Prognose: 80 Prozent der Neoclouds stellen bis 2030 Betrieb ein
Das Wettrüsten bei der KI-Infrastruktur könnte laut Prognose der Marktforscher von Gartner zu erheblichen Abschreibungen sowie zu Betriebseinstellungen bei den meisten Neocloud-Anbietern führen. Demnach gehen die Analysten davon aus, dass sich die Infrastrukturausgaben für 2026 auf rund eine Billion US-Dollar belaufen werden und die für 2027 bis 2030 auf 6 Billionen US-Dollar. Die zu erwartende Nachfrage nach KI-Leistung von Unternehmen und Endkunden werde aber nicht reichen, um bei dieser Investitionshöhe auf alle Ausgaben noch Rendite einzufahren.
„Bis 2030 müssten die Betreiber von KI-Rechenzentren kumulierte Umsätze in Höhe von 8,5 Billionen US-Dollar erzielen, um die angekündigten Investitionsausgaben, die Finanzierungskosten und eine Kapitalrendite von 12 Prozent zu decken, die wir als Schwellenwert für das Investitionskapital annehmen“, erklärt Gartner-Analyst Will Sommer. Die möglichen Gesamtumsätze aus dem Unternehmens- und Privatkundengeschäft mit KI veranschlagt Gartner für den Zeitraum aber nur auf bis zu 3,6 Billionen US-Dollar.
Kommt die Neocloudocalypse?
Die Anbieter von KI-Infrastruktur sitzen dabei auch auf Hardware, die schnellen Innovationszyklen unterworfen ist und damit an Wert verliert. Wem es nicht gelingt, nachhaltige Kapitalrendite einzufahren, für den sind dann laut Gartner Wertberichtigungen nahezu unumgänglich. Bis 2030 könnten demnach rund 3,5 Billionen US-Dollar an Investitionen in Anlagen weniger wert sein, als in den Bilanzen angesetzt. Bis 2032 könnte das Wertminderungsrisiko bei 4 Billionen US-Dollar liegen.
Besonders hart trifft es laut Prognose das Segment der Neoclouds, also Cloudinfrastrukturanbieter wie Nebius und CoreWeave, die sich auf KI-Workloads konzentrieren. Gartner geht hier von einer radikalen Marktbereinigung aus. So müssten bis 2030 80 Prozent der Neoclouds ihren eigenständigen Betrieb einstellen wegen zu hohen Kostendrucks und eines zu einseitigen Geschäftsmodells. Gartner schätzt, dass der Markt für KI-optimierte IaaS von 66 Milliarden US-Dollar 2027 auf 174 Milliarden 2030 wächst – zu wenig, um die Investitionen vor der nächsten GPU-Generation zurückzuverdienen.
Ganz anders sieht es da bei den Hyperscalern aus. Amazon, Meta, Google und Co. verfügen über gewaltige und breit diversifizierte Umsatzquellen, sodass sie laut Gartner ihre KI-Investitionen über Jahre weiterfahren können. Ob sie es tatsächlich auch tun werden, wenn die Nachfrage erkennbar zu gering ausfällt, ist eine andere Frage. Gartner geht für sein Szenario jedenfalls von ungebremstem Ausgabeboom aus.
Eine Prognose der Beratungsgesellschaft Bain vom Ende September sieht eine ganz ähnliche Diskrepanz zwischen Investitionsniveau und damit realistisch erzielbaren Umsätzen. Bis 2031 müsse das Geschäft mit KI ein Markt mit einem Jahresumsatz von knapp 6 Billionen US-Dollar geworden sein, um weiterhin so viel investieren zu können. Consumer- und Enterprise-Nachfrage allein dürften laut Bain deutlich weniger abwerfen – es brauche einen massiven Boom in Zukunftsfeldern wie Physical AI mit Robotik.
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