Drei Brüder starben – nun kehrt die umstrittene Parade zurück

- Erstmals seit fast 30 Jahren durfte der Oranier-Orden am Sonntag durch die katholisch geprägte Strasse in Portadown ziehen.
- Ein Gericht in Belfast bestätigte die Genehmigung der Parades Commission in der Früh, doch Hunderte Gegendemonstranten blockierten die Garvaghy Road dennoch.
- Seit 1998 war der Marsch verboten, nachdem rund um den Drumcree-Konflikt in den 1990er-Jahren Menschen verletzt und drei Brüder bei einem Brandanschlag getötet wurden.
Erstmals seit den 1990er-Jahren sollte am Sonntagmorgen eine umstrittene Parade des protestantischen Oranier-Ordens durch einen überwiegend katholisch geprägten Teil der nordirischen Stadt Portadown ziehen. Ein Gericht hatte die Genehmigung für den Umzug zuvor bestätigt.
Die Parade wurde jedoch von Hunderten Gegendemonstranten blockiert, wie die DPA berichtet. Die Parade, bei der 35 Teilnehmer, aber keine Bands oder Unterstützer zugelassen waren, konnte deshalb zunächst nicht starten. Doch worum geht es in dem Konflikt?
Der Oranier-Orden
Der Oranier-Orden wurde 1795 als Bund zur Erhaltung von Monarchie und Protestantismus in der Kleinstadt Portadown gegründet. Seine Mitglieder suchten damals Schutz vor Angriffen irischer Katholiken.
Das Gerichtsurteil
Die zuständige Parades Commission hatte den Umzug zunächst erlaubt und damit zugelassen, dass die sogenannten Orangemen heute entlang der Garvaghy Road durch einen überwiegend katholisch-nationalistisch geprägten Stadtteil Drumcree marschieren dürfen. Damit war es den Protestanten erstmals seit fast drei Jahrzehnten wieder erlaubt, entlang der Garvaghy Road zu ziehen.
Wenige Stunden vor dem geplanten Beginn bestätigte ein Gericht in Belfast diese Entscheidung. Das Gericht müsse den Beschluss der Parades Commission als öffentliche Institution respektieren, erklärte Richter Michael Humphreys laut der britischen Nachrichtenagentur PA am frühen Morgen.
Der Drumcree-Konflikt
Der Gerichtsentscheidung war ein erbitterter Streit vorausgegangen: Seit 1998 hatte die Parades Commission den Marsch über die Strasse untersagt. Grund dafür waren die teils schweren gewaltsamen Auseinandersetzungen in den 1990er-Jahren im Zuge des sogenannten Drumcree-Konflikts.
Für den Oranier-Orden ist die Route Teil einer langjährigen Tradition. Viele Anwohnende entlang der überwiegend katholisch geprägten Garvaghy Road sehen den Marsch dagegen als unerwünschte Demonstration unionistischer Dominanz. In den 1990er-Jahren kam es im Zusammenhang mit dem Konflikt wiederholt zu schwerer Gewalt durch loyalistische und nationalistische Akteure.
Dabei wurden viele Menschen verletzt und Häuser beschädigt. Besonders dramatisch eskalierte der Konflikt 1998: Drei katholische Brüder starben bei einem Brandanschlag auf ihr Zuhause, wie BBC schreibt. Danach durfte der Oranier-Orden zwar weiterhin marschieren, jedoch nicht mehr über die Garvaghy Road. Die Lage beruhigte sich in den folgenden Jahren. Trotzdem beantragte der Oranier-Orden weiterhin jährlich die Genehmigung, die frühere Route wieder nutzen zu dürfen – schliesslich in diesem Jahr mit Erfolg.
Mit Material von DPA
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Alessia Rambaldi (ram), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin am Newsdesk.
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