The Jerusalem PostRubio spoke with Israel's Netanyahu on Monday, State Department official saysDaily MaverickThe crucial word missing from SA’s wildlife debateESPN DeportesEN VIVO: Sigue White Sox vs. Guardians, Juego 2 de Serie DivisionalESPNBengals WR Higgins day-to-day with adductor injury, Taylor saysInquirerGov’t resumes education aid for decommissioned MILF fighters, kinRTP DesportoAlexis Saelemaekers é baixa prolongada no AC Milan de Ruben AmorimVariety‘Free Elizabeth Holmes’ Group Defends Convicted Theranos Founder at ‘You Can See Everything’ Doc Screening: She’s ‘Innocent and Needs to Be Free’ZDF heuteEntdecken Sie das ZDF-NachrichtenstudioInteriaPakistan i Turcja wchodzą do gry. Pilne manewry w Arabii SaudyjskiejStraits Times SportEuroleague to vote on expansion offers on Tuesday as NBA Europe talks loomThe Hollywood ReporterPanta Mosleh’s Queer Interfaith Comedy ‘Pass the Salt’ Nabs Early Season 2 Renewal (Exclusive)The VergeReverse-engineered games: All the news on video game decomps, recomps, VR and web and 3D ports
The Daily Newsstand · Free, Always
Monday, October 5, 2026

New York, Berlin, Madrid: Neue Jahrhundert-Frage könnte Spanien-Wahl entscheiden

Translate

New York, Berlin, MadridNeue Jahrhundert-Frage könnte Spanien-Wahl entscheiden

05.10.2026, 20:11 Uhr imageVon Volker Petersen

623426545
Pedro Sánchez wird auch mit den steigenden Mieten Wahlkampf machen. (Foto: picture alliance / Juan Carlos Rojas)

Spaniens Ministerpräsident Sánchez strebt Neuwahlen an - und wird auch Wahlkampf mit hohen Mieten und dem Recht auf Unterkunft machen. Das Thema hebt die neue soziale Frage auf ein neues Level und weist weit über Spanien hinaus.

Mariecarmen Abascal darf nun doch in ihrer Wohnung bleiben. Seit 70 Jahre lebt die heute 87-Jährige in der Calle Alcalde Sainz de Baranda Número 46 in Madrid - bis sie eine Mieterhöhung bekam, die selbst diesen langen Straßennamen in den Schatten stellte. Rund 275 Prozent sollte sie mehr bezahlen und ihr Heim verlassen. Proteste in Spaniens Hauptstadt kamen ihr zu Hilfe. Mit Happy End für sie.

Dennoch wurde ihr Fall zur Zündschnur, der eine Bombe explodiert ließ. Auch wenn für die alte Dame alles beim Alten bleibt, zeigte sich der soziale Sprengstoff der Mietenfrage in seiner ganzen Brutalität. Ministerpräsident Pedro Sánchez, ein Sozialist, wollte mit einem Gesetz für mehr Mieterschutz reagieren - als er damit scheiterte, zog er Konsequenzen und kündigte Neuwahlen an. Als er am Morgen vor die Kameras trat, hatte er die Wahlkampf-Botschaften schon fertig verpackt.

Er teilte gegen die Opposition aus, verwies auf das respektable Wirtschaftswachstum, den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien und seine Gegnerschaft zum Fünfprozentziel der Nato sowie das Recht auf Unterkunft, das seine Regierung in der Verfassung verankerte. Er sprach damit genau den Punkt an, der ihm den Wahlsieg bringen könnte.

Nicht nur in Spanien versagt Mietmarkt

Natürlich steckt dahinter Kalkül. Nach acht Jahren im Amt steckt Machtkünstler Sánchez in einer Sackgasse. Nach Korruptionsskandalen verlor seine Partei an Ansehen und neuer Streit um die Katalonien-Frage ließ einen Koalitionspartner, die katalanische Partei Junts, von der Fahne gehen. Seitdem hat Sánchez keine Mehrheit mehr in den Cortes, dem spanischen Parlament. Dass in Ceúta 70.000 Menschen den Grenzzaun der EU überwanden, ließ seine Regierung als unfähig erscheinen. Die Neuwahlen werden allgemein als Flucht nach vorn interpretiert.

Dabei kämpft Sánchez und tut, was er tun muss, um das linke Lager zu mobilisieren. Angst, als Populist zu gelten, hat er jedenfalls nicht: Beim Fünfprozentziel der NATO stellte er sich quer, ging im Iran-Krieg auf Konfrontationskurs zu US-Präsident Donald Trump und beschuldigte Israel des Genozids im Gazastreifen. So entwickelte er Strahlkraft über die Landesgrenzen hinaus, inszenierte sich als vermeintlich aufrechter Linker.

So viel zu den Niederungen der spanischen Politik, spannend, interessant - einerseits. Doch dass nun ausgerechnet das Thema der steigenden Mieten und Immobilienpreise das Fass zum Überlaufen bringt und zu Neuwahlen führt, weist andererseits weit über die iberische Halbinsel hinaus. Denn auch wenn es in Spanien-spezifische Gründe für die Krise am Immobilienmarkt gibt, droht auch im Rest Europas und in den USA der Markt zu versagen - weil er nicht ausreichend bezahlbare Wohnungen und Häuser für Durchschnittsverdiener bereitstellt.

Erst New York, dann Berlin

New York, Berlin und nun Madrid zeigen den Sprengstoff des Themas. In der US-Metropole gewann in Zoran Mamdani ausgerechnet ein selbst erklärter Sozialist die Wahl. Im Zentrum seines Wahlkampfes stand die Bezahlbarkeit des Lebens, und damit auch die hohen Mieten. Eine Strategie, die sich die Linke in Berlin abschaute und anschließend ebenfalls mit Elif Eralp an der Spitze die Wahl gewann.

Wenn in den USA ein Sozialist eine große Wahl gewinnt und in Berlin die Linke, dann zeigt das vor allem, wie sehr bezahlbarer Wohnraum ins Zentrum der politischen Debatte gerückt ist. Das Thema liegt schon lange in der Luft, in Deutschland wie anderswo. Olaf Scholz gewann mit der SPD auch deshalb die Bundestagswahl vor fünf Jahren, weil er versprach, pro Jahr 400.000 Wohnungen bauen zu lassen. Ein Ziel, an dem er fulminant gescheitert ist.

Wohnen ist für viele zur sozialen Frage des 21. Jahrhunderts geworden, nicht nur in Spanien. Das zeigen die Zahlen: Im Durchschnitt sind die Wohnkosten in der EU zwischen 2015 und 2024 laut Statistikbehörde Eurostat um 53 Prozent gestiegen - während die Reallöhne laut EU-Angaben noch unter dem Niveau von vor der Pandemie liegen.

Seit Jahren Klagen auf Mallorca

In allen Mitgliedsstaaten gab es bei den Wohnkosten laut Eurostat nur eine Tendenz: nach oben. In Spanien stiegen sie überdurchschnittlich um 60,3 Prozent, Treiber sind die Hotspots Madrid und Barcelona. Aber auch auf Mallorca klagen die Einheimischen seit Jahren über die Immobilienpreise. Doch damit sind die Bewohner der Insel keineswegs allein.

In Portugal, Estland und Polen stiegen die Mieten gar um mehr als 100 Prozent, in Ungarn, dem traurigen Spitzenreiter, sogar um mehr als 200 Prozent. Deutschland kam vergleichsweise glimpflich davon, die Wohnkosten stiegen um 48,3 Prozent. In Berlin allerdings explodierten die Angebotsmieten laut Investitionsbank (IBB) um 85 Prozent.

Die Kosten wieder herunterzubringen, ist komplex. Steigende Baukosten lassen sich ein Stück weit durch niedrigere Standards, geringere Bürokratie und nicht gewinnorientierte Bauträger dämpfen. Doch die hohen Hypothekenzinsen machen eine Finanzierung für Durchschnittsverdiener schwierig.

Die Wahlen in New York und Berlin, die Proteste in Madrid zeigen, dass das Thema Wohnen und Mieten Wahlen entscheiden kann. Es dürfte für Spitzenpolitiker immer schwieriger werden, es als Nebenschauplatz abzutun. Sánchez hat das erkannt. Nun muss er sich nur noch überzeugende Lösungen überlegen.

View the original on n-tv →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.