Autobahnausbau künftig mit Geld von privaten Investoren?
Debatte im Bundestag zur Finanzierung der Infrastrukturgesellschaft für Autobahnen
06.11.2026 | 40:50 minOb Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) beim Investitionsgipfel vor zwei Wochen auch über Autobahnen gesprochen hat, ist nicht bekannt. Die Gespräche mit Vertretern aus der Finanzwelt fanden hinter verschlossenen Türen statt. Bekannt ist allerdings, dass einige der größten Investment-Unternehmen der Welt derzeit ihr Geschäft mit öffentlichen Infrastrukturprojekten ausbauen.
Und geht es nach der Bundesregierung, könnte demnächst auch die bundeseigene Autobahn GmbH dabei eine Rolle spielen. Sie soll sich künftig am Kapitalmarkt Geld leihen dürfen. Über einen entsprechenden Gesetzesentwurf wurde heute im Bundestag diskutiert. Doch die Kritik an dem Vorhaben wächst.
Bau und Sanierung von Autobahnen finanziert von privaten Investoren
Konkret sieht der Gesetzesentwurf ein Drei-Säulen-Modell für die Finanzierung der Autobahn GmbH vor, die seit 2021 für Bau, Erhalt und Betrieb der Fernstraßen verantwortlich ist. Neben öffentlichen Haushaltsmitteln und Einnahmen aus der LKW-Maut soll künftig auch privates Kapital unmittelbar zur Verfügung stehen.
Auf den neuen Verkehrsminister Steffen Bilger warten große Baustellen, etwa das marode Schienennetz und kaputte Autobahnen. Die Finanzierung dafür ist noch nicht gesichert.
29.07.2026 | 1:38 minDie Autobahn GmbH soll dafür "begrenzt kreditfähig" werden. Heißt, sie soll künftig eigenmächtig Kredite aufnehmen können. Gedeckt werden die Kredite durch Einnahmen aus der LKW-Maut, die dafür ab 2028 direkt an die Autobahn GmbH fließen sollen. Ein "zunehmender Sanierungsbedarf" soll damit laut Gesetzesentwurf bewältigt werden.
Bundesrechnungshof warnt vor langfristigen finanziellen Folgen
Aus Sicht von Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) werde damit die Planungssicherheit für Bauprojekte erhöht. Das beschleunige die Modernisierung und senke Kosten, so Bilger.
Wer Infrastruktur für Jahrzehnte baut, darf nicht nur bis zum nächsten Haushalt denken.
Steffen Bilger (CDU), Bundesverkehrsminister
Doch dem Argument widerspricht selbst der Bundesrechnungshof. Er rät von privatem Kapital für Autobahnen ab. In einer Stellungnahme der Bundesbeauftragten für Wirtschaftlichkeit wird davor gewarnt, dass langfristig Tilgungs- und Zinszahlungen den finanziellen Spielraum der Autobahn GmbH sogar noch einengen könnten. Zudem sei es günstiger, wenn der Bund sich am Kapitalmarkt Geld leihe und es über Haushaltsmittel verteile.
Nimmt die Autobahn GmbH Fremdkapital auf, liegen die von ihr an Dritte zu zahlenden Zinsen über denen des Bundes.
Bericht der Bundesbeauftragten für Wirtschaftlichkeit in der Verwaltung
Die Bundesbeauftragte warnt zudem vor einer Umgehung der Schuldenbremse. Die Autobahn GmbH sei als selbstständige juristische Person nicht von den strengen Regeln für den Bundeshaushalt umfasst. Das heißt, sie könnte dann private Kredite aufnehmen, die dort nicht als Schulden auftauchen.
Harsche Kritik von Grünen, Linken und AfD
Als weiteren "Schattenhaushalt" bezeichnete AfD-Politiker Stefan Henze die Pläne in der Bundestagsdebatte. Am Ende würde der Steuerzahler haften. Auch Grünen-Abgeordnete Paula Piechotta warnte eindringlich vor Schritten in Richtung Privatisierung öffentlicher Güter. Und aus Sicht von Linken-Politiker Jorrit Bosch seien private Geldgeber keine großzügigen Samariter.
Nur eines wird am Ende sicher sein: Die Rendite der Investoren.
Jorrit Bosch, Bundestagsabgeordneter (Die Linke)
Das Vorhaben soll nun weiter in Ausschüssen des Bundestags beraten werden. Viel Zeit bleibt allerdings nicht, denn nach den Plänen der Bundesregierung soll die Autobahn GmbH bereits 2027 Kredite aufnehmen dürfen.
Über dieses Thema berichtete Phoenix am 06.11.2026 ab 12:40 Uhr.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.