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Monday, October 12, 2026

c't-Podcast: "Die ziehen einen digital aus"

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Eine junge Wissenschaftlerin wechselt von der Uni zum Konzern Meta, um zu erforschen, mit welchen Maßnahmen Nutzerinnen und Nutzer davor geschützt werden können, mehr Zeit mit dem sozialen Netzwerk zu verbringen, als für sie gesund ist. Aber ihre Arbeit sei nicht willkommen gewesen, erinnert sich Anneke Buffone im c't-Podcast "They Talk Tech" mit Svea Eckert und Eva Wolfangel. Nach einem Streit über eine ihrer Arbeiten, die Meta nicht veröffentlichen will, sei sie entlassen worden.

"Man kann kaum stolzer darauf sein, entlassen zu werden", sagt Buffone. Die Sozialpsychologin hat rund sieben Jahre als Forscherin bei Meta gearbeitet. Vor Kurzem saß sie in einem Verfahren gegen Meta im Zeugenstand: In mehreren US-Verfahren geht es derzeit um das suchtfördernde Design von Instagram und Facebook und die Frage, wie gezielt Meta insbesondere Kinder und Jugendliche manipuliert hat, damit sie länger auf deren Apps bleiben.

Warum sie aussagt, begründet die in Deutschland aufgewachsene Forscherin mit einem Begriff aus ihrer Kindheit: Zivilcourage. Wer sehe, dass Menschen zu Schaden kommen, müsse für das Richtige einstehen. Leicht sei ihr das nicht gefallen, sagt sie. Mit dem Schritt habe sie sich ein gutes Einkommen und viele mögliche Arbeitgeber verbaut. "Man stellt sich schon auf eine Seite, wenn man so was macht."

Zu Meta kam Buffone von der University of Pennsylvania, wo sie mit Social-Media-Daten geforscht hatte. Sie habe lange gezögert, berichtet sie, schließlich war der Cambridge-Analytica-Skandal schon bekannt. Überzeugt habe sie das Versprechen, die Produkte sicherer machen zu können – und die schiere Größe der Stichproben. Plötzlich konnte sie Zehntausende Menschen befragen.

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Doch schnell merkte Buffone, dass ihre Ergebnisse von anderen veröffentlichte Studien des Unternehmens abwichen. Während ihre Forschung ergab, dass 10 bis 20 Prozent der Befragten ein problematisches Nutzungsverhalten hatten, fanden vorherige Meta-Studien lediglich drei Prozent. Der Unterschied liege an der Definition, erklärt Buffone: Sie zählte auch Menschen, die die Kontrolle über ihre Zeit verlieren und das an Schlaf, Arbeit, Beziehungen oder ihrer Präsenz als Eltern spüren. Die Ergebnisse gehörten 2021 zu den Dokumenten, die die Whistleblowerin Frances Haugen öffentlich machte.

Das Grundproblem sieht Buffone in der Logik der Algorithmen. "Die ziehen einen digital aus", sagt sie. Ausgewertet werde nicht nur, was man anklickt, sondern auch, wie langsam man scrollt, wann man die App verlässt und wie schnell man zurückkommt. "Es geht wirklich nur darum, diese Zeit zu maximieren." Mit der Nutzungszeit wachse jedes andere Risiko wie gefährliche Inhalte oder Mobbing.

Ihr Team testete damals Gegenmaßnahmen, erzählt sie. Doch nach wenigen Monaten sei das Team ohne Begründung aufgelöst worden. Später seien bestimmte Forschungsfragen gar nicht mehr erlaubt gewesen und ihre Arbeiten nicht mehr veröffentlicht worden. Als sie protestierte, wurde sie nach eigener Darstellung entlassen.

Meta äußerte sich auf Anfrage nicht zu Buffones Schilderungen. Öffentlich wirft der Konzern den Bundesstaaten vor, in den Gerichtsverfahren interne Studien selektiv zu zitieren.
Buffone fordert, die Beweislast umzukehren. Bislang müsse man nachweisen, dass eine Plattform unsicher sei. "In jeder anderen Industrie würden wir nicht akzeptieren, dass wir gucken, ob das Auto jetzt sicher ist, während Millionen von Menschen damit fahren." Weil nur die Plattformen die Daten haben, benötige unabhängige Forschung einen Zugang dazu.

Eltern sollten nicht auf Gesetze warten, rät sie. Sie sollten mit ihren Kindern regelmäßig gemeinsam auf den Feed schauen, erklären, wie die Mechanismen funktionieren, und nachts keine Handys im Kinderzimmer lassen. Wichtig sei auch, dass sich Eltern untereinander absprechen. Die meisten erlaubten die Apps nur, weil sie glaubten, alle anderen täten es auch. Dabei haben alle die gleichen Sorgen.

„They Talk Tech“ erscheint jeden Mittwoch überall, wo es Podcasts gibt. Svea Eckert und Eva Wolfangel diskutieren ein Tech-Thema oder treffen inspirierende Frauen aus und rund um die Tech-Welt.

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