America, let’s talk – Jeb Bush: «Sie glauben, Zölle schützen die heimische Industrie»

Die Midterms 2026 sind die erste grosse Bewährungsprobe für Donald Trump seit seiner Rückkehr ins Weisse Haus. In der dritten Folge von «America, let’s talk» spricht Jeb Bush über Trump, die Kongresswahlen und die Zukunft der Republikanischen Partei.
Jeb Bush
Politiker
Jeb Bush war von 1999 bis 2007 Gouverneur von Florida. Der Republikaner ist Sohn von Präsident George H. W. Bush und Bruder von Präsident George W. Bush. 2016 scheiterte er in den republikanischen Vorwahlen zur US-Präsidentschaft.
Barbara Lüthi: Florida war lange politisch umkämpft. Heute dominieren die Republikaner. Was hat sich verändert?
Jeb Bush: Als ich meine letzte Wahl gewann, gab es in Florida rund 800'000 mehr Demokraten als Republikaner. Dann wurde es rot. Heute haben die Republikaner einen Vorsprung von rund 1,5 Millionen Wählern. Covid hat den Wandel beschleunigt. Viele Menschen wollten nicht, dass ihnen der Staat vorschreibt, wie sie leben sollen. Florida wurde unter Gouverneur DeSantis zum «Free State of Florida» und zog damit viele konservative Wählende an. Der Wandel begann jedoch schon Jahre zuvor.
Die Bush-Familie verkörperte einst die republikanische Partei. Heute ist es die Partei von Donald Trump. Wird sich das nach Trump ändern?
Der Präsident ist ohne Zweifel der Anführer der Partei. In der «Bush-Ära» wählten mehr Akademikerinnen und Akademiker republikanisch, heute ist die Partei stärker in der Arbeiterschicht verankert und populistischer. Sie hat sich stark verändert. Ich weiss nicht, ob die Republikaner heute ein wettbewerbsfähiges Konzept fürs 21. Jahrhundert anbieten. Sie glauben, Zölle schützen die heimische Industrie. Die Geschichte zeigt, dass Protektionismus die Kosten erhöht. Statt «Make America Great Again» sollten wir uns auf Erneuerung und neue Chancen konzentrieren. Ich hoffe, dass der Konservatismus wieder optimistischer und lösungsorientierter wird.
2016 traten Sie gegen Trump an. Damals sagten Sie, er werde ein «Chaos-Präsident». Hatten Sie recht?
Ja, ich denke schon (lacht). Chaos kann auch Gutes bewirken. Trump hat auch Positives bewirkt, wie bei der Deregulierung oder in der Energiepolitik. Aber von Stabilität kann keine Rede sein. Es ist sehr chaotisch. Ich bin nicht sicher, ob die USA heute noch als verlässlicher Verbündeter wahrgenommen werden.
Heute gilt jemand, der nicht deiner Meinung ist, als Feind.
Ihr Bruder George W. Bush reichte Michelle Obama einst ein Bonbon. Die Szene ging viral. Warum?
Ist das nicht absurd? Heute überrascht es schon, wenn man freundlich zu jemandem ist, der nicht zum eigenen politischen Lager gehört. In den USA sind wir so tribal geworden, dass wir kaum noch respektvoll miteinander umgehen können. Social Media spaltet uns. Heute gilt jemand, der nicht deiner Meinung ist, als Feind. Davon müssen wir wegkommen.
Ist das so, seit Präsident Trump im Amt ist?
Trump ist der erste Präsident des Social-Media-Zeitalters mit einer mächtigen Plattform. Ich würde mir wünschen, dass seine Botschaften positiver wären, aber ich glaube nicht, dass er sich mit 80 Jahren noch ändern wird.
Die Midterms stehen bevor. Was erhoffen Sie sich von den Wahlen?
Ich denke, dass die Demokraten das Repräsentantenhaus gewinnen. Gefährlich wäre es, wenn sie auch den Senat kontrollierten und den Filibuster abschafften – also die Möglichkeit, Gesetze zu blockieren. Trump würde die nächsten zwei Jahre alle Gesetze per Veto stoppen. Künftig könnte ein demokratischer Präsident das Land aber radikal umgestalten. Das fände ich schrecklich. Ich hoffe aber auf einen kulturellen Wandel und weniger Polarisierung.
Das Gespräch führte Barbara Lüthi.
«America, let's talk», 27.10.2026, 22:25 Uhr ; srf/auej;schh;wilh
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.