Trump gewählt, nun frustriert: Eine Kleinstadt vor der Wahl
US-Korrespondentin Katharina Schuster erklärt, welche Themen demokratische und republikanische Wähler vor den Midterms umtreiben.
19.10.2026 | 1:23 minWer an diesem Vormittag an der Tankstelle in Front Royal hält, muss für Benzin deutlich mehr bezahlen als noch vor einigen Jahren. Neben ihrem roten Pick-up-Truck stehen Pam und ihre Freundin Maria. Hinter den beiden rauschen Lastwagen über die Landstraße.
Vor ihnen zählt die Anzeige an der Zapfsäule weiter nach oben. Pam und Maria haben bei der Präsidentschaftswahl 2024 Trump gewählt, erzählen sie. Jetzt sind die Rentnerinnen enttäuscht.
Trump hat versprochen, die Lebensmittel- und Benzinpreise zu senken. Aber in den vergangenen zwei Jahren haben wir davon nichts gesehen.
Pam, Trump-Wählerin 2024
Sie sorgen sich darüber, dass es immer schwerer werde, sich den Alltag zu leisten. Besonders problematisch: die steigenden Gesundheitskosten. Viele ältere Menschen lebten von einem festen Einkommen, erzählt Pam. "Sie müssen beim Essen sparen, um ihre Arztrechnung bezahlen zu können."
Ob Pam und Maria im November bei den Midterms wieder republikanisch wählen? Das wissen sie noch nicht.
Front Royal stimmte 2024 für Trump
Front Royal liegt im US-Bundesstaat Virginia, etwa anderthalb Autostunden von Washington D.C. entfernt. Reisende machen hier Halt auf dem Weg in den Shenandoah-Nationalpark. Die Kleinstadt gehört zu einer Region, in der Trump bei der Präsidentschaftswahl 2024 mit rund zwei Dritteln der Stimmen deutlich gewonnen hat.
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Unabhängig von der Parteipräferenz landet man dort bei Gesprächen immer wieder beim gleichen Thema: den steigenden Kosten des Alltags. Die beschäftigen auch Metallarbeiter Dlyan. Der 28-Jährige pendelt täglich zur Arbeit. Die Benzinpreise stehen ganz oben auf seiner Themenliste vor den Midterms.
Verantwortlich dafür ist aus seiner Sicht jedoch weniger die Politik. Es seien vielmehr große Unternehmen, die die Situation ausnutzten und die Preise unnötig in die Höhe trieben, erzählt er. Gleichzeitig sorgt er sich um staatliche Eingriffe in persönliche Freiheitsrechte.
Auch Dylan weiß noch nicht, wen er bei den Midterms unterstützen wird. Die Kandidaten beider Parteien müssten ihn erst noch überzeugen. Pam, Maria und Dylan gehören damit zu einer Wähler-Gruppe, die für Demokraten und Republikaner gleichermaßen interessant ist: Menschen, die sich politisch noch nicht festgelegt haben.
Es ist ein Stimmungstest für Trumps Politik: Bei den Midterms im November fürchten die Republikaner den Verlust ihrer Kongressmehrheit. Die Unzufriedenheit der Wähler ist zunehmend gewachsen.
07.10.2026 | 6:01 minWählerin der Demokraten: "Wir Frauen sind wütend"
Alyssa dagegen hat ihre Entscheidung bereits getroffen. Die 42-Jährige hat schon vorzeitig gewählt. Heute ist sie mit ihrer Mutter und ihrer Tochter unterwegs zum Brunch. Für sie geht es bei den Midterms vor allem um Frauen- und Menschenrechte und das Recht, selbst über den eigenen Körper bestimmen zu können.
Diese Rechte werden gerade angegriffen. Und wir Frauen sind wütend darüber.
Alyssa, Wählerin der Demokraten
Anders als Pam, Maria oder Dylan musste sie nicht lange überlegen. Sie hat demokratisch gewählt.
Paul, der gerade aus dem Urlaub in die Kleinstadt zurückgekehrt ist, beschäftigt zwar auch die Inflation. Gleichzeitig nennt er das Recht auf Abtreibung und die gleichgeschlechtliche Ehe wichtige Themen. Menschen sollten die Freiheit haben, "das Leben zu leben, das sie leben möchten", sagt er.
Grundsätzlich sieht das auch Gisela so. Als gläubige Katholikin befindet sie sich jedoch im Zwiespalt. Einerseits seien ihr religiöse Werte wichtig, andererseits denke sie an die Freiheit und Würde jedes Einzelnen. Viele politische Fragen, wie das Recht auf Abtreibung, betrachte sie deshalb aus unterschiedlichen Perspektiven.
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16.10.2026 | 1:25 minWorauf es den Wählern ankommt
Im Gespräch mit den Menschen an diesem Montagvormittag sind die Sorgen sehr unterschiedlich. Repräsentative Umfragen zeigen: Die Wirtschaft ist das Top-Thema für die Wähler bei den Midterms. Danach folgen die Zukunft der Demokratie und das Gesundheitssystem.
Die Midterms gelten traditionell als Stimmungstest für den Präsidenten. Ob enttäuschte Trump-Wählerinnen wie Pam und Maria den Republikanern diesmal die Stimme verweigern oder am Ende doch wieder ihr Kreuz bei der Partei machen, bleibt offen.
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An diesem Vormittag in Front Royal spricht kaum jemand über große politische Strategien. Die Gespräche drehen sich um das Leben im Alltag. Teure Lebensmittel, hohe Gesundheitskosten, persönliche Freiheiten und die Frage, in welche Richtung sich das Land entwickelt.
Neben Pam und Maria zählt die Zapfsäule weiter nach oben. Es ist genau der Moment, in dem Politik greifbar wird. Nicht im Kapitol in Washington D.C., sondern hier, an einer Tankstelle in Virginia.
Katharina Schuster ist Korrespondentin im ZDF-Studio in Washington D.C.
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