USA beschießen Ziele in Iran: Der nächste Irankrieg steht vor der Tür

Ob die USA diese Tür öffnen, dürfte sich nach den Midterm-Wahlen zeigen. Aufgerüstet wird massiv, jetzt wurde auch eine iranische Insel beschossen.
Foto: Amirhosein Khorgooi/Insa/AP/dpa
Es war der erste bestätigte US-Angriff in Iran seit Anfang September: Mehrere Geschosse wurden in der Nacht zum Dienstag auf die iranische Insel Keschm in der Straße von Hormus abgefeuert, die größte Insel im Persischen Golf. Getroffen wurde nach Angabe des US-Präsidenten Donald Trump eine Luftabwehreinrichtung. Den Angriff begründete das US-Militär mit einem vorangegangenen Angriff Irans auf ein US-Flugzeug.
Der Angriff kurz vor Beginn der Midterm-Wahlen in den USA am Dienstag ist laut Wall Street Journal nicht der erste dieser Art in den vergangenen Wochen. Bereits am Montag wurde von Explosionen auf Keschm berichtet; Ende Oktober von Explosionen in Teheran und im Norden des Landes. Ob es sich dabei um die nun berichteten kleineren US-Angriffe handelte, wurde allerdings nicht bestätigt.
Ist das nun also der erneute Ausbruch des Krieges zwischen den USA, Iran und potenziell auch Israel? Auch wenn formal eine Waffenruhe gilt – Frieden ist seit dem Ausbruch des Kriegs Ende Februar 2026 nicht mehr eingekehrt.
Das US-Militär blockiert die Ein- und Ausfahrt iranischer Schiffe in der Straße von Hormus seit Mitte Juli. Gleichzeitig haben immer mehr Schiffe aus anderen Anrainerstaaten des Persischen Golfs, den die Straße von Hormus mit den Weltmeeren verbindet, die Durchfahrt mit US-Unterstützung gewagt. Die International Maritime Organisation zählte im Oktober eine Rekordziffer von 31 Zwischenfällen; ein getroffenes Schiff sank.
Konzessionsbereit ist weder Teheran noch Washington
Aus diesem Grundrauschen könnte bald wieder ein heißer Krieg erwachsen. Indikatoren gibt es einige. So scheint der indirekte diplomatische Prozess zwischen den USA und Iran, mit Katar als Mediator, weiterhin an denselben Punkten zu stocken wie zuvor. Der Analyst Dennis Citrinowicz schreibt auf X: Weder Washington noch Teheran wollten eine erneute Kriegsrunde, doch keiner von beiden sei zu den nötigen Konzessionen bereit. Und damit wohl lieber bereit, die Risiken einer militärischen Konfrontation zu tragen.
Außerdem wirkt die Blockade der Straße von Hormus im Sinne Washingtons – je länger, desto besser. Da durch den Stopp des Ölhandels kaum mehr Devisen aus dem Ölexport an Iran fließen, entwertet die iranische Währung Rial immer weiter. Der Wechselkurs hat ein Allzeittief erreicht: 2,72 Millionen Rial kostet 1 US-Dollar. Im Dezember 2025 waren es etwa 1,5 Millionen pro US-Dollar.
Der zweite Indikator ist die anhaltende Verlagerung von US-amerikanischem Equipment und Truppen Richtung Iran. Wer sich heute auf dem Gelände des Flughafens Ben Gurion in Tel Aviv bewegt, sieht eine ganze Reihe von Betankungsflugzeugen aufgereiht. Auch aus Jordanien und Katar gibt es solche Berichte. Hinzu kommt die Marine: Rund 20 US-Kriegsschiffe befinden sich derzeit im Einsatzgebiet. Auch etwa 50.000 Soldatinnen und Soldaten der USA sind bereits in der Region stationiert.
Weitere Verstärkung ist auf dem Weg: Der Flugzeugträger „USS Theodore Roosevelt“ verließ Ende September die USA und soll Ende November nahe Iran eintreffen. Außerdem ist eine amphibische Einsatzgruppe mit über 2.000 Mann auf dem Weg, sie soll ebenfalls Ende November ankommen. Diese Gruppe könnte unter anderem auf Inseln landen. Der massive Aufbau erinnert an den Vorlauf des Irankriegs im Frühjahr.
Der dritte Indikator sind die beteiligten Politiker selbst: Washington hat Berichten zufolge bereits die Golfstaaten informiert, dass es nach den Midterms eine „Kampagne“ geben werde. Israels Noch-Premier Benjamin Netanjahu lobbyierte bereits vor der Wahl in Israel am 27. Oktober für einen erneuten Angriff der USA auf Iran. Nun, da seine bisherige Koalition keine Parlamentsmehrheit geholt hat, dürfte sein Interesse daran wachsen.
Ein erneuter heißer Krieg mit Iran steigert die Chancen für ein Kriegskabinett in Israel und die Bildung einer Einheitsregierung der größten Parteien – an der Bibi wohl wieder beteiligt wäre. Der Weg der Eskalation ist vorgezeichnet.
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