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Friday, September 11, 2026

Mit dem Zug durch Europa: 6.000 Kilometer Schiene

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Deutsch-Brite Jon Worth will die längste Zugstrecke Europas fahren. Auf der Route von Finnland nach Portugal kommt er auch in Deutschland vorbei.

Fünf Tage, vier Nächte, zwei davon in Nachtzügen, die anderen in Hotels. So lautet der Reiseplan von Jon Worth, der britisch-deutscher Staatsbürger ist und in Frankreich lebt. Seit Montagabend befindet der 46-Jährige sich auf einer besonderen Reise, die ihn durch sieben Länder von Kemijärvi im Norden Finnlands nach Lagos im Süden Portugals führt. Zehn verschiedene Zuganbieter. 18 Mal Umsteigen. Mit seinem Abenteuer will er einen neuen Rekord aufstellen: die längste Zugfahrt quer durch Europa. Über 6.000 Kilometer Schiene, 4.000 Kilometer Luftlinie.

Ermöglicht wurde das Unterfangen erst durch die Neueröffnung der Grenzbrücke zwischen Tornio in Finnland und Haparanda in Schweden. Im August 2026 wurde die Strecke, die seit 1988 nicht mehr passierbar war, wieder für den Eisenbahnverkehr freigegeben. Worth macht seit Jahren mit ähnlichen Aktionen auf sich und das europäische Schienennetz aufmerksam. Im Sinne des Klimaschutzes war er selbst viel mit der Bahn unterwegs, bemerkte so, wo es haperte. Mit den Jahren entwickelte er fürs Thema Bahn eine Expertise.

Den sorgfältig erstellten Zeitplan, den Worth auf seiner Webseite veröffentlicht hat, musste er bereits am ersten Reisetag verwerfen. Im schwedischen Boden ist die Oberleitung gerissen, und Worth saß in Haparanda fest, kurz nachdem er die neue Grenzbrücke passiert hatte. 24 Stunden musste er dort auf den nächsten Zug warten. „Die ganze Infrastruktur im Norden Schwedens ist sehr alt, viele Strecken fahren nur eingleisig“, sagt er. Auf den Bus umsteigen, ist für ihn keine Option.

Als Worth am Telefon von seinen bisherigen Erlebnissen erzählt, sitzt er gerade wieder fest: diesmal an der dänisch-deutschen Grenze. Er spricht gehetzt mit britischem Akzent. „Das deutsche Zugpersonal und der Lokführer der Deutschen Bahn sind nicht da“, sagt er. Ob er seinen geplanten Anschlusszug in Hamburg bekommt, ist jetzt ungewiss. Trotz Wartezeit lässt er sich an dieser Stelle nicht zu einer Tirade über die Deutsche Bahn hinreißen. In Deutschland gebe es zwar viele Verspätungen, doch das könne durch das dichte Bahnnetz teilweise ausgeglichen werden. „Deutschland hat wirklich eines der besten Bahnsysteme in Europa“, meint Worth. Trotz aller Probleme.

Kein Schienenersatzverkehr

Guiness World Records habe er angefragt, aber nie eine Antwort erhalten. Die Regeln für seinen Rekordversuch beschließt er also selbst. Kein Schienenersatzverkehr. Bevor Worth noch weitere selbstauferlegte Regeln aufzählen kann, unterbricht er sich. „Das Personal ist da, es geht jetzt los, ich rufe später zurück!“ Schon tutet es in der Leitung.

In Worths Enthusiasmus spiegelt sich die eigentliche Motivation für seine Reise wider: „Ich wollte beweisen, wie schön Bahnfahren sein kann.“ Dann muss er lachen: „Bisher habe ich nicht so viele Beweise dafür.“ Aber auch auf die Schwierigkeiten wolle er hinweisen. „So eine Reise zu planen …“, die Verbindung bricht ab. „… Probleme mit dem europäischen Bahnsystem“, spricht Worth weiter. Probleme gibt es laut ihm mit den Fahrplänen, mit der Buchung, mit der Fahrplankoordination in Grenzregionen. Das Gespräch bricht wieder ab. Stattdessen kommt eine SMS von Worth: „Handynetze in Deutschland schlechter als die Züge!“ Dazu ein wütendes Emoticon mit hochrotem Gesicht.

Im Mai hatte die Europäische Kommission einen ersten Versuch unternommen, das Bahnfahren über innereuropäische Grenzen hinweg einfacher zu machen. Mit nur einem Ticket sollen gleichzeitig Fahrten bei mehreren Anbietern aus unterschiedlichen Ländern gebucht werden können. Das würde eine Reise mit dem Zug ins Ausland deutlich vereinfachen. „Der Kern der Idee der Europäischen Kommission ist gut“, sagt Worth. Sie greife ihm aber noch zu kurz: „Generell brauchen wir einen neuen Rechtsrahmen, nicht nur zur Buchung, sondern zu Fahrplandaten und Echtzeitdaten.“

Nur acht Minuten Verspätung

In Hamburg kommt sein Zug dann doch mit nur 8 Minuten Verspätung statt der erwarteten 20 an. Im sich anschließenden ICE Richtung Mannheim ist er vorsichtig optimistisch gestimmt: „Es kann tatsächlich sein, dass ich heute Abend Genf erreiche“, sagt er.

Die Planung empfindet Worth als größte Herausforderung bei seinem Unterfangen. „Man muss im Voraus überlegen, wo könnte etwas schiefgehen, und dann genügend Puffer an den Umsteigebahnhöfen einplanen.“ Sehr knappe Umsteigezeiten gelte es natürlich zu vermeiden. Das sei auch der Grund, warum er am Donnerstag möglichst weit fahren will. „Ich will unbedingt am Samstag eine Umsteigezeit von drei Minuten an der spanisch-portugiesischen Grenze vermeiden“, sagt Worth. Das könnte sonst knapp werden.

In Portugal angekommen, wird es für Worth leider erst mal keinen Urlaub geben. Im Anschluss an die längste Bahnfahrt Europas geht es für ihn nach Andorra zu einer weiteren Bahnstrecke, die seiner Aufmerksamkeit bedarf. Worth hofft, dass er am Samstagabend in Lagos ankommt.

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