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Tuesday, September 15, 2026

Schwieriger Umstieg der Speditionen auf Elektro-Lkw

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Verschiedene Lastwagen werden am Stand von MAN Truck & Bus auf der Messe IAA Transportation in Hannover präsentiert.

IAA Transportation in Hannover Warum der Umstieg auf E-Lkw so schwierig ist

Stand: 15.09.2026 • 12:34 Uhr

Auf der IAA Transportation in Hannover stellt die Nutzfahrzeugbranche ihre neuen Modelle vor. Der Umstieg auf Elektro-Lkw ist für Speditionen ein aufwendiger und vor allem auch teurer Schritt.

Von Michael Eiden, SWR

Neun Uhr morgens auf dem Betriebshof der Spedition Ludwig in Dreis-Brück in Rheinland-Pfalz. Lkw-Fahrerin Jennifer Mayer macht sich bereit für ihren nächsten Auftrag. Mit ihrem Sattelschlepper soll sie Drehverschlüsse für Flaschen zu einem großen Getränkehersteller transportieren. Mayer steigt ins Führerhaus, startet den Lkw und nichts ist zu hören: kein nagelnder Dieselmotor, kein Rütteln im Führerhaus. Sie ist elektrisch unterwegs. "Viele Kunden sprechen mich an, dass sie mich gar nicht hören, wenn ich aufs Gelände fahre", berichtet Mayer.

Den Elektro-Lkw der niederländischen Marke DAF hat die Spedition Ludwig vorerst für drei Monate geliehen. Das Unternehmen will Fahrzeuge verschiedener Marken testen, bevor das erste eigene E-Modell die bisherigen 63 Verbrenner-Lkw ergänzt, erzählt Geschäftsführerin Iris Ludwig. "Wir haben den Weg eingeschlagen, weil wir auf jeden Fall CO2 einsparen möchten und einfach was für die Umwelt tun wollen."

Anfangsinvestitionen sind hoch

"Um den ersten elektrischen Lkw ans Rollen zu bringen mit einer eigenen Ladeinfrastruktur, brauchen Sie eine Million Euro", rechnet Fuhrparkleiter