Bildungsministerin Prien: "Verbot von Stolpersteinen ist Skandal"
Stand: 26.09.2026 • 13:27 Uhr
Stolpersteine erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus. Im sächsischen Heidenau sollen laut einem Beschluss des Stadtrats keine neuen mehr verlegt werden. Bundesbildungsministerin Prien spricht von einem Skandal.
Der Beschluss im sächsischen Heidenau, keine neuen Stolpersteine mehr zu verlegen, hat scharfe Kritik ausgelöst. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte der Bild-Zeitung, das Verbot sei ein Skandal; die Entscheidung, "Erinnerungskultur auf einen Friedhof abschieben zu wollen", erst Recht. "Wer Stolpersteine und Gedenkorte jüdischen Lebens aus dem öffentlichen Raum auf den Friedhof verbannt, stellt das Sterben über das Leben und macht Jüdinnen und Juden noch einmal unsichtbar."
Die Stolpersteine machten deutlich, dass Jüdinnen und Juden selbstverständlich zum Leben in deutschen Städten und Dörfern gehört hätten, "bevor sie von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden." Von der CDU Sachsen forderte Prien Verantwortung. "Nur wer seine Geschichte kennt und versteht, kann daraus lernen und dafür sorgen, dass sie sich nicht wiederholt."
Kritik auch vom Stolperstein-Erfinder
Unverständnis und Kritik an der Entscheidung in Heidenau kommt auch vom Künstler und Erfinder der Stolpersteine, Gunter Demnig. Der Beschluss passe nicht zum "C" in der CDU. Was die AfD anbelange sei er allerdings nicht sehr erstaunt - nach den Aussagen der Partei zum Thema deutsche Vergangenheit.
Demnig hatte den ersten Stolperstein 1992 vor dem Kölner Rathaus verlegt. Inzwischen erinnern die kleinen Messingtafeln in mehr als 1.860 Kommunen europaweit - die meisten davon in Deutschland - an NS-Opfer vor deren früherem Wohn- oder Wirkungsort.
Stadtrat will Gedenkfläche auf Friedhof
In Heidenau gibt es fünf Stolpersteine, sieben weitere sollten auf Antrag des Vereins Alternative Kultur- und Bildungszentrum dazukommen. Der Stadtrat entschied allerdings mehrheitlich, dass keine neuen Stolpersteine mehr im öffentlichen Raum verlegt werden. Stattdessen solle eine neue Gedenkfläche für die Opfer von Krieg, Terror, Diktatoren und Nationalsozialismus in Heidenau errichtet werden - vorzugsweise auf dem Nordfriedhof.
Der Antrag wurde von AfD, CDU und einer Bürgerinitiative eingebracht. Die Abstimmung erfolgte geheim. Zur Begründung ihres Antrags hatten AfD und CDU angeführt, viele Bürger, Angehörige und Initiativen empfänden Stolpersteine im Gehwegbereich als keine angemessene Form des Erinnerns. Namen der Verfolgten würden in den Boden eingelassen und könnten betreten werden.
Anne Nitschke vom Alternativen Kultur- und Bildungszentrum spricht von einer Deindividualisierung und Auslagerung der Erinnerungsarbeit. Zudem kritisiert sie, es gebe kein Konzept für die Pläne der Gedenkfläche auf dem Nordfriedhof.
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