Die Wahrheit: Wenn Don Gianni pfeift

Willkommen Feefa: Der Wahrheit-Insiderbericht aus einer Schweizer Klinik für infantinen Größenwahn.
Bild: Denis Metz
Von außen sieht das Mental-Sanatorium „Pro Bono Animis“ im schweizerischen Leukerbad, Kanton Wallis, so unscheinbar aus wie ein durchschnittliches helvetisches Fünf-Sterne-Haus: Hohe Maybach-Dichte auf dem Parkplatz, Angestellte in roten Livrees, vierschrötige Leibwächter in Bataillonstärke und die Karte des Bistros ruft auch für „Kleine Speisen“ dreistellige Franken-Beträge auf. Nur die Nähe von Daubenhorn und Daubensee weisen den Sprachkundigen darauf hin, dass der Ort ganz spezielle VIPs beherbergt. „Taub“ und „doof“ haben bekanntlich denselben Ursprung.
Einem Whistleblower verdanken wir den Hinweis, dass sich aktuell auch ein führendes Mitglied der Fifa im „Pro Bono“ aufhält. Und wir haben uns den Fachkräftemangel des Hauses zunutze gemacht und als Hilfspfleger angeheuert. Dass Diskretion hier laut Homepage „gross“ geschrieben wird, hat sich zum Glück nicht bis in den Pausenraum des Personals herumgesprochen. „Der Don Gianni“, lacht der erfahrene Kollege Beat, „der ist ja öfter hier als draußen.“ Beat wie Beate, wohlgemerkt, nicht wie McCartney. Die Schweiz eben.
Also ist der König des Fußballs nicht zum ersten Mal hier? „Ach was! Wir sind hier schon so was wie das inoffizielle Fifa-Hauptquartier. Wobei wir seit 2018 intern nur noch Feefa schreiben.“ Beat freut sich sichtlich, als ich fragend schaue – er erzählt offenbar gern Dönekes. Ich erfahre, dass ein früherer Aufenthalt des Don im „Pro Bono“ mit dem wahnhaften Erfinden von Lizenzgebühren – englisch Fees – zusammenhing. „Wir hätten ihn damals am liebsten zu den Kollegen in Saas-Fee verlegt“, grinst der bekennende Kalauerfreund.
Jedenfalls wollte der Don, wie ihn hier alle halb spöttisch, halb ehrfürchtig nennen, damals Lizenzen für alles Mögliche einführen. Unter anderem sollte jeder zahlen, der ein Liedchen pfeift – Pfiffe seien Fifa-Eigentum. Und auch das Überqueren von Bällen über die Torlinie sollte weltweit mit einem Fifa-Zoll belegt werden – egal ob per Fuß oder per Kopf. Nach diesem akuten Schub half wohl nur ein künstliches Koma.
In der Straße von Hormus kassiert der Iran von jedem Tanker 100 Millionen Dollar, und 20 Millionen gehen an die Trumps.
Beat, Infantinos Pfleger
„Bei einer Idee wissen wir nicht mal, ob das Wahn oder Wirklichkeit war“, erinnert sich Beat. „Er sagte, 20 Prozent der Lizenzeinnahmen gingen direkt an die Familie Trump. Die würde ihm schließlich bei der Durchsetzung helfen. Jetzt prophezeit er übrigens, dass das Problem mit der Straße von Hormus letztlich mit Hilfe seiner Idee gelöst werde: Iran kassiert von jedem Tanker einen Zoll von 100 Millionen Dollar – und 20 Millionen gehen an die Sopran … äh, Trumps.“ Beat zuckt die Achseln, während er kleine Kaviarhäufchen auf die Schalen mit dem Birchermüesli setzt. „Das werden wir alle an der Heizkostenabrechnung merken.“
Aber zurück zum Thema Nummer eins: Seit wann ist der Boss denn diesmal hier? „Warte. War das vor der Trump-WM? Da waren ja eh alle Doubles im Einsatz. Nee, er kam wohl erst kurz danach.“ Und kennt man den Auslöser? „Hmm. Das Verhökern der Vermarktungsrechte an den WMs war es nicht. Da hielt ihn zumindest sein engerer Zirkel in der Fifa noch für zurechnungsfähig. Ich glaube, es war diesmal die Idee mit dem Finalsplit.“ Welche Idee bitte? „Ach ja, das kam dann ja gar nicht mehr an die Öffentlichkeit …“.
Nach Ansicht vieler Fachleute beginnt die eigentliche Fußball-WM erst mit dem Viertelfinale. Es gibt also sieben besonders kostbare Spiele. Damit möglichst viele Länder und Kontinentalverbände in den Genuss dieser Highlights kommen, wollte Don Gianni jeweils zur Halbzeit das Stadion wechseln lassen. Also zum Beispiel die erste Hälfte in Melbourne, die zweite Halbzeit in Montevideo spielen lassen. Er hat die Machbarkeit wohl durch 100 von der Fifa bezahlte Flüge persönlich getestet.
Dann kam er mit einer weiteren Lizenzidee. Diesmal war es die HBF. Die was? „Die ‚Hydration Break Fee‘. Wann immer jemand eine körperliche Aktivität unterbricht und etwas trinkt, soll die Feefa mitkassieren. Ein Cent pro Schluck – aber das läppert sich natürlich. Soll übrigens nicht nur für Sportler und Bauarbeiter gelten, sondern auch für Haus- und Wildtiere.“
Da stellt sich die Frage aller Fragen: „Kriegen wir ihn auch mal zu sehen?“ Beat schaut zum ersten Mal ein wenig misstrauisch und schüttelt dann den Kopf. „Promigeil, oder? Solche hatten wir schon oft hier. Aber seit er im Freizeitraum auf die Leute am Tischkicker losgegangen ist und rote Karten verteilt hat, ist seine Suite mal wieder geschlossene Abteilung. Und außerdem …“ – Beat senkt die Stimme und schaut sich verschwörerisch um – „… ist der DON gerade in wichtigen Verhandlungen. Weltfrieden!“
Neu in der Fifa sind auch Basken- und Sauerland
Das leichte Flackern in seinen Augen lässt erstmals zweifeln, ob Beat hier wirklich arbeitet. Aber es klingt schon überzeugend: Mit den neuen Fifa-Mitgliedern Baskenland, Salzburger Land und Sauerland arbeitet Don Gianni an einem globalen Friedensplan zur Beendigung aller Kriege – mithilfe der Fifa-Regeln: Die Abseitsregel verhindert Angriffe hinter der Front. Die Zehn-Sekunden-Regel sorgt für das schnellere Wiederaufstehen Verwundeter. Und auch Gefallene müssen in zehn Sekunden vom Schlachtfeld getragen werden, sonst muss der Nachschub eine Minute warten. Vor allem aber kann die VAR-Drohne jederzeit eingreifen und Angriffe unterbinden.
Ist der aufziehende Nebel aus den Bergen oder doch eher im Kopf? Oder ist das schon der Geist des Don selbst? Da ertönt über die Kliniklautsprecher ein gellender Pfiff. Die Magie des Moments ist wie weggeblasen. Beat steht seufzend auf und greift nach seinem Wasserglas. „Hydration Break. Jeder!“ Und er angelt genervt nach seinem Portemonnaie.
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