10 Jahre Dschungel von Calais: „Überall sind Zäune“

Vor zehn Jahren räumten französische Behörden das Jungle genannte Geflüchtetencamp am Ärmelkanal. Bis heute hat es seine Spuren hinterlassen. Und immer wieder entstehen neue Camps.
A n einem windstillen Mittag Ende September scheint der Bahnhof Calais Ville wie aus der Zeit gefallen. Auf den Bänken haben sich Gruppen von Menschen mit Schlafsäcken und Plastiktüten niedergelassen, Frauen, Männer, auch einige Kinder. Andere sitzen auf dem Boden oder dem Vorplatz. Polizisten und Sicherheitsleute patrouillieren durch die kleine Bahnhofshalle und verschwinden zielstrebig auf einer der Treppen hinunter zu den Gleisen. Man könnte sich in die Mitte der zehner Jahre zurückversetzt fühlen, wären da nicht die orangen Schwimmwesten, die neben anderen Gepäckstücken liegen.
Migrant:innen, die sich in aller Öffentlichkeit auf den Weg nach England machen: Eigentlich sollten solche Szenen in Calais längst der Vergangenheit angehören. Genauer gesagt seit Ende Oktober 2016, als die französischen Behörden in einem Industriegebiet am Rand der Stadt den „Jungle“ räumen ließen. So wurde vor Ort das inoffizielle Geflüchtetencamp genannt, in dem teilweise über 10.000 Menschen lebten, die an seiner schmalsten Stelle über den Ärmelkanal nach England gelangen wollten. Die Bilder der Bulldozer gingen um die Welt und machten den „Dschungel“ zu einem Symbol der europäischen Migrationskrise. Doch zumindest mit der Route über den Kanal, so die Behörden, sollte es sich durch die Räumung erledigt haben.
Heute liegt dort, wo einst das Camp war, eine Brache. Ein Standbild aus grasbewachsenen Hügeln und Büschen, mit Wildblumen vor einem roten Accès-interdi-Schild (Betreten verboten). Nichts erinnert an die Zelte und windschiefen Hütten aus Planen und Baumstämmen, die sich hier aneinanderreihten. Nichts an dröhnende Generatoren, müllgesäumte Wege, den beißenden Geruch von Feuer, in dem feuchtes Holz und Plastikabfall verbrannt wurde. Und nichts erinnert an Polizei-Blaulichter, die nächtelang von der Autobahnbrücke über das Gelände flackerten. Die Polizei rückte mit Tränengas in den Dschungel vor, um die Migrant:innen davon abzuhalten, auf die Lkws in Richtung England zu klettern, die durch den Channel Tunnel auf die Insel fahren. Morgens fand man die Gas-Patronen im Matsch.
Kasten: Migrationsroute Ärmelkanal
Mythos UK: seit Ende der 1990er Jahre probieren Migrant:innen von Nordfrankreich nach England zu gelangen. Anfangs aus dem Kosovo, spiegeln ihre Herkünfte bald weltweite Kriegs- und Krisengebiete. Die Hoffnung auf ein sicheres Leben und Arbeit in England nähren einen Mythos, der weit entfernt ist von der britischen Realität mit ihren ökonomischen Probleme und einer massiven Anti-Zuwanderungs-Stimmung.
Jungles: Nachdem das ursprüngliche Rote-Kreuz-Lager bei Calais 2002 geschlossen wurde, siedelten sich Geflüchtete in inoffiziellen Camps im Umland an. 2009 wurde ein solcher Jungle geräumt, in dem sich zuvor etwa 1.000 Personen aufhielten. Nach der Räumung des weltweit bekannten ´Großen Jungle´ 2016 brachte die französische Regierung tausende Bewohner:innen in Aufnahmelagern im Landesinneren unter. Früher oder später kehrten sie zurück an den Ärmelkanal.
