Wie Front-Videos für Propaganda genutzt werden
Der Krieg gegen die Ukraine spiele sich auch medial ab, so Oberst Reisner bei ZDFheute live. Oft würden beide Parteien Videos von kurzfristigen Erfolgen teilen, die verifiziert werden müssten.
10.09.2026 | 23:16 minVideos von der Front im Ukraine-Krieg sind eine wichtige Quelle für Neuigkeiten aus dem seit Jahren festgefahrenen Konflikt. In den Sozialen Medien erhalten die Aufnahmen einfacher Soldaten oft große Reichweite. Doch was sagen sie tatsächlich aus?
Beide Kriegsparteien nutzen die Macht der Videos auch, um gezielt Botschaften über Erfolge an der Front zu inszenieren. Viele der Aufnahmen benötigen Kontext und Experten, die sie einordnen. Oberst Markus Reisner von der Theresianischen Militärakademie in Österreich macht genau das seit Jahren. Bei ZDFheute live gibt er Einblick, was man bei Videos aus dem Kriegsgebiet beachten sollte.
Das sagt Oberst Reisner ...
... über die Aussagekraft von Videos von der Front
Dass Informationen Teil der Kriegsführung sind, ist nicht neu, digitale Technologien verstärken den Effekt aber.
Man muss immer vorsichtig sein mit diesen Videos, weil sie natürlich von beiden Seiten als Teil der Informationskriegsführung eingesetzt werden.
Oberst Markus Reisner, Militärexperte
"Wichtig ist es immer, sich von beiden Seiten Videos anzusehen", sagt Reisner. Auch das Georeferenzieren von Videos, also herauszufinden, wo genau sie aufgenommen wurden, ist zentral. Erst wenn eine gewisse Anzahl von Videos aus einem Gebiet vorliegen, könne man sagen, dass eine Seite diesen Raum zumindest temporär in Besitz nehmen konnte. "Aber das ist natürlich das, was viele im Stress nicht tun, sich diese Bilder im Detail anzusehen."
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Es sei auch wichtig zu bedenken, dass der individuelle Soldat oft nur ein sehr begrenztes Bild vom größeren Lagebild habe. "Das verschärft sich spätestens dann, wenn sich die Kommunikation zum Beispiel auf einzelne Elemente wie Starlink beschränkt", so Reisner.
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Die Kontrolle über Gebiete unmittelbar an der Frontlinie ist oft nicht klar. "Es gibt eben nicht mehr diese lineare Front, sondern wir haben diese Zone mit einer Ausdehnung von 50 Kilometern", erklärt Reisner.
Man muss sich eine gedachte Null-Linie vorstellen, links und rechts davon 25 Kilometer. Und hier wogen die Kämpfe hin und her.
Oberst Markus Reisner, Militärexperte
Reisner spricht hier von einer Grauzone oder Todeszone von 50 Kilometern, in der es aktuell keine operativen Durchbrüche oder großen Manöver gebe. Kleine Vorstöße beider Seiten würden meistens in dieser Zone verschwinden. "Es ist immer wieder umstritten, ob jetzt die eine Seite Teile dieser Zone beherrscht oder die andere Seite."
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Ein aktuelles Beispiel von der Frontlinie in der Region Donezk verdeutlicht, wie es bei den Operationen auch um das Inszenieren von Bildern geht. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte in einer Fernsehansprache behauptet, seine Truppen hätten eine Ortschaft bei der Stadt Lyman eingenommen. Kurz darauf veröffentlichte die Ukraine ein eigenes Video, das Truppen in dem zerstörten Ort zeigt. Darin warf ein Kommandant Putin Lügen vor.
Reisner beschreibt, dass inzwischen sogar kleine Trupps von ukrainischen oder russischen Soldaten Missionen unternähmen, um Flaggen an Gebäuden zu hissen, um damit in Videos zu belegen, dass man die Gegend in Besitz genommen habe.
Was man dann oft nicht zeigt, ist, dass dieselben Soldaten, die diese Flaggen gehisst haben, wenige Momente später getötet werden durch Drohnen und dass diese Zone wieder zu einem Art Niemandsland wird.
Oberst Markus Reisner, Militärexperte
Weshalb in diesem Fall die ukrainischen Aufnahmen dennoch recht glaubwürdig eine Kontrolle des Ortes belegten? Für Reisner ist ein Argument, dass im Video mit Brigadegeneral Andrii Biletskyi ein hochrangiger Kommandeur in der Stadt zu sehen sei. Üblicherweise werden so wichtige Personen keinem zu großen Risiko ausgesetzt.
Das Interview führte Barbara Parente, zusammengefasst hat es Anna Grösch.
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:Aktuelles zum Krieg in der UkraineSeit Februar 2022 führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Kämpfe dauern an. Alle Entwicklungen und Ukraine-News im Liveticker.
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Oberst Reisner war am 10.09.2026 zu Gast bei ZDFheute live um 20:55 Uhr.
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