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Friday, September 18, 2026

«Die Rechnung ist über 980’000 Dollar – jeden Tag wird es teurer»

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  • Chiaras Mutter Rita (63) erlitt während der Las-Vegas-Ferien eine Hirnblutung und liegt seither auf der Intensivstation eines US-Spitals.
  • Die Spitalrechnung beläuft sich bereits auf über 980’000 Dollar – und steigt täglich, da Rita weiterhin intensivmedizinisch behandelt wird.
  • Ritas Reiseversicherung gilt nicht für die USA, weshalb Freunde eine Spendenaktion auf GoFundMe gestartet haben.

Eigentlich wollten Chiara (28) und ihre Mutter Rita (63) nur entspannte Ferien zu zweit in Las Vegas verbringen. Doch jetzt ist Chiara alleine im Hotel und überlegt sich, wie sie eine Rechnung von über 900’000 Dollar bezahlen kann. Ihre Mama liegt mit einer Hirnblutung im US-Spital und sie können nicht zurück nach Deutschland reisen.

Die Hirnblutung kam aus dem Nichts: Am Morgen hatte ihre Mutter über Nackenschmerzen geklagt. «Sie dachte, sie habe einfach falsch gelegen», erzählt die 28-Jährige aus Deutschland im Gespräch mit 20 Minuten. Sie nahm ein Schmerzmittel, dann gingen die beiden in ein Outlet. Zunächst schien alles in Ordnung.

«Ich dachte, meine Mama stirbt mir weg»

Im Laden verschlechterte sich ihr Zustand abrupt. Chiaras Mutter klagte über starke Schmerzen und Sehprobleme, musste sich mehrfach übergeben. «Ich habe solche Schmerzen, das kenne ich nicht», habe sie gesagt. Chiara vermutete zunächst, die Hitze oder eine Migräne könnten der Grund sein.

Auf dem Weg zum Parkplatz konnte ihre Mutter nicht mehr weitergehen. Sie verlor das Bewusstsein, erbrach sich. Menschen aus einem nahe gelegenen Laden riefen den Krankenwagen. «Ich dachte, meine Mama stirbt mir hier weg», sagt Chiara.

Im Spital erhielten sie die Diagnose: Ein Aneurysma im Kopf war geplatzt. «Als sie mir sagten, dass ihr Gehirn voller Blut sei, dachte ich nur: Okay, meine Mama wird sterben.» Am folgenden Tag wurde die Mutter operiert und danach für knapp eine Woche in ein künstliches Koma versetzt.

Noch nicht klar, wann sie nach Deutschland kann

Inzwischen atme ihre Mutter selbstständig und sei nicht mehr im künstlichen Koma, sagt Chiara. Sprechen könne sie jedoch noch nicht. Sie habe zwischendurch die Augen geöffnet und könne ihre Füsse bewegen. Wegen der starken Blutung rechnen die Ärzte damit, dass sie vieles komplett neu lernen müsse – das Sprechen ebenso wie körperliche Abläufe.

Die Ungewissheit sei kaum auszuhalten. «Es geht ständig hoch und runter», sagt Chiara. Ein Arzt habe mitgeteilt, ihre Mutter könne ausreisen, die Hirnärztin habe dies jedoch anders beurteilt. Zwar sei sie körperlich grundsätzlich transportfähig, doch wegen ihres Gehirns wolle niemand ein Risiko eingehen. Ein fixes Datum für die Rückreise gibt es deshalb noch nicht.

Chiara ist in Las Vegas an der Seite ihrer Mutter. «Ich will nicht bei ihrem Bett weinen. Ich muss ihr positiv zureden», sagt sie. Ihre Nerven seien am Ende. Gleichzeitig betont sie: «Meine Mama ist meine beste Freundin. Für sie würde ich alles tun.»

«Ich dachte, sie habe eine Reiseversicherung»

Zur Sorge um ihre Mutter kommen enorme finanzielle Belastungen. Bereits als die Kopfschmerzen stärker wurden, fragte Chiara ihre Mutter, ob sie eine Auslandkrankenversicherung habe. «Ich sagte zu ihr: ‹Mama, wir haben ein Problem, ich hoffe, du bist versichert.›» Chiara schaute nach und bemerkte: Rita hatte zwar eine Reiseversicherung, diese galt aber nicht für die USA und Kanada. «Sie hat so geweint.»

