Aktien, Anleihen, Gold: Wohin mit 25.000 Euro im Oktober?

Ein Gastbeitrag von Marco Kretschmann

Trotz erheblicher Belastungen haben sich die internationalen Aktienmärkte 2026 bemerkenswert widerstandsfähig gezeigt. Marco Kretschmann hält bis zum Jahresende sowohl weitere Kursgewinne als auch zwischenzeitliche Korrekturen für möglich.
Derzeit profitieren vor allem US-Aktien von robusten Gewinnerwartungen und der Stärke großer Technologiekonzerne. Vor diesem Hintergrund ist bis zum Jahresende an der Wall Street eine Jahresendrally durchaus möglich. Allerdings sind die Bewertungen bereits sehr hoch. Dadurch wächst die Gefahr, dass schon kleinere Enttäuschungen zu deutlichen Korrekturen führen.
Der Nahe Osten bleibt ein zentraler Unsicherheitsfaktor. Eine nachhaltige Entspannung des Konflikts ist derzeit nicht absehbar. Risiken für die Energieversorgung können die Öl- und Gaspreise in die Höhe treiben und den Inflationsdruck verstärken. Das belastet Unternehmen und Verbraucher und begrenzt den Spielraum der Notenbanken für Zinssenkungen, da die Inflation weiterhin zu hoch ist. Gerade Europa reagiert empfindlich auf höhere Energiekosten. Eine Entspannung in der Golfregion wäre ein positiver Impuls für die Börsen, sollte jedoch nicht zur Grundlage von Anlageentscheidungen werden.
Mindestens ebenso entscheidend ist der weltweite Investitionsboom im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Technologiekonzerne investieren enorme Summen in Rechenzentren, Halbleiter und Energieinfrastruktur. Die Aufträge stützen bereits heute die Umsätze und Gewinne zahlreicher Zulieferer. Doch die entscheidende Frage lautet: Werden sich diese Ausgaben auf Dauer auszahlen?
Eine durch KI erzielte höhere Produktivität allein genügt nicht, wenn steigende Abschreibungen, Stromkosten und ein intensiver Wettbewerb die Renditen der entsprechenden Unternehmen aufzehren. Wahrscheinlich haben die Kapitalmärkte einen erheblichen Teil künftiger KI-Erfolge bereits eingepreist. Bleibt der wirtschaftliche Nutzen hinter den Erwartungen zurück, drohen gerade hoch bewerteten Technologiewerten Rückschläge. Langfristig bietet KI große Chancen, doch kurzfristig müssen Investoren stärker zwischen nachweisbar profitablen Geschäftsmodellen und reinen Wachstumsversprechen unterscheiden.
Gefährliche Schuldenorgie in den USA
Ein strukturelles Risiko liegt zudem in den amerikanischen Staatsfinanzen. Die US-Staatsverschuldung bewegt sich inzwischen in der Größenordnung von 40 Billionen US-Dollar. Laut Finanzministerium belief sich die Neuverschuldung im Haushaltsjahr 2026, das Ende September endete, auf 6,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Hohe Haushaltsdefizite und wachsende Zinsausgaben erhöhen den Finanzierungsbedarf. Das kann die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen hochhalten, selbst wenn die Notenbank ihre Leitzinsen senkt. Höhere Kapitalmarktzinsen verteuern die Finanzierung von Unternehmen und setzen Aktienbewertungen unter Druck. Besonders betroffen sind Wachstumsunternehmen, deren erwartete Gewinne erst in ferner Zukunft erzielt werden. Zugleich werden Anleihen als Alternative zu Aktien attraktiver. Damit ist die Verschuldung längst auch ein Thema für die internationalen Aktienmärkte.
Die jetzt beginnende Berichtssaison dürfte der wichtigste kurzfristige Stimmungstest werden. Die Gewinnerwartungen für amerikanische Unternehmen sind hoch. Entscheidend ist dabei nicht nur, ob die Quartalszahlen die Prognosen erfüllen, sondern vor allem, welchen Ausblick die Vorstände für das Jahr 2027 geben werden.
Wie entwickeln sich Nachfrage und Margen? Können die großen Technologiekonzerne ihre Ausgaben für KI durch zusätzliche Umsätze und freie Cashflows rechtfertigen? Und wie stark belasten Energiepreise und Finanzierungskosten andere Branchen? Positive Überraschungen könnten eine breitere Aufwärtsbewegung auslösen. Enttäuschungen würden angesichts hoher Bewertungen voraussichtlich deutlich bestraft werden.
Vor diesem Hintergrund ist eine Jahresendrally durchaus möglich. Das vierte Quartal zählt historisch betrachtet häufig zu den freundlicheren Börsenphasen. Robuste Unternehmensgewinne, nachlassende Inflationssorgen und eine geringere politische Unsicherheit nach den US-Zwischenwahlen Anfang November könnten zusätzlichen Rückenwind liefern. Eine solche Entwicklung ist jedoch keineswegs garantiert. Neue geopolitische Eskalationen, steigende Anleiherenditen oder enttäuschende KI-Ergebnisse könnten die Stimmung rasch drehen.
Die 25.000-Euro-Frage
Insgesamt stimmt das aktuelle Umfeld für den Jahresausklang nur zum Teil optimistisch: Zwar sind weitere Kursgewinne möglich, es überwiegen jedoch die Risiken. Anleger, die beispielsweise 25.000 Euro investieren möchten, sollten deshalb eine ausgewogene Aktienallokation mit profitablen Qualitätsunternehmen, soliden Bilanzen und belastbaren Geschäftsmodellen einer einseitigen Wette auf die Technologie-Rally vorziehen. Denn dauerhaft tragen nicht Hoffnungen auf immer höhere Bewertungen die Kurse, sondern tatsächlich erwirtschaftete Gewinne.
Angesichts der bestehenden Risiken scheint eine Aktienquote von insgesamt 40 Prozent angemessen. Gold schützt als ultimativer Wertspeicher sowohl gegen steigende Staatsschulden als auch gegen Inflation. Auf das Edelmetall sollten rund zehn Prozent der liquiden Mittel entfallen. Die übrigen 50 Prozent können Anleger auf Anleihen mit attraktiven Zinsen und Barmittel aufteilen, um bei möglichen Korrekturen preiswerter nachkaufen zu können.
Abschließend sei angemerkt, dass hier keine Anlageberatung erfolgt.
Marco Kretschmann leitet den Standort des Multi Family Offices Qcoon-Invest in München. Dort betreut er hochvermögende Privatkunden und institutionelle Anleger wie Stiftungen, Kirchen und Universitäten. Zuvor arbeitete er für internationale Häuser.
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