Hannover mit Wagner am Tiefpunkt - und kein Ende in Sicht
Mit einem Sieg im Derby - noch dazu dem dann ersten unter Sandro Wagner - hätte Hannover 96 vieles gut machen können. Stattdessen setzte es in Braunschweig eine böse 0:2-Niederlage, die mal wieder viele Probleme bei den Niedersachen offenbarte.

Hängende Köpfe bei 96 nach der Derby-Niederlage in Braunschweig. picture alliance/dpa
Abstiegskampf? Leo Weinkauf wollte davon am Sonntag nach dem Abpfiff in Braunschweig nichts hören. "Ich habe vor dem Spiel schon gesagt, dass mich die Tabelle nicht interessiert. Das ist auch weiterhin der Fall", gab der Torwart mit leiser Stimme zu Protokoll. Wer trotzdem mal einen Blick auf das Ranking der 2. Liga wirft, der findet Hannover 96 auf Platz 16. Acht Punkte nach neun Saisonspielen entsprechen der Ausbeute von Darmstadt 98 - dem aktuellen Schlusslicht.
Noch schlimmer als die aktuelle Platzierung war indes die Leistung in den ersten 45 Minuten in Braunschweig. Als "nicht akzeptabel" bezeichnete 96-Kapitän Stefan Teitur Thordarson die mehr als dürftige Darbietung des Teams aus der Landeshauptstadt. Langsam, harmlos und ohne Struktur. Ausgerechnet im so wichtigen Niedersachsen-Derby zeigte 96 in der ersten Hälfte eine blutleere Vorstellung.
Wir hatten uns viel vorgenommen. Wir wollten eine andere Energie, hatten aber keine gute Struktur.
96-Trainer Sandro Wagner
"Wir hatten uns viel vorgenommen. Wir wollten eine andere Energie, hatten aber keine gute Struktur", bilanzierte 96-Coach Sandro Wagner, der von einer "großen Enttäuschung" sprach. In den zweiten 45 Minuten erreichte das Spiel der Gäste zumindest temporär durchschnittliches Zweitliga-Niveau. Mehr war es aber beim besten Willen nicht - und auch das war unterm Strich noch zu wenig gegen eine Braunschweiger Mannschaft, die nicht durchgehend glänzte, aber deutlich mehr Willen zeigte. "In der zweiten Hälfte haben wir ein anderes Gesicht gezeigt. Aber davon können wir uns auch nichts kaufen", meinte Wagner.
96-Geschäftsführer Jonas Boldt sprach nach der Niederlage von mangelndem Selbstbewusstsein als Grund für die anhaltende sportliche Misere. Die Mannschaft müsse lernen, Verantwortung zu übernehmen. "Es ist im Derby und in den vergangenen Wochen nicht zu erkennen, dass wir oben mitspielen wollten", sagte Boldt.
Wagner: "Ich glaube an die Jungs"
"Ich glaube an die Jungs" betonte indes Wagner. Was soll er auch anderes sagen? "Die Leichtigkeit fehlt, das habe ich vom ersten Tag an festgestellt." Fakt ist, dass die Leistungen nach dem Trainerwechsel von Christian Titz zu Wagner schlechter und nicht besser geworden sind. Die leichte Aufwärtstendenz zuletzt mit dem 1:1 im Heimspiel gegen den FC St. Pauli wurde in Braunschweig pulverisiert.
In den ersten drei Spielen unter Wagner holte 96 lediglich einen Punkt. Schlechter kann ein Start kaum verlaufen. Am Mittwoch im DFB-Pokal gegen den 1. FC Kaiserslautern soll alles besser werden. Das ist nicht weiter schwierig, aber ob es gegen formstarke Pfälzer reicht, darf stark bezweifelt werden. Wagner kündigte an, dass "wir unbedingt ins Gewinnen kommen wollen und uns für unsere Arbeit belohnen".
Erschwerend hinzu kommt, dass dem Trainer die Alternativen fehlen, um aus der Negativ-Leistung im Derby personellen Konsequenzen ziehen zu können. Auch im Spiel in Braunschweig brachten die Wechsel in der Halbzeitpause null Ertrag.
Und 96 fehlt weiterhin ein Torjäger. Acht Tore in neun Spielen sind mehr als dürftig. In Braunschweig kam 96 zu selten in aussichtsreiche Abschlusspositionen. Stürmer Benjamin Källman kann einem fast schon leidtun bei den Versuchen, gefährliche Situationen zu erarbeiten. Källman mag als Sinnbild für die Situation bei Hannover dienen: In dieser Saison wartet der beste Torjäger der Vorsaison (14 Treffer) immer noch auf ein Erfolgserlebnis. Und auch zum Finnen gibt es aktuell keine Alternative.
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