Serbiens Präsident Vucic tritt zurück
Im EU-Kandidatenland Serbien hat Staatspräsident Aleksandar Vucic sein Amt erwartungsgemäß niedergelegt, weil er Regierungschef werden möchte. "Heute ist der Tag, an dem ich zurücktrete", sagte Vucic in einer Ansprache im staatlichen Fernsehsender RTS. Ein Termin für die neue Präsidentenwahl wurde zunächst nicht genannt. Sie muss laut Verfassung spätestens in drei Monaten stattfinden. Vucic hatte bereits Ende Juni seinen Rücktritt angekündigt.
Der teils autokratisch regierende Politiker will als Spitzenkandidat seiner Fortschrittspartei bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 25. Oktober antreten und im Falle eines Wahlsieges Ministerpräsident werden. Das Amt des Staatsoberhaupts übernimmt zunächst kommissarisch die Parlamentspräsidentin Ana Brnabic, eine politische Mitstreiterin von Vucic.
Der 56-Jährige erhofft sich von diesem Schritt nach Meinung von Experten die Konsolidierung seiner Macht. Seine Amtszeit als Staatschef wäre nächstes Jahr geendet - und nach zwei Mandaten darf er nicht erneut kandidieren.
Der serbische Präsident Aleksandar Vucic hat auf einer Großkundgebung in Belgrad seinen Rücktritt bekanntgegeben.
28.06.2026 | 1:00 minLanganhaltende Proteste gegen Regierung
Vucic steht innenpolitisch unter großem Druck einer größtenteils von Studenten organisierten Protestbewegung, seitdem am 1. November 2024 im nordserbischen Novi Sad das Vordach eines Bahnhofs einstürzte und 16 Menschen in den Tod riss. Die Demonstranten machen Korruption der Regierung und Schlamperei der Behörden für das Unglück verantwortlich und verlangen Vucic' Rücktritt.
Als ersten Schritt, der einen Wechsel aus dem Amt des Staatschefs an die Regierungsspitze ermöglichen soll, hatte Vucic Anfang September die Volksvertretung aufgelöst und für den 25. Oktober vorgezogene Parlamentswahlen anberaumt. Regulär sind Parlamentswahlen in Serbien alle vier Jahre vorgesehen. Die letzten beiden Parlamentswahlen - im Dezember 2023 und im April 2022 - waren ebenfalls auf Wunsch von Vucic vorgezogen worden.
Bei Protesten in der serbischen Hauptstadt Belgrad haben Zehntausende Neuwahlen gefordert. Sie werfen der Regierung von Präsident Vucic Korruption und Misswirtschaft vor.
24.05.2026 | 0:24 minEU-Kritik an Vucic wegen Mladic-Verehrung
Vucic laviert außenpolitisch zwischen der EU, den USA und Russland. Erst vor kurzem telefonierte er nach eigenen Angaben mit Kremlchef Wladimir Putin, um eine Fortsetzung der preisgünstigen Gaslieferungen aus Russland nach Serbien zu sichern. Im August vereinbarte er aber auch eine Kooperation mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bei dessen offiziellem Besuch in Belgrad.
Kritik seitens mehrerer EU-Vertreter bekam Serbiens Regierung, weil sie eine Verherrlichung des kürzlich in Haft in Den Haag gestorbenen, verurteilten bosnisch-serbischen Kriegsverbrechers Ratko Mladic förderte. Mladic wurde in Belgrad mit militärischen Ehren beerdigt.
Am 7. September wurde der verurteilte Kriegsverbrecher Ratko Mladic in Belgrad per Staatsbegräbnis beigesetzt. Das sorgte für Empörung in der EU. Denn: Serbien ist Beitrittskandidat.
10.09.2026 | 2:32 minVucic war bereits 2014 bis 2017 Ministerpräsident
Vucic ist seit Jahrzehnten in Serbiens Politik aktiv. Von 1998 bis 2000 war er Informationsminister unter dem damaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic, der vom Kriegsverbrechertribunal in Den Haag unter anderem wegen Völkermordes angeklagt wurde und noch vor einer Urteilsverkündung in Haft starb.
Vucic war von 2012 bis 2013 Verteidigungsminister und von 2014 bis 2017 Serbiens Ministerpräsident. 2017 wurde er erstmals zum Staatspräsidenten gewählt, das zweite Mandat in dieser Funktion lief seit 2022. In Serbien beträgt das Mandat des Staatspräsidenten fünf Jahre.
Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete das heute journal am 27.09.2026 ab 21:45 Uhr.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.