bolsonaro verbüßt derzeit im Hausarrest eine 27-jährige Haftstrafe, zu der er wegen Beteiligung an einem versuchten Staatsstreich verurteilt worden war. Er wurde auch mit einem Ämterverbot belegt, weshalb sein Sohn Flávio an seine Stelle trat.
Noch ehe dessen Flucht offiziell bestätigt wurde, hatte Präsident Lula die mutmaßlichen Pläne seines Rivalen kritisiert. "Ich frage mich, welche Schuld ein Bürger auf dem Gewissen hat, der gerade die Wahl verloren hat und aus seinem Land flieht", sagte Lula bei einer Feier zu seinem 81. Geburtstag im Präsidentenpalast.
Bolsonaro, dessen Vater Jair das Land von 2019 bis 2023 regiert hatte, war bei der Stichwahl um das Präsidentenamt am Sonntag dem Amtsinhaber Lula da Silva unterlegen. Er erhielt dem offiziellen Ergebnis zufolge 48,2 Prozent der Stimmen; Lula kam auf 51,8 Prozent der Stimmen. Anders als Bolsonaro selbst hat seine rechte Partei den Wahlsieg des linken Amtsinhabers ausdrücklich anerkannt.

Der unterlegene Kandidat teilte am Montag mit, er werde Lulas Wahlkampfführung juristisch prüfen lassen. Damit wollte er erreichen, dass der Präsident und dessen Vize Geraldo Alckmin wegen angeblichen Missbrauchs politischer und wirtschaftlicher Macht im Wahlkampf nicht für eine neue Amtszeit vereidigt werden dürfen.
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