20 Fälle in der Schweiz – das steckt hinter «764»: Sadistische Internetgruppen treiben Jugendliche zu Suizid
20 Fälle in der Schweiz – das steckt hinter «764»
Sadistische Internetgruppen treiben Jugendliche zu Suizid
Sadistische Online-Netzwerke treiben Jugendliche zu Selbstverletzung und Suizid. Schweizer Behörden ermitteln in 20 Fällen, doch komplizierte Datenlagen und fehlende gesetzliche Grundlagen für Cybergrooming erschweren die Strafverfolgung.
Publiziert: vor 15 Minuten
Darum gehts
KI-generiert, redaktionell geprüft
- Online-Sadismus nimmt in der Schweiz zu, 20 Ermittlungen gegen Netzwerke wie «764»
- Täter manipulieren vulnerable Jugendliche, zwingen sie zu Selbstverletzungen
- 21-jähriger «White Tiger» mit über 200 Straftaten, 80'000 Bilder sichergestellt
Sandra MarschnerRedaktorin News-Desk
Ihr Revier: Social Media. Ihre Opfer: psychisch labile Jugendliche. Ihre Masche: abgrundtief sadistisch. 20 Ermittlungen laufen derzeit gegen Netzwerke wie «764» und «1414», wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Die Bundespolizei (Fedpol) stuft diese Tätergruppen als «nihilistischen Gewaltextremismus» ein.
Die Mitglieder dieser Gruppen suchen in den sozialen Medien gezielt nach besonders verletzlichen Jugendlichen, die etwa in Beiträgen über ihre psychischen Probleme reden. Dann locken sie diese mit Komplimenten und Zuwendung. Haben sie das Vertrauen ihrer Opfer gewonnen, nutzen sie deren Abhängigkeit und drängen sie zu Selbstverletzungen und in extremen Fällen sogar in den Suizid. Besonders junge Mädchen geraten in das Visier der häufig ebenfalls minderjährigen Täter.
Cybergrooming ist in der Schweiz kein eigener Straftatbestand
«Gewalt ist hier nicht nur das Mittel, sondern das eigentliche Ziel», sagt Beate Buschmann von Fedpol zum «Tages-Anzeiger». Die Täter fordern von ihren Opfern Fotos oder Videos der Selbstverletzungen. Je extremer die Gewalt, desto höher steigen die Gruppenmitglieder in ihren internen Rangsystemen auf. Ein 16-jähriger Schweizer, der im Netzwerk «764» aktiv war, zwang Mädchen in mehreren Ländern etwa zu Selbstverletzungen und besass kinderpornografisches Material.
Die Ermittlungen sind jedoch schwierig. Täter, Opfer und Plattformen sind oft auf verschiedene Länder verteilt. Meist geraten die Fälle erst durch Hinweise von Europol, dem FBI oder dem US-amerikanischen National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) in den Blick der Ermittler. Zudem fehlt in der Schweiz ein eigener Straftatbestand für Cybergrooming. Eine Gesetzesänderung, die dies ändern soll, ist noch in der Vernehmlassung.
Fall «White Tiger» offenbart die Abgründe des Cybergroomings
International sorgte der Fall «White Tiger» zuletzt für Schlagzeilen. Dahinter steckt der mittlerweile 21-jährige Deutsch-Iraner Shahriar J., online bekannt als «White Tiger». Er gilt als einer der führenden Köpfe der Sadistengruppe «764». Ihm werden über 200 Straftaten vorgeworfen, darunter Mord, versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung, schwerer sexueller Missbrauch von Kindern sowie Besitz von kinderpornografischen Dateien.
Über 30 Kinder und Jugendliche soll «White Tiger» zu sexuellen und selbstverletzenden Handlungen getrieben haben. Die Ermittler stellten rund 80'000 Bilder und mehr als 120 Stunden Videomaterial bei «White Tiger» sicher.
Schon 2021 fiel der damals 16-Jährige wegen kinderpornografischer Inhalte auf Internetplattformen den Behörden auf. Aufgrund geringer Beweislast und stabiler Familienverhältnisse blieb er auf freiem Fuss. Nach dem Suizid eines 13-jährigen US-Amerikaners im Januar 2022 wurde gegen Shahriar J. erneut ermittelt, seit 2025 sitzt er in U-Haft. J. soll den Teenager manipuliert und den Suizid live auf seinem Smartphone mitverfolgt haben.
Hier findest du Hilfe
Diese Stellen sind rund um die Uhr für Menschen in Krisen und für ihr Umfeld da:
- Beratungstelefon der Dargebotenen Hand: Telefon 143 www.143.ch
- Beratungstelefon von Pro Juventute (für Kinder und Jugendliche): Telefon 147 www.147.ch
- Weitere Adressen und Informationen: www.reden-kann-retten.ch
Adressen für Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben
- Refugium – Verein für Hinterbliebene nach Suizid: www.verein-refugium.ch
- Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils: www.nebelmeer.net
Diese Stellen sind rund um die Uhr für Menschen in Krisen und für ihr Umfeld da:
- Beratungstelefon der Dargebotenen Hand: Telefon 143 www.143.ch
- Beratungstelefon von Pro Juventute (für Kinder und Jugendliche): Telefon 147 www.147.ch
- Weitere Adressen und Informationen: www.reden-kann-retten.ch
Adressen für Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben
- Refugium – Verein für Hinterbliebene nach Suizid: www.verein-refugium.ch
- Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils: www.nebelmeer.net
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