Hier verschlang die Flut Häuser, Fahrzeuge und Menschen: Was macht die Grenzregion zwischen Nepal und Tibet so tödlich?
Hier verschlang die Flut Häuser, Fahrzeuge und Menschen
Was macht die Grenzregion zwischen Nepal und Tibet so tödlich?
Eine gewaltige Sturzflut hat am Mittwoch den Grenzübergang zwischen Nepal und Tibet zerstört. Fahrzeuge wurden weggespült, mindestens 1300 Menschen werden vermisst. Darum kommt es in der Grenzregion immer wieder zu Katastrophen.
Publiziert: vor 4 Minuten
Darum gehts
KI-generiert, redaktionell geprüft
- Eine Sturzflut zerstört am Mittwoch Grenzregion zwischen Nepal und Tibet vollständig
- Mindestens 1300 Menschen werden vermisst, hunderte Fahrzeuge und Gebäude weggespült
- Ursache: Flussbarriere durch Eis- und Gerölllawine brach 20 Kilometer flussaufwärts
Janine EnderliRedaktorin News
Kurz vor neun Uhr morgens donnert eine Wand aus Wasser, Eis und Geröll durch das enge Tal. Innerhalb von Sekunden erfasst die Sturzflut einen Grenzübergang zwischen Tibet und Nepal: Fliehende Menschen, ganze Reisebusse und ein riesiger Gebäudekomplex werden verschluckt. Dramatische Videos zeigen die gewaltige Flutwelle und das Ausmass der Zerstörung.
Auf nepalesischer Seite liegt der betroffene Siedlungs- und Zollkomplex Timure direkt am Bhote-Koshi-Fluss. Hier befinden sich Zollamt, Polizeiposten, Unterkünfte, ein kleiner Markt sowie Abstellflächen für Lastwagen und Busse. Etwas flussaufwärts liegt der eigentliche Grenzposten Rasuwagadhi mit der Brücke nach Tibet. Auch auf der anderen Seite der Grenze forderte die Flut Opfer: In der tibetischen Grenzregion wurden mindestens drei Tote und über 550 Vermisste gemeldet.
«Es ist nichts mehr übrig»
Genau hier standen am Mittwochmorgen Dutzende Fahrzeuge. Touristen warteten auf ihre Weiterreise. Die Flutwelle traf den Bereich mit voller Wucht. Hunderte Fahrzeuge wurden weggespült, das Zollgebäude schwer beschädigt.
Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Insgesamt werden mindestens 1300 Menschen in Nepal und Tibet vermisst – viele dürften sich in der Grenzregion aufgehalten haben. Der Leiter eines Zollbüros in Timure entkam dem Tod nur knapp. Gegenüber nepalesischen Medien beschreibt er: «Es ist nichts mehr übrig. Alles wurde zerstört.»
Wie kam es zur Flut?
Die riesige Wassermenge könnte laut nepalesischen Behörden und Fachleuten auf einen massiven Eis- und Felsabbruch im Oberlauf ausgelöst. Dabei wurden gewaltige Mengen Wasser, Schlamm und Geröll in das Flusssystem gerissen und lösten die verheerende Flutwelle aus.
Rasuwagadhi ist eine wichtige Landverbindung zwischen Nepal und China. Seit dem Erdbeben 2015, das 9000 Tote forderte, wurde die Route strategisch ausgebaut: mehr Handel, mehr Transit, mehr Tourismus. Der gesamte Ort lebt vom Grenzverkehr – Spediteure, Händler, Trekking-Agenturen, Baufirmen von Wasserkraftprojekten.
Warum gerade hier?
Der Grenzübergang liegt jedoch an einer geländetechnisch sehr spezifischen Stelle. Der Bhote-Koshi-Fluss fliesst hier durch eine tiefe, V-förmige Schlucht mit sehr steilen Flanken. Wenn oben im Hochgebirge plötzlich viel Wasser oder Geröll in den Fluss gelangt, kanalisiert sich die Energie in diesem engen Tal extrem – die Zerstörungskraft steigt massiv.
Da die dortige Infrastruktur direkt in der Überschwemmungszone des Bote-Koshi und seines Zuflusses Lhende Khola liegt, ist sie für Schäden besonders exponiert. Bei plötzlichen Wassermassen gibt es kaum Ausweichraum.
Nicht das erste Mal
Am 8. Juli 2025 kam es im gleichen Flusssystem zu einer vergleichbaren Katastrophe. Ein Gletscher-See auf dem Pyurepu-Gletscher in Tibet entleerte sich in den Bhote-Koshi-Fluss. Die Freundschaftsbrücke wurde ebenfalls weggespült, mindestens neun Menschen starben, der Grenzverkehr brach für etwa sechs Monate zusammen. Anschliessend wurde die Brücke neu gebaut. Nur gut ein Jahr später hat eine zweite, deutlich schwerere Katastrophe die Region getroffen und die Brücke erneut zerstört.
Durch die wiederkehrenden Katastrophen stellen sich viele bereits die Frage: Soll an dieser Stelle weiter so gebaut werden?
Eine besondere Herausforderung liege zudem in der grenzüberschreitenden Kommunikation. Laut dem Hydrologen Sauhard Joshi funktionieren die Frühwarnungen nicht immer zuverlässig. Für plötzlich auftretende Ereignisse wie Eis- oder Gerölllawinen und den daraus entstehenden Flutwellen könne dies ein grosses Problem darstellen, da die verfügbare Vorwarnzeit sehr kurz ist.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.