Industrie-Architektur – Kann eine Kehrichtverbrennungsanlage schön sein?

Ein grosser Bau, 130 auf 110 Meter, mit einer Höhe von 60 Metern: Das ist die neue Kehrichtverbrennungsanlage Kenvova AG in Zuchwil SO – mit der momentan grössten Fassadensolaranlage der Schweiz.
Auf den ersten Blick ist erkennbar: Hier hat sich jemand Gedanken zur Architektur gemacht. Waren KVAs lange Zeit reine Zweckbauten, wird unterdessen auch auf die Gestaltung geachtet. «Bei dieser Anlage war klar, dass sie sichtbar sein wird. Deshalb musste sie auch den architektonischen Ansprüchen genügen», sagt Kenova-Chef Friedrich Studer.
Seit Sommer 2026 verbrennt die Kenova den Abfall einer halben Million Menschen. 176 Gemeinden aus den Kantonen Solothurn und Bern gehören zum Einzugsgebiet. Die bisherige Anlage wird aktuell abgebrochen.
Meinungen sind geteilt
Trotz architektonischen Ansprüchen: Die Gestaltung der Kenova spaltet die Gemüter. Kaum jemand in der Region Solothurn, der oder die keine Meinung dazu hat.
Kenova, Zuchwil SO
Anfang Bildergalerie
-
Bild 1 von 5. Auf zwei Seiten sind Solarpanels montiert. Sie bilden die aktuell grösste Fassadensolaranlage der Schweiz. Bildquelle: Kanton Solothurn/Bruno Augsburger.
-
Bild 2 von 5. 80 Meter ragt der Kamin in die Höhe. Ganz oben befindet sich das «Belvedere»: ein verglaster Aussichtsraum. Bildquelle: SRF.
-
Bild 3 von 5. Im Betonsockel der KVA sind unter anderem Büros untergebracht. Bildquelle: KEYSTONE/Gaetan Bally.
-
Bild 4 von 5. Über dem Eingangsbereich befinden sich die riesigen Ventilatoren der Kondensatoren, in denen der Dampf aus den Turbinen zu Wasser kondensiert. Bildquelle: KEYSTONE/Gaetan Bally.
-
Bild 5 von 5. Die neue KVA wurde vor die bestehende gebaut. Die alte Anlage mit den rot-weissen Kaminen wird nun abgerissen. Bildquelle: SRF.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
Es gibt positive Reaktionen: «Im Vergleich mit anderen Industriegebäuden ästhetisch und modern.» Oder: «Sie sieht genial aus – wie ein Kunstbau, nicht wie eine Abfallverbrennung.» Auch neutrale Reaktionen: «Die alte war nicht schöner.» Und negative: «Die alte war besser. Die neue verbrennt nicht schneller oder besser – und bezahlen müssen wir sie auch. Das ist ein furchtbarer Block.»
In der Architektur- und Bauwelt wird die Gestaltung der Anlage gelobt. Die Plattform «Espazium» widmet der Kenova eine Sonderausgabe und nennt sie «einen stolzen Fremdling» und «ein Monument».
Renergia, Perlen LU
Anfang Bildergalerie
-
Bild 1 von 4. Das Gebäude der Renergia in Perlen sei vorbildlich in seiner Gestaltung, findet die Architekturbibliothek der Hochschule Luzern. Es zeichne die hügelige Landschaft nach. Bildquelle: Renergia.
-
Bild 2 von 4. Die Anlage befindet sich zwischen Reusskanal und Landwirtschaftsfläche. Rund um die KVA wurden ökologische Ausgleichsmassnahmen geschaffen. Bildquelle: Renergia.
-
Bild 3 von 4. Die Stirnseite des Gebäudes soll an einen Motorblock erinnern. Bildquelle: Renergia.
-
Bild 4 von 4. Als Inspiration für die Form diente den Architekten eine Zeichnung aus «Der kleine Prinz»: eine Schlange, die einen Elefanten gefressen hat und nun verdaut. Bildquelle: Renergia.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
In der Architekturzeitschrift «Hochparterre» wird sie als «monumentale Energiekathedrale» bezeichnet – mit dem Kamin, der mit 80 Metern höher in den Himmel ragt als der Turm der nicht weit entfernten St. Ursen-Kathedrale in Solothurn.
Ist die Anlage «schön»?
Er sehe die Anlage eher als «Landmark» denn als Monument, meint der verantwortliche Architekt Christian Penzel – also als Wahrzeichen oder Orientierungspunkt. Es gehe um die logische Anordnung der Räume im Bau: die Administration im Sockel, darüber die Maschinen.
Energiezentrale Forsthaus, Bern
Anfang Bildergalerie
-
Bild 1 von 3. Die «Energiezentrale» von Energie Wasser Bern wurde 2013 in Betrieb genommen. Ihr Aussehen erinnere an ein Containerschiff im Hafen, findet einer der Architekten. Bildquelle: Energie Wasser Bern.
-
Bild 2 von 3. Aussen grau, innen farbenfroh und transparent: Die Gänge sind in leuchtenden Farben gehalten, mit grossen Fensterfronten. Bildquelle: SRF.
-
Bild 3 von 3. Die Anlage zwischen Autobahneinfahrt und -ausfahrt verwertet Abfall zu Strom und Fernwärme. Bildquelle: SRF.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
Die Kenova sei in dem Sinne schön, als dass man die Abläufe verstehen könne, sagt Architekt Penzel vom Büro Penzel Valier. «Sie weisen eine gewisse Ordnung und Ruhe auf.» Dazu komme die gut proportionierte Wirkung in der Landschaft.
Die Betreiber bezeichnen die Kenova in Zuchwil als Kehrichtverwertungsanlage. Sie erzeugt aus der Abfallverbrennung Fernwärme und Strom. Auch die Energie der Photovoltaikanlage wird ins Netz eingespeist.
ACR, Giubiasco TI
Anfang Bildergalerie
-
Bild 1 von 2. Die Fassade der kantonalen KVA in Giubiasco (ACR, Azienda cantonale dei rifiuti) besteht aus pyramidenförmigen Metallelementen. Die Anlage wurde 2010 eröffnet. Bildquelle: KEYSTONE/Karl Mathis.
-
Bild 2 von 2. Die KVA liegt direkt an der Autobahn A2. Alle vier Gebäudeseiten sind mit den insgesamt über 400 Pyramiden verkleidet. Bildquelle: KEYSTONE/Karl Mathis.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
Knapp 600 Millionen Franken kostete die neue KVA. Darin eingerechnet sind die Kosten für die Gestaltung. «Eine Anlage, die einen solchen architektonischen Anspruch hat, wird ein gewisses Preisschild haben. Das ist aber bei weitem nicht so hoch, wie man es sich vorstellt», meint Kenova-Chef Friedrich Studer. Die Anforderungen an die Anlage seien bereits so hoch, dass diese Kosten nicht mehr ins Gewicht falle.
29 Kehrichtverbrennungsanlagen gibt es in der Schweiz. Die meisten wurden in den 1960er- und 1970er-Jahren gebaut und erreichen nächstens ihr Lebensende. Neue KVA werden tendenziell grösser – durch die geforderten Einrichtungen und Energieproduktionsanlagen. Die grossen Gebäude lassen sich nicht mehr verstecken. Wenn die Investition sowieso getätigt werde, biete sich eine ansprechende Gestaltung an, findet Kenova-Architekt Christian Penzel.
Regionaljournal Aargau Solothurn, 8.10.2026, 17:30 Uhr ; vonb;mosa;swam;noes
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.