Der erste Schock kam dann bei der Zwischenrechnung: 952’165 Dollar. Mittlerweile seien es bereits über 980’000. Da ihre Mutter weiterhin intensivmedizinisch behandelt wird, steigen die Kosten täglich. «Das kann man nicht bezahlen. Diese Summe übersteigt das, was wir als Familie alleine schaffen können», sagt Chiara. Mit dem Spital wolle die Familie über einen Preisnachlass verhandeln. Was am Ende jedoch von der Rechnung übrig bleibe, sei noch offen und werde sich erst zurück in Deutschland herausstellen.

Auch der medizinische Rücktransport nach Deutschland wird teuer. Das Deutsche Rote Kreuz soll ihn organisieren, privat bezahlen müsse ihn die Familie dennoch. Dafür haben Freunde eine Spendenaktion auf GoFundMe gestartet. Wann Chiara ihre Mutter nach Deutschland begleiten kann, steht noch nicht fest.

Was passiert, wenn dir das in den USA passiert?

Ein medizinischer Notfall in den USA kann schnell sehr teuer werden. Doch wie viel davon übernimmt die Schweizer Grundversicherung?

Bei einem vorübergehenden Aufenthalt ausserhalb der EU/EFTA und des Vereinigten Königreichs übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung laut Helsana die Kosten einer Notfallbehandlung, wenn eine versicherte Person aus medizinischen Gründen nicht für die Behandlung in die Schweiz zurückkehren kann.

Allerdings ist die Kostenübernahme begrenzt. Laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) werden grundsätzlich höchstens die doppelten Kosten übernommen, die für die entsprechende Behandlung in der Schweiz vergütet würden. Das gilt auch dann, wenn im Ausland beispielsweise eine Rechnung von 500’000, 900’000 oder einer Million Dollar anfällt.

Grundversicherung reicht für die USA oft nicht

Bei einem stationären Spitalaufenthalt gelten zusätzliche Regeln. Der Versicherer übernimmt laut BAG höchstens 90 Prozent der Kosten, die derselbe Spitalaufenthalt in der Schweiz verursachen würde. Der Grund: In der Schweiz übernehmen die Kantone bei stationären Behandlungen mindestens 55 Prozent der Kosten. Bei einer Behandlung im Ausland entfällt diese Beteiligung.

Gerade in den USA könne deshalb eine grosse finanzielle Lücke entstehen. Helsana erklärt gegenüber 20 Minuten, dass die Grundversicherung bei einer stationären Behandlung in den USA erfahrungsgemäss in der Regel nicht ausreiche, um die gesamten Kosten zu decken.

Auch Swica weist darauf hin, dass im Einzelfall «erhebliche Restkosten zulasten der versicherten Person anfallen» können, wenn die Behandlungskosten im Ausland deutlich höher sind als in der Schweiz.

Rücktransport kann rund 100’000 Franken kosten

Neben der Behandlung kann auch ein medizinischer Rücktransport teuer werden. Ein Rücktransport aus den USA mit einem Ambulanzjet könne laut Helsana rund 100’000 Franken kosten.

Das BAG empfiehlt deshalb eine Reisezusatzversicherung für Aufenthalte ausserhalb der EU. Dies gelte insbesondere für Länder, in denen die medizinischen Behandlungen und Transportkosten höher sind als in der Schweiz – beispielsweise die USA, Kanada oder Japan.

Auch Helsana und Swica empfehlen für Reisen eine entsprechende Zusatz- oder Reiseversicherung mit ausreichender Auslanddeckung. Damit können Kosten abgedeckt werden, welche die Leistungen der Grundversicherung übersteigen.

So sieht es mit einer Rega-Gönnerschaft aus

Auch wer eine Rega-Gönnerschaft hat, hat noch keinen finanziellen Freipass. Laut den Gönnerbestimmungen garantiert eine Gönnerschaft nicht, dass man nach einem Einsatz keine Rechnung erhält. Bleiben Kosten ungedeckt – wenn etwa Versicherungen oder andere Dritte nicht dafür aufkommen –, kann die Rega diese ganz oder teilweise erlassen. Ob sie dies tut, entscheidet sie jedoch selbst – einen Rechtsanspruch auf den Kostenerlass gibt es nicht.

Selina Keller

Selina Keller (sek) arbeitet seit 2025 bei 20 Minuten und ist Redaktorin im Ressort Community

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