Internationalisierung der Grenze: Seit 2004 ist das Abkommen von Le Touquet in Kraft, das die britische Grenze samt Sicherung und Kontrollen nach Nordfrankreich vorverlagert. Seither hat die Regierung in London Hunderte Millionen Euro nach Paris überwiesen, das im Gegenzug „die Boote stoppen“ soll, die 2019 LKW als Haupttverkehrsmittel der Kanal-Migration ablösten. Alleine ein im April 2026 vereinbarter dreijähriger Grenzschutz-Vertrag umfasst 760 Millionen Euro. Seit 2021 kooperieren zudem Großbritannien, Frankreich, Belgien, Deutschland und die Niederlande sowie die EU-Kommission, die EU-Grenzsschutzorganisation Frontex und Europol als ´Calais-Gruppe´ um die Schleuser-Organisationen zu bekämpfen.
Todesopfer: Dass die massive Aufrüstung und Militarisierung der Grenze „schädliche Folgen mit einem Anstieg der Todesopfer“ hatte, räumte Bruno Retailleau, konservativer Präsidentschaftskandidat 2027 und damaliger französischer Innenminister, 2024 ein. Seit 1999 kamen mehr als 500 Geflüchtete hier ums Leben. 2025 waren es 41, 2026 bei allerdings deutlich weniger Booten bislang 31. Tobias Müller
Dass sich mit der Zerstörung des „Dschungels“ auch die Migrationsroute gen Großbritannien schließen lässt, ist freilich ein Irrtum. „Solange auf der anderen Seite des Kanals England liegt, wird die Migration dorthin weitergehen“, ist ein geflügeltes Wort an dieser Küste. Und so finden sich an der Peripherie von Calais in den vergangenen Jahren immer wieder Ansammlungen von Zelten, die von der Polizei regelmäßig geräumt werden, um dann ein paar Meter weiter wieder aufgebaut zu werden. Eine Lösung ist das nicht, eher eine Strategie, die zu der repressiven Elendsverwaltung passt, die hier seit jeher vorherrscht. Seit 2016 lautet die Maxime der Behörden in Calais: keine festen Ansiedlungen mehr.
Foto: Samer Al-Doumy/afp
Einmal Dschungel, immer Dschungel
Einen „Jungle“ gibt es freilich immer noch, und genau von dort kommen die Menschen, die heute im Bahnhof auf ihre Weiterreise warten. Er liegt 30 Kilometer weiter östlich, kurz vor der belgischen Grenze bei Dunkerque, und erinnert auffallend an den alten. Von einer nahen Brücke fällt der Blick über Niemandsland zwischen den Ausläufern eines Gewerbegebiets. Zwischen Büschen und schmalen Laubwald-Streifen stehen überall kleine Zelte. Das Camp, das hier nun auch schon seit mehreren Jahren existiert, hat sich über den Sommer deutlich ausgedehnt. Hilfsorganisationen vor Ort schätzen die Zahl der Bewohner:innen im September auf 2.500. Hinten, am Rand der großen Freifläche, auf der manchmal Essen und Kleidung ausgeteilt werden, steht eine lange Reihe von Toilettenhäuschen.
Schon auf der Brücke fallen all die Schwimmwesten ins Auge, die einzelne Personen, kleine Gruppen, Paare oder junge Familien mit Kinderwagen ins Camp zurücktransportieren. Seit Schlauchboote 2019 die Lkws als Haupttransportmittel über den Kanal ablösten, sieht man das Orange der Westen bei ruhigem Wetter an Bahnhöfen, Bushaltestellen und entlang der Landstraßen. Hier, jenseits der Brücke, ist die Quelle die Decathlon-Filiale im Einkaufszentrum, die sie für 29,99 Euro verkauft. Auch an manchen der provisorisch zusammengezimmerten Stände sind sie zu erwerben, die abseits der Freifläche entstanden sind. Selbst ein fliegender Händler hat ein paar Westen im Staub vor sich ausgebreitet. „Gute Qualität“, sagt er, und spreizt auf die Frage nach dem Preis drei Mal alle zehn Finger.
Seit 24 Stunden peitscht ein erbarmungsloser Wind über die Region, doch es ist, wenn man so will, der Sturm vor der Stille, auf die hier alle warten. Nach einer längeren wechselhaften Periode soll sich das Wetter am nächsten Tag beruhigen, ein stabiles Hoch wird erwartet über dem Ärmelkanal, kaum Wind, niedrige Wellen, beste Überfahrtbedingungen. Im „Dschungel“ herrscht Aufbruchstimmung.
