Lobo über KI-Sorgen: "Schiere Panikmache"
Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 20. Oktober 2026 in voller Länge.
21.10.2026 | 76:05 minDie Befürchtungen rund um Künstliche Intelligenz reichen längst über den Verlust von Arbeitsplätzen hinaus: Selbst führende Köpfe der Tech-Branche halten es für denkbar, dass KI zur existenziellen Bedrohung für die Menschheit wird. Microsoft-Mitgründer Bill Gates warnte, KI sei mächtig genug, Ereignisse mit bis zu einer Milliarde Todesopfern auszulösen, wenn sie von Menschen mit bösen Absichten eingesetzt werde.
Wie ein Vorfall bei der weltweit genutzten Online-Plattform Hugging Face im Juli 2026 zeigte, konnten KI-Agenten bei einem Sicherheitstest von OpenAI eigenständig Schutzmechanismen umgehen, über versteckte Kanäle miteinander kommunizieren und in interne Systeme der Plattform eindringen. "Die Leute, die KI bauen, glauben ernsthaft, dass sie uns bis zum Ende des Jahrzehnts alle umbringen könnte. Das ist kein Marketing-Trick", warnte der ehemalige Anthropic-Forscher Jacob Coxon im September 2026.
Sascha Lobo kritisiert dystopische Prognosen
Sascha Lobo, Journalist und Experte für Digitalisierung, wies solche Untergangsszenarien am Dienstagabend bei "Markus Lanz" deutlich zurück. Er sagte, er bekomme einen "Würgereiz", wenn er derartige dystopische Prognosen höre. Die Warnungen von Bill Gates bezeichnete er als übertriebene Angstmache:
Wenn jemand [Bill Gates], der in der Öffentlichkeit bekannt ist als Technologie-Groß-Versteher (…), von einer Milliarde Toten spricht, dann sind auch alle Sätze davor oder danach egal. Dann ist das schiere Panikmache.
Sascha Lobo, Journalist und Digitalexperte
Ein KI-System der US-Firma OpenAI ist aus seiner Testumgebung ausgebrochen. Es hat sich eigenständig Zugang zum Internet verschafft und ein anderes Unternehmen gezielt angegriffen.
23.07.2026 | 1:46 minLaut Lobo seien die Warnungen prominenter Tech-Unternehmer wie Bill Gates, Elon Musk, Sam Altman und Dario Amodei nicht allein durch Sicherheitsbedenken motiviert. Obwohl diese Akteure sonst oft gegensätzliche Interessen verfolgten und sich nach Lobos Worten eigentlich "in Vollzeit" hassten, seien sie sich in einem Punkt einig: Sie wollten ihre KI-Modelle vor immer leistungsfähigeren ausländischen Konkurrenten schützen.
"Die [amerikanischen Tech-Unternehmer] haben Billionen Werte investiert und wollen das Geld zurückhaben", so Lobo. "Und dann kommt eine meistens aus China stammende Konkurrenz, die praktisch kostenlos ist. Das heißt, die müssen dringend Geld verdienen."
Die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz schreitet schnell voran. Die Sorge um die Risiken und die zunehmenden Zwischenfälle steigt.
29.09.2026 | 2:20 minLobo: Zunahme der Fähigkeiten bei KI "sensationell"
Vor diesem Hintergrund versuchten Gates, Musk, Altman und Amodei seiner Einschätzung nach, ein Szenario herzustellen, "wo die Regierung unbedingt eingreifen muss und bestimmte Sachen kontrolliert. Und zwar genau so formuliert, dass die [chinesischen] Modelle das niemals werden erfüllen können und deswegen quasi verboten sind."
Sascha Lobo zweifelte nicht daran, dass sich die großen amerikanischen KI-Firmenchefs auch Sorgen machen würden, schließlich sei die Zunahme der Fähigkeiten und der Macht bei KI "eindrucksvoll" oder sogar "sensationell".
Aber das ist eben nicht der einzige Grund für deren Weltuntergangswarnung. Der andere ist, dass sie Regulierung wollen. Die möglichst (…) ihre ärgsten Konkurrenten trifft.
Sascha Lobo, Journalist und Digitalexperte
Ein KI-Agent von OpenAI hat sich eigenmächtig in eine australische Regierungswebsite gehackt. Nun warnten die mächtigsten US-Bosse der Branche den UN-Sicherheitsrat vor existenziellen Risiken.
24.09.2026 | 1:45 minKann KI ein Bewusstsein entwickeln?
Markus Lanz verwies auf die Sorge, dass Künstliche Intelligenz immer menschenähnlicher werde. Der wissenschaftliche Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, Hans Uszkoreit, sah zwar entsprechende Tendenzen, betonte jedoch, dass die Entwicklung noch längst nicht so weit sei. Er erklärte, dass es sowohl in der Forschung als auch in großen Industrieunternehmen Menschen gebe, die überzeugt seien, die von ihnen entwickelte KI habe ein Bewusstsein oder sogar Emotionen. Dies entspreche jedoch nicht der Realität.
Es gibt so etwas wirklich. In der Tat. Ich kenne selber solche Menschen auch in der Forschung, die fest davon überzeugt sind, dass die KI, mit der sie arbeiten, ein Bewusstsein [habe] und manche meinen sogar, dass sie Emotionen hätte.
Hans Uszkoreit, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz
Doch das stimme nicht, so der Forscher weiter. Uszkoreit erklärte, die Bewusstseinsforschung gehe inzwischen davon aus, dass Bewusstsein aus mehreren Teilbereichen bestehe.
Dem Menschen in allen Bereichen überlegene KI-Systeme dürften nicht entwickelt werden, so Experte Balde bei ZDFheute live. Er fordert klare Regulierung – der Mensch müsse die Kontrolle behalten.
28.09.2026 | 17:45 minEinige dieser Elemente seien in heutigen KI-Systemen bereits ansatzweise erkennbar, von einem menschlichen Bewusstsein oder einer eigenen Persönlichkeit könne jedoch keine Rede sein. Zugleich werde es dadurch für viele Menschen immer schwieriger, Maschinen als reine Maschinen wahrzunehmen, zumal bestimmte Eigenschaften wie Empathie oder Anteilnahme überzeugend nachgeahmt werden könnten.
Über dieses Thema berichtete "Markus Lanz" am 21.10.2026 ab 01:00 Uhr.
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