Nach schwerem Sturz: Küng setzt auch auf eine Puppe von sich

- Stefan Küng will an der Rad-WM endlich den grossen Sieg, der ihm trotz WM-Silber und Paris–Roubaix-Bronze noch fehlt.
- Zuvor stürzte der Schweizer im Februar schwer und musste operiert werden – sein Comeback gelang dennoch.
- Für die WM nimmt er sich vor, weniger zu kalkulieren und mehr zu riskieren – so wie beim Zeitfahren an der Vuelta 2024.
Alles war angerichtet für einen Neustart. Nach sieben Jahren bei Groupama-FDJ wechselte Stefan Küng zu Tudor Pro Cycling. Doch beim Omloop Het Nieuwsblad am 28. Februar 2026 stürzte der Schweizer schwer. Küng musste operiert werden und war sechs Wochen auf Krücken angewiesen.
Im Spital stellte sich der 32-Jährige kurz die grosse Frage: «Will ich das überhaupt noch?» Die Antwort kam schnell. Küng liebt den Radsport – nicht nur die Rennen und Erfolge, sondern auch das Training, die langen Stunden auf dem Velo und die Einsamkeit im Höhentrainingslager. Das schreibt «The Red Bulletin».
Alles für den grossen Sieg
Der Wechsel zum Schweizer Tudor-Team soll Küng helfen, noch einmal anzugreifen. Dort kann er auf Spezialisten für Aerodynamik, Ernährung, Material und Kleidung zählen. Im Windkanal arbeitet das Team sogar mit einer massgenauen Puppe des Schweizers weiter, wenn dieser selbst unterwegs ist.

Küng zählt seit Jahren zur Weltspitze. Er war Europameister und WM-Zweiter im Zeitfahren sowie Dritter bei Paris–Roubaix. Der ganz grosse Triumph fehlt ihm aber noch. Seine Sicht darauf ist nüchtern: «Neun von zehn Mal sind die besser als ich.» Gemeint sind Ausnahmekönner wie Remco Evenepoel, Mathieu van der Poel oder Tadej Pogačar. «Aber beim zehnten Mal – da will ich zuschlagen.»
Mehr Risiko für den grossen Wurf
Genau dafür will Küng künftig mehr Risiko eingehen. Er bezeichnet sich selbst als zu rational und zu berechnend. Bei der WM 2022 in Wollongong habe er nach einer starken Zwischenzeit zu viel nachgedacht und sich zurückgehalten. Bei der Vuelta 2024 machte er es anders, ging «all-in» – und gewann das abschliessende Zeitfahren.
Nach seinem Comeback bei den Schweizer Meisterschaften und einem Höhentrainingslager in Tignes richtet Küng den Blick nun wieder nach vorne. Sein Ziel bleibt dasselbe: bereit sein, wenn der «zehnte Tag» kommt.
Den ganzen Artikel gibt’s in der neuesten Ausgabe von «The Red Bulletin».
Sven Forster (fss) arbeitet seit 2018 für 20 Minuten. Er ist seit Anfang 2024 als Blattmacher im Einsatz. Dazu leitet er seit September 2024 das Sportressort.
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