Jonas, ein Eritreer von Ende 30 mit angegrautem Kinnbart und kurzen Dreadlocks unter seiner Mütze, ist kein Teil davon. „Die Kurden haben mir mein Geld abgenommen, 1.300 Euro“, klagt der Mann, der seinen richtigen Namen nicht veröffentlicht sehen möchte. Er meint die Schleuser, die sowohl die Schlauchboote nach England organisieren als auch das Camp. Davon, dass unterschiedliche Gruppen ihre Rivalitäten hier bisweilen mit Waffen austragen, hat Jonas gehört, er selbst habe es aber noch nicht erlebt, sagt er.
Seine Geschichte erzählt er am Rande der Freifläche, die eine Art Dorfplatz des Camps ist. Freiwillige einer NGO teilen gerade Essen aus: Es ist eine Szene, die in der Region seit 25 Jahren – seit die Migrationskrise in Nordfrankreich existiert (siehe Infobox) – zum Alltag gehört. Menschen aus Eritrea bilden, neben Äthiopierinnen, Kurden, Somalis oder Afghaninnen, eine der größten Gruppen im Camp. Jonas floh vor Krieg, Diktatur und dem lebenslänglichen Militärdienst, für den das ostafrikanische Land bekannt ist.
Drei Mal probierte er bislang, nach England zu kommen, drei Mal vergeblich. „Die Polizei fing uns ab, zerstörte die Boote mit Messern und nebelte uns mit Tränengas ein.“ Weil Jonas, wie viele hier, nicht schwimmen kann, hatte er eine Rettungsweste gekauft. Auch die hat er verloren. „Jetzt habe ich kein Geld mehr. Vielleicht kann ich hier irgendwo Teller waschen oder Tee und Kaffee kochen, um etwas zu verdienen. Sie verkaufen hier ja auch Essen.“
Tasächlich gibt es am Rand des Dorfplatzes nicht nur behelfsmäßige Verkaufsstände oder Läden, die meist die erste Stufe permanenter Strukturen eines Flüchlingslagers darstellen und Süßigkeiten, Snacks, Lebensmittel, Getränkedosen, Gaskartuschen und Mobiltelefone anbieten. Daneben sind mehrere Tee- und Imbissstuben entstanden: einfache Bretterbuden, in denen man Platz nehmen, essen und trinken kann. Im Vorbeigehen hört man das rhythmische Hacken von Messern auf Brettchen. Frische Zutaten werden in Plastikbehältern drapiert, genau wie in einer Snackbar. Es riecht nach gegrillten Kebabspießen.
All dies erinnert stark an den alten „Jungle“. Gestalten in Kapuzen, die Schultern hochgezogen, die allein, zu zweit oder dritt durch das Grasland schlurfen, zu einer Essensausgabe, zu ihren Zelten, oder einfach, um die Zeit bis zum nächsten Versuch, nach England zu kommen, totzuschlagen. Die Auflade-Stationen für Telefone. Die minimalen sanitären Anlagen, welche die Behörden nach einer erfolgreichen Klage der NGOs letzten Winter errichten mussten. Und die meterhohen Zäune, die um das Camp herum zwischen den Ausläufern eines Gewerbegebiets entstanden sind.
„Es sieht hier aus wie in Calais.“ Diesen Satz sagen viele, die nach Grande-Synthe kommen und die Zustände im Calais der 2010er Jahre kennen. Und nicht nur hier sieht es aus wie in einer Zeitmaschine: Durch das gesamte Küstenhinterland ziehen sich hunderte Kilometer von Hochsicherheitszäunen. Stacheldrahtgekrönte Absperrungen sind ein charakteristisches Element dieser Landschaft geworden. Wer mit dem Eurostar nach London fährt, kann sich rund um den TGV-Bahnhof Calais-Fréthun ein Bild davon machen.
