UEFA gegen Infantino: Lager belauern sich bei FIFA-Council - Europa sucht nach Gegenkandidat
"Das ist das Ziel, dass wir an der Spitze der FIFA eine andere Person sehen möchten", sagte Bernd Neuendorf, der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), nach dem Treffen des FIFA-Councils in Zürich. Er blieb damit bei seinem Standpunkt im Bezug auf den umstrittenen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino.
Der gesamte europäische Fußballverband UEFA ist sich einig, dass Infantino seinen Posten aufgeben sollte. Bei einem Treffen der UEFA vor einer Woche in Berlin, hatten sich alle Mitgliedsverbände mit Ausnahme von Aserbaidschan für eine Ablösung Infantinos ausgesprochen.
Allerdings bräuchte es dazu einen geeigneten Gegenkandidaten, der bei der Wahl des nächsten FIFA-Präsidenten im März 2027 in Marokkos Hauptstadt Rabat, gegen den Schweizer antritt.
Wer tritt 2027 gegen Infantino an?
Infantino möchte sich wiederwählen lassen und hat bereits Unterstützung vieler Verbände signalisiert bekommen. Afrikas Fußballverbände stehen geschlossen hinter ihm, die Verbände Südamerikas und weite Teile Ozeaniens ebenfalls. Asiens Verbandsvertreter sind dagegen gespalten.
Die Nominierungsfrist endet am 18. November. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hatte eine Kandidatur ausgeschlossen, auch Nasser Al-Khelaifi steht nicht zur Verfügung. Der Katarer ist Präsident von Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain und Vorsitzender der europäischen Klubvereinigung (EFC).

Laut Medienberichten soll auch der Kanadier Victor Montagliani, Chef des Verbandes für Nord- und Mittelamerika und die Karibik (CONCACAF), kein Interesse an einer Kandidatur haben.
In britischen Medien wieder der Name Arsène Wenger genannt. Der ehemalige Erfolgstrainer des FC Arsenal arbeitet seit 2019 als FIFA-Direktor eng mit Infantino zusammen. Dennoch soll er Wunschkandidat mehrerer Fußballbosse aus Europa sein.
Auch Michele Kang, milliardenschwere Investorin im Frauenfußball, wird gehandelt. Bestätigt oder dementiert ist beides nicht. Die UEFA will vor dem 17. November erneut zusammenkommen, auch um in der Kandidatenfrage weiter zu beraten.
Infantino entschuldigt sich - doch Antworten bleibt er schuldig
"Wir brauchen eine integre Persönlichkeit, von der wir annehmen dürfen, dass sie dem Verband eine Reputation zurückgibt, die er definitiv verloren hat", sagte Neuendorf nach der Sitzung des FIFA-Councils, bei der die europäischen Kritiker erstmals seit dem Ausbruch des Machtkampfes auf Infantino getroffen waren. "Wenn sich so eine Person findet, dann wird die Debatte, denke ich, auch nochmal einen ganz anderen Drive kriegen. Wir gehen auch davon aus, dass das passiert."
FIFA-Chef Gianni Infantino bat indes auf der Council-Sitzung des Fußball-Weltverbandes um Entschuldigung, ließ aber wichtige Fragen offen. "Wir haben sehr viele kritische Fragen gestellt, befriedigende Antworten hat es aus meiner Sicht nicht gegeben", sagte Neuendorf nach dem rund dreistündigen Treffen.

Das Vertrauen in Infantino sei nach den Ereignissen rund um die WM im Sommer "vollständig verloren gegangen", führte der DFB-Präsident aus. Die Council-Mitglieder der Europäischen Fußball-Union (UEFA) hatten mehrere Punkte auf die Agenda gehoben: darunter Infantinos Vorhaben, Anteile an FIFA-Turnieren an Personen aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump zu verkaufen, die Verleihung des FIFA-Friedenspreises an Trump oder der "Fall Balogun" bei der WM, bei dem der US-Angreifer nach einer telefonischen Intervention Trumps bei Infantino trotz Roter Karte im nächsten Spiel wieder auflaufen durfte.
Die englische Verbandschefin Debbie Hewitt teilte mit: Infantino habe "durchaus reumütig" geklungen, an ihrer Haltung habe sich aber nichts geändert. "Ich habe keine neuen Informationen erhalten, die mich meine Haltung anders beurteilen lassen als vor der Sitzung", sagte die 63-Jährige.
FIFA-Reformgruppe und Milliardenfonds: Die Beschlüsse aus Zürich
Beschlossen wurde die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die sich mit möglichen Reformen im Weltverband beschäftigen soll. Sie werde "den Governance-Rahmen der FIFA eingehend prüfen", teilte der Weltverband mit, es gebe dafür aber noch keinen Zeitplan.
Außerdem bestätigte die FIFA, dass ein sogenannter Entwicklungsfonds für die 211 Mitgliedsverbände in Höhe von 6,35 Milliarden US-Dollar aus ihren Rücklagen eingerichtet und bei der Sitzung im Dezember finalisiert werden soll.
Im nächsten Vierjahreszyklus würde damit jeder Mitgliedsverband rund 25 Millionen US-Dollar (etwa 22 Millionen Euro) erhalten, bisher waren es zehn Millionen US-Dollar. Eine großzügigere Verteilung der Einnahmen des Weltverband hatte zuvor unter anderem die UEFA gefordert.
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