Vor Bayern – Dortmund – «Mit Kobel müssten sich auch Klubs wie Real Madrid beschäftigen»

In der Bundesliga kommt es am Samstagabend zum Knüller Bayern München – Borussia Dortmund. Es ist auch das Duell Harry Kane gegen Gregor Kobel. BVB-Experte Patrick Berger von Sky Sport erklärt im Interview, warum der Schweizer National-Goalie so ein hohes Standing in Deutschland hat und warum er ein Kandidat für Klubs wie Real Madrid wäre.
SRF Sport: Unter welchen Vorzeichen steht der Klassiker Bayern gegen Dortmund diesmal?
Patrick Berger: Aus Münchner Sicht überstrahlt die Geschichte rund um den Ballon d'Or von Harry Kane natürlich alles und gibt den Bayern noch einmal einen Extra-Push. Die Trophäe ist in der Stadt eingetroffen, es wurde entsprechend gefeiert. Und vor allem konnte Trainer Vincent Kompany das Krankenhaus verlassen, was alle in Fussball-Deutschland erfreut.
Die beste Offensive der Liga (25 Bayern-Tore in 7 Spielen) trifft auf die beste Defensive (Dortmund hat nur 4 Gegentore erhalten). Wer ist Favorit?
Mathias Sammer hat im Vorfeld gesagt, was eigentlich alle denken, er als Dortmund-Berater aber vielleicht nicht sagen sollte: Die Bayern bestimmen einzig und allein über den Ausgang des Spiels. Dafür haben sie viel zu viel Qualität. Ich habe aber diesmal das Gefühl, dass es knapper wird als es in den letzten zehn Jahren oft der Fall war.
Wie geht Dortmund mit der Übermacht der Bayern um?
Geschäftsführer Carsten Cramer hat schon etwas vorgewirkt. Das hat auf mich den Eindruck gemacht, als hätte man schon die Erklärung bereit, sollte man das Spiel verlieren. Die Dortmunder verweisen immer auf den grossen finanziellen Unterschied, dass die Bayern ihnen auf allen Ebenen enteilt sind. Das ist so. Trotzdem finde ich, dass man sich als BVB nicht vor den Bayern verstecken sollte. Man hat die individuelle Klasse, um die Bayern zu ärgern, wenn nicht sogar zu schlagen. Die jüngsten Ergebnisse in München unter Edin Terzic, ein 2:2 und ein 2:0-Sieg, haben gezeigt, dass das auch möglich ist.
Patrick Berger
arbeitet seit 3 Jahren beim deutschen TV-Sender SKY. Der 34-Jährige ist Experte für Borussia Dortmund, Transfers und die DFB-Elf. Gemeinsam mit Jesco von Eichmann publiziert er den Podcast «Auffe Süd», der sich mit dem BVB befasst. Zuvor war er bei Sport 1 tätig.
Dortmund ist gut in die Saison gestartet und nach wie vor ungeschlagen. Wie gross ist der Anteil von Goalie Gregor Kobel?
Wahnsinnig gross. Denn Kobel ist einfach der Garant und der Rückhalt beim BVB. Für mich ist er auch der beste Torhüter in der Liga. Er bringt alles mit und damit meine ich nicht nur seine Grösse, sondern auch seine Ausstrahlung. Er ist auf der Linie, im Herauslaufen und mittlerweile sogar am Ball stark. Das war damals unter Nuri Sahin ein Thema, als er der erste Aufbauspieler war und an Themen arbeiten musste. Das hat er akribisch getan. Das Zusammenspiel mit Waldemar Anton und Nico Schlotterbeck funktioniert richtig gut.
Kobel spielt sogar im DFB-Pokal. Wie ist sein Standing im Klub und in der Liga?
Enorm gross. Er gehört zum Mannschaftsrat und ist jeweils einer der Ersten, welche nach dem Spiel von den TV-Anstalten zum Interview gebeten werden – auch von uns. Er steht auch in schweren Zeiten immer Red und Antwort. Er strahlt etwas aus und ist Wortführer in der Kabine und auf dem Platz. Aus der schwierigen Phase unter Nuri Sahin ist er noch stärker hervorgegangen und hat die Vorschusslorbeeren aus Stuttgart bestätigt.
In der Schweiz hat Kobel das Image des Verbissenen. Wie sieht das in Deutschland aus?
Er ist vielleicht manchmal zu sehr ein Kopf-Typ, also einer, der sich über alles Gedanken macht. Da könnte er dieses im positiven Sinne gemeinte Drecksack-Image mehr an den Tag legen. Er ist ein total ehrlicher und fairer Sportsmann und Everybody's Darling. Da kann er vielleicht öfter noch den Ellenbogen auspacken. Für mich ist er aber mit der spannendste Torwart, den es zurzeit gibt. Er hat auch was Penaltys angeht noch einmal einen riesigen Schritt nach vorne gemacht, wie ihr Schweizer an der WM ja erleben konntet.
Wie weit kann sein Weg noch führen?
Bei Kobel gibt es nie Stillstand. Er schleift immer an sich selber. Deshalb müsste er für mich auch perspektivisch bei internationalen Top-Klubs in Frage kommen. Bei Real Madrid wird unter anderem eine Stelle frei, wenn die Zukunft von Thibaut Courtois irgendwann entschieden sein sollte. Dann muss sich auch ein solcher Top-Klub mit ihm beschäftigen. Denn er gehört für mich unter die Top 5 weltweit. Dass er bei der Wahl zum Ballon d'Or weiter hinten gelandet ist (Platz 10. die Red.), habe ich nicht ganz verstanden.
Kobel wird im Dezember 29 Jahre alt, sein Vertrag dauert noch bis 2028. Müsste Dormtund nicht mit ihm verlängern?
Er ist einer der Schlüsselspieler, mit denen der BVB zeitnah in Verhandlungen gehen möchte. Kobel könnte auch ein Spieler sein, den man zu Top-Konditionen veräussern kann. Als BVB-Manager würde ich aber alles daran setzen, mit ihm zu verlängern, da er ein Gesicht des Klubs ist.
Was spricht für einen Abschied?
Kobel ist mit einem sehr hohen Jahresgehalt ausgestattet und gehört zusammen mit Serhou Guirassy und Felix Nmecha zu den Top-Verdienern. Die grossen Sprünge wird er also nicht mehr machen. Und was will Gregor Kobel selbst? Wer ihn kennt weiss, das er erfolgsbesessen ist und in seiner Karriere gerne Titel holen möchte. Da stellt sich die Frage, ob das mit Dortmund möglich ist.
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