Foto: Mehdi Chebil/Polaris/laif
„Mitten in der Stadt liegen Felsbrocken herum“
Für Benoît Landesmann ist genau dies das Vermächtnis des „Jungle“. Der 47-Jährige, der als Grundschullehrer in Calais arbeitet, ist ein Kind dieser Gegend, die er so beschreibt. „Zäune, überall sind Zäune, und mitten in der Stadt liegen Felsbrocken herum.“ Er bezieht sich auf Absperrungen, die oft nur den Zweck verfolgen, einen gewissen Ort für Migrant:innen unzugänglich zu machen, und große Steine, die verhindern sollen, dass im öffentlichen Raum Zelte aufgestellt werden. Bis heute ist das ein häufiger Anblick in Calais. „Außerdem sind meine Kinder es gewohnt, überall Polizei zu sehen.“
Als die Migrationskrise am Ärmelkanal begann, engagierten sich Landesmann und seine Frau bei Salam, einer der associations der ersten Stunde. Später gab vor allem seine Frau Französisch-Unterricht in der Schule, die es neben Moscheen und einer eritreischen orthodoxen Kirche im „big, mighty jungle“ gab, wie Landesmann ihn nennt. „Er war so groß, dass man oben von der Brücke nicht bis zum Ende sehen konnte“, erinnert er sich. Aus den Tagen der Räumung des Camps hat er noch Bilder von „großen Maschinen, die alles zermalmen“ im Kopf. Eines ist auf jeden Fall sich, so Landesmann: „Den ‚Jungle‘ abzureißen hat rein gar nichts gelöst.“
In so mancher Nacht kann er sich davon zehn Jahre später selbst ein Bild machen. Als passionierter Wassersportler lebt Landesmann mit seiner Familie in einem kleinen Haus an einer Landstraße außerhalb der Stadt, hinter der gleich die Dünen beginnen. Aus dem Schlafzimmerfenster im ersten Stock reicht der Blick bei klarem Wetter bis hinüber zur englischen Küste. „Nachts können wir die Lichter sehen. Manchmal scheint England so nah, als könnte man es anfassen.“
Wenn die Wetterbedingungen nur für eine kurze Zeit Überfahrten zulassen, legen Boote noch immer im Raum Calais oder Dunkerque ab, wo die Strände schneller erreichbar sind. Weil dieser Teil der Küste sehr stark überwacht ist, ist die Polizei jedoch häufig zur Stelle, zersticht die Schlauchboote und hält die Passagiere zurück, nicht selten mit Tränengas und Gewalt. „Ich sitze manchmal spätabends im Garten und rauche noch einen Joint. Dann werde ich Zeuge davon, wie die Polizei hundert oder mehr Migrant*innen, die sie am Strand erwischten, in einer bizarren Prozession nach Calais laufen lässt. Ich mache dann Fotos davon, obwohl die Polizisten das nicht mögen.“
Wesentlich mehr Boote brechen, sofern das Wetter mitspielt, gut 50 Kilometer südwestlich auf. Orte wie Equihen-Plage, Hardelot-Plage oder Sainte-Cécile-Plage, aber auch Berck-sur-mer und selbst Strände in der Normandie sind auf der Karte der Kanal-Migration erschienen. Die Entfernungen von dort aus sind größer – rund 50 bis 80 Kilometer sind es, statt der 33 Kilometer, wenn man bei Calais startet. Das Risiko der Überfahrt steigt entsprechend, selbst wenn die Schlauchboote zunächst entlang der Küste fahren und erst an der schmalsten Stelle wirklich Kurs auf England nehmen. Die aus China importierten Billig-Produkte sind alles andere als seetauglich.
Koordinierte Maßnahmen gegen Schleuserbanden
Der koordinierte Einsatz der Kanal-Anrainer gegen Schleuserbanden (siehe Infobox) hat deren Geschäft aber zuletzt sichtlich beeinträchtigt. Mehrere zentrale Akteure wurden verurteilt, Material bei Razzien beschlagnahmt und Lieferketten unterbrochen, sodass die Zahl der Überfahrten in diesem Jahr deutlich zurückging. Darum überladen die Schleuser ihre Boote nun allerdings mit noch mehr Passagier:innen. Mehrere hatten im Sommer über 100 Personen an Bord, ein besonders langes Boot im August gar 230. 2024 waren es durchschnittlich 60, im letzten Jahr 70 Personen, die von den Schleusern in die Boote gesetzt wurden.
Die Schönwetterperiode Ende September ist stabil genug für einen eindrucksvollen Trek aus dem „Jungle“ von Grande-Synthe an die Strände im Süden. Mit Zügen oder Bussen geht es über Calais nach Boulogne-sur-mer, von dort stundenlang zu Fuß durch Küstenwälder und Dünenausläufer. Wie wichtig die Gegend geworden ist, zeigt sich an zwei Aspekten: Zum einen entstehen erste provisorische Lager, in denen Passagier:innen auf die Abfahrt eines Bootes warten; zum anderen eine erste, spärliche Infrastruktur von associations, deren Freiwillige mit Essen, Decken und trockener Kleidung einspringen oder sich um Schiffbrüchige kümmern.
Brigitte Duhen ist eine von ihnen. Sie gehört der Organisation Opal'Exile an, die seit anderthalb Jahren aktiv ist. An einem sonnigen Herbstmorgen steht sie mit drei Kolleginnen am Strand von Hardelot. Es ist Ebbe. Sie beobachten zwei Gruppen von jeweils etwa zwölf Personen, von denen gut die Hälfte Rettungswesten tragen und in Richtung der Wasserlinie gehen. Dann beschleunigen sie ihren Schritt, laufen ins weiß schäumende Wasser und stehen bald bis zur Hüfte im Meer. Drei Polizisten folgen ihnen, greifen aber nicht ein. Zurückhalten dürfen sie Bootsflüchtlinge nur, solange sie an Land sind.
Foto: Davide Levene/Guardian/eyevine/laif
Um dies zu verhindern und weil zu viele Boote abgefangen und aufgeschlitzt wurden, haben die Schleuser eine neue Technik entwickelt: sogenannte Taxi-Boote, die von Süden aus die Küste hochfahren und an verschiedenen Stellen Menschen an Bord nehmen. Ein solches lag bis eben etwa 200 Meter vor dem Strand und nähert sich nun den Wartenden, die eine Schlange gebildet haben. Als es sie erreicht, drängen sich alle darum, um so schnell es geht an Bord zu klettern. Rund 15 weitere Passagier:innen sind schon an Bord.
Mehrfach gleitet jemand an der glatten schwarzen Bootswand ab und fällt zurück ins Wasser. Ein Mann verliert seine Rettungsweste, die träge im Wasser treibt. Als endlich alle oben sind, prescht das Boot vor. Bei den ersten kleinen Wellen gleitet es wie über Buckel. Stabil sieht das schon mit 45 Personen nicht aus. Später wird das Boot in Equihen-Plage weitere Menschen aufnehmen. An diesem Tag erreichen alle Boote englische Gewässer, wo die Passagier:innen von Booten der Küstenwache nach Dover gebracht werden.
In den folgenden Tagen aber werden am Strand von Hardelot die Leichen von zwei Bootsflüchtlingen gefunden. Auch weiter südlich, in Sainte Cécile, trifft die Gendarmerie am Strand einen leblosen Körper, nachdem nur knapp die Hälfte einer 70-köpfigen Gruppe an Bord eines Taxi-Boots gelangte. In der nächsten Woche werden zwei Frauen und ein Kind auf See in einem überfüllten Boot erdrückt. Anfang Oktober sterben zwei Männer auf einem weiteren an Herzstillständen.
Brigitte Duhen erzählt an diesem Mittag, dass sie, wenn sie am Strand etwas Schlimmes erlebt hat, ein paar Tage brauche, bis sie wieder dorthin gehen könne. Ständig kämen ihr die Bilder wieder vor Augen: „Von den Migrant:innen auf ihren Booten, der Polizei, den Retter:innen der Feuerwehr, die bereitstehen.“ Der Strand ist für Duhen, anders als für andere Menschen, kein Ort der Entspannung mehr.
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