Kommentar zu den Midterms: Hoffentlich vermasseln sie es nicht
Kommentar
Wahlsieg der US-Demokraten Hoffentlich vermasseln sie es nicht
Stand: 04.11.2026 • 17:50 Uhr
Das Rezept der Republikaner, ganz auf US-Präsident Trump und viel Geld zu setzen, ist nicht aufgegangen. Den Demokraten gelang es, Zuversicht zu vermitteln. Diese Chance müssen sie jetzt aber auch nutzen.
Viel Trump, viel Geld, wenig Inhalt: Mit diesem Rezept hatten sich die Republikaner aufgemacht, bei diesen Zwischenwahlen das Schlimmste zu verhindern, und sie sind maximal gescheitert.
Denn selbst mehr als 400 Millionen US-Dollar Wahlkampfhilfe allein von Elon Musk nützen nichts, wenn man keine guten Kandidaten hat. Hauptsache, sie gefallen Donald Trump - das war die Devise bei der Auswahl ihrer Gesichter. Der Präsident lobte dann im Wahlkampf auch meistens deren Äußerliches und seine Politik. Darüber hinaus gab es wenig Gründe für Republikaner, diesmal zur Wahl zu gehen.
Trump-Marionetten hatten nichts zu melden
Die Demokraten haben das cleverer angestellt und Bandbreite an den Start gebracht: Den schnodderigen Gewerkschaftler für den Bundesstaat Maine. Die wetterfeste Schusswaffen-Sammlerin für Alaska. Den Methodisten-Prediger in Kansas, die Kinderpsychologin mit indianischen Wurzeln für Minnesota. Den linken muslimischen Arzt für Michigan und in Texas einen fromm frisierten jungen Lehrer, den viele hier schon für das größte Talent seit Kennedy halten. Ambitioniert, schlagfertig, volksnah und politisch flexibel - gegen den versammelten Vibe dieser Demokraten hatten die austauschbaren Trump-Marionetten nichts zu melden.
Keiner der nun erfolgreichen Demokraten wird eigenständig die Kriege im Nahen Osten oder der Ukraine beenden. Keiner von ihnen kann allein den Benzinpreis absenken, die Löhne anheben oder die kaputte Krankenversicherung endlich reparieren.
Ein Funken Hoffnung in die Volksvertreter
Aber sie konnten Zuversicht vermitteln, dass es mit ihnen in Washington besser laufen würde als ohne sie. Und das ist eine gute Nachricht für alle, die der Demokratie noch zutrauen, dass sie nicht allein von Geld und guten Beziehungen gelenkt wird, sondern Glaubwürdigkeit und Konzepte auch noch eine Rolle spielen.
Wenn die Demokraten es klug anstellen, können sie wenigstens ein paar davon mit Trump verhandeln, bevor am Horizont der nächste Shutdown droht. Weil sich Parlament und Präsident gegenseitig blockieren oder sich die Demokraten im Flügelkampf um die nächste Präsidentschaftskandidatur selbst zerfetzen.
Millionen US-Amerikaner haben gestern wieder einen Funken Hoffnung in ihre Volksvertreter gesetzt. Hoffentlich vermasseln sie es nicht.
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