Meeresbiologe: Für Korallenriffe "sieht es düster aus"
Bei der UN-Artenschutzkonferenz in Eriwan wurden Flachwasser-Korallenriffe auf die Rote Liste gesetzt. 96 Prozent der Ökosysteme sind vom Absterben bedroht.
22.10.2026 | 1:31 minKorallenriffe könnten in den kommenden Jahrzehnten großflächig zusammenbrechen. Bis 2075 gelten voraussichtlich 96 Prozent der weltweit untersuchten Korallenriff-Ökosysteme als kritisch gefährdet. Zu diesem Ergebnis kommt eine erstmals veröffentlichte globale Bewertung der Weltnaturschutzunion (IUCN), die bei der UN-Biodiversitätskonferenz (COP17) im armenischen Eriwan vorgestellt wird.
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Erderwärmung als größte Bedrohung
"Momentan sieht es düster aus, weil aufgrund von bisherigen Veränderungen bereits 90 Prozent der ganzen Korallenriffe stark vom Zusammenbruch bedroht sind", warnt Meeresbiologe und Doktorand Georg Flückiger von der National University of Singapore. Werden die künftigen Auswirkungen des Klimawandels einbezogen, steigt der Anteil der bedrohten Riffe bis 2075 auf etwa 96 Prozent.
2014 wurde die Rote Liste der Ökosysteme von der Weltnaturschutzunion eingeführt. Darauf befinden sich mehr als 4.000 Ökosysteme.
22.10.2026 | 0:25 min"Wir müssen unbedingt rasch und überall auf der Welt die CO2-Emissionen reduzieren, und zwar drastisch", sagt Flückiger. Er hat gemeinsam mit anderen Forschern die Korallenriffe in 25 Ökoregionen Ostasiens untersucht.
Anhand der bisherigen Veränderungen wurden 22 davon als gefährdet eingestuft. Werden die zukünftigen Klimaprognosen bis 2075 berücksichtigt, gelten alle 25 als kritisch gefährdet.
Wie Korallenriffe zusammenbrechen
Nahezu alle Korallenriff-Ökosysteme weltweit könnten in den kommenden Jahrzehnten vom Zusammenbruch bedroht sein, so die Studie der IUCN. Die Studie umfasst 127 tropische und subtropische Ökoregionen mit insgesamt rund 188.000 Quadratkilometern Korallenriffen.
Untersucht wurde, wie groß das Risiko ist, dass ganze Riffe kollabieren -mit enormen Folgen: Rund ein Viertel aller Meerestiere lebt von, mit und in den Riffen. Millionen Menschen könnten eine wichtige Nahrungs- und Einkommensquelle verlieren.
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26.06.2026 | 2:03 minDie größte Bedrohung ist die Erderwärmung. Steigt die Wassertemperatur zu stark an, stoßen Korallen winzige Algen ab, die in ihnen leben und sie mit Energie versorgen. Die Korallen verlieren dadurch ihre Farbe und bleichen aus, drohen zu verhungern, wenn das Wasser nicht wieder abkühlt. Neben der Erderwärmung belasten weitere Faktoren die Riffe. Dazu gehören Verschmutzung, Übersäuerung, Küstenbebauung und Überfischung.
Riffe noch zu retten?
Die Aufnahme in die Rote Liste der Ökosysteme löst nicht automatisch Schutzmaßnahmen aus, sondern macht vielmehr sichtbar, wie groß das Risiko eines Zusammenbruchs ist. Um die Riffe zu erhalten, müssen vor allem die CO2-Emissionen drastisch sinken.
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Doch auch vor Ort lässt sich etwas bewirken. Geschützte Meeresgebiete, in denen Überfischung und Verschmutzung eingedämmt werden, sowie die Erholung wichtiger Fischbestände können dazu beitragen, die Korallenriffe zu erhalten und ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken.
Das Ziel muss sein, die Riffe als Ganzes und als lebendes Ökosystem zu erhalten.
Georg Flückiger, Meeresbiologe National University of Singapore
Noch seien die meisten Korallenriff-Ökosysteme nicht vollständig verloren. Entscheidend aber seien konsequente Maßnahmen, die die Erderwärmung begrenzen und die Riffe vor zusätzlichen Belastungen schützen.
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04.10.2026 | 0:29 minÜber dieses Thema berichteten die heute-Nachrichten am 22.10.2026 ab 17 Uhr.
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