Wechseljahre am Arbeitsplatz – Wie Frauen trotz Hormonchaos ihre Stärken ausspielen können

Hitzewallungen, depressive Verstimmungen, Ängstlichkeit, Schlaf- und Konzentrationsprobleme: Zwei Drittel der Frauen zwischen 45 und 55 kämpfen mit Wechseljahrsbeschwerden. Das hat Konsequenzen, auch am Arbeitsplatz. 21 Prozent reduzieren wegen der Beschwerden ihr Pensum, 16 Prozent wechseln die Stelle und sechs Prozent gehen frühzeitig in Rente.
Die Menopause ist der Fachbegriff für die letzte spontane Monatsblutung einer Frau. Im Schnitt tritt diese mit mit 51 Jahre ein. Die hormonellen Veränderungen, die in die Menopause münden, beginnen aber oft schon mit Ende 30, Anfang 40.
Am Anfang sind die Symptome eher subtil und werden dann mit der Zeit stärker. Die Phase vor der Menopause heisst Perimenopause, umgangssprachlich Wechseljahre: Die körpereigenen Hormone schwanken stark, was bei der grossen Mehrheit der Frauen zu Beschwerden führt.
Schätzungen zufolge suchen 75 Prozent der Frauen in den Wechseljahren keinen ärztlichen Rat oder eine Behandlung für ihre Symptome und etwa 50 Prozent zögern die Inanspruchnahme einer Behandlung um mehr als sechs Monate hinaus.
Das sei nicht nur für die Frauen, sondern auch für die Arbeitgebenden ein Problem, sagt Ariane M. Baer vom Verband der Personaldienstleister Swissstaffing. Denn eine neue Befragung ihres Verbands zeigt: Frauen in diesem Alter sind überdurchschnittlich loyal, motiviert und leistungsbereit: «Arbeitgebende sind gut beraten, in diese Frauen zu investieren.»
Eine volkswirtschaftlich relevante Gruppe
Denn es geht um viel: Aktuell sind 615'000 erwerbstätige Frauen in der Schweiz zwischen 45 und 55 Jahren alt und damit potenziell von Wechseljahrsbeschwerden betroffen. Mit dem demografischen Wandel werden es künftig noch mehr sein. Ihr Verbleib im Arbeitsmarkt sei auch volkswirtschaftlich relevant, so Baer.
Die Symptome lassen sich gut therapieren und die Lebensqualität deutlich verbessern.
Die Befragung zeigt auch: Frauen in dieser Lebensphase haben ein sehr hohes Bedürfnis nach Flexibilität am Arbeitsplatz. Anders als bei jüngeren Frauen ist ihnen diese sogar wichtiger als der Lohn.
Baer erklärt: Viele Frauen betreuen in dieser Lebensphase noch immer Kinder und unterstützen bereits die eigenen Eltern, während sie zugleich in einem hohen Pensum arbeiten. Dazu kommen bei zwei Dritteln der Frauen in diesem Alter Wechseljahrsbeschwerden. Flexible Arbeitszeiten und -modelle würden diesen Balanceakt erleichtern.
Noch immer ein Tabuthema
Das sieht auch Petra Stute so. Sie leitet das Menopausenzentrum am Inselspital Bern: «Die Symptome lassen sich gut therapieren und die Lebensqualität damit deutlich verbessern.» Viele Frauen würden sich aber keine Hilfe suchen. Zudem seien die Schwierigkeiten am Arbeitsplatz trotz medizinischer Unterstützung auch in ihren Sprechstunden ein Thema, so die Gynäkologin.
Sie denkt etwa an eine Zugbegleiterin oder eine Pflegekraft im OP-Saal, die schweisstreibende Arbeitskleidung tragen müssen, das werde mit Hitzewallungen zum Problem. Auch Konzentrationsschwierigkeiten wie der «Brain Fog» belaste viele Frauen stark: «Es ist sehr unangenehm, wenn einem in einer Sitzung der Name des Gegenübers nicht mehr einfällt.»
Die Frauen würden zwar darüber sprechen, meist aber nur unter sich. Ein erster Schritt zur Verbesserung wäre laut Stute, dass Menopause am Arbeitsplatz Teil der Firmenkultur wird. Oft sei es schwierig, die richtigen Worte zu finden, aber das könne man trainieren. Das gelte auch für Männer.
Die Wechseljahre sind bei Arbeitgebern vermehrt ein Thema
Zum Beispiel mit Joëlle Zingraff, Co-Gründerin von The Women Circle. Ihre Firma bietet Unternehmen solche Trainings an. Das Thema müsse nicht dramatisiert werden, man könne auch mit Humor darüber sprechen. «Wichtig ist Offenheit, damit Firmen und Frauen gemeinsam Massnahmen ausprobieren können.» Zum Beispiel mehr Homeoffice oder ein späterer Arbeitsbeginn.
Vor drei Jahren habe sie noch aktiv auf Firmen zugehen müssen, heute sei das anders: Immer mehr Führungskräfte wüssten um das Risiko, wenn Frauen über 45 nicht unterstützt werden, entsprechend kämen immer mehr Firmen von sich aus auf sie zu. Die Nachfrage komme aus dem Detailhandel, der Tech-Industrie, der Beratungsbranche und aus Spitälern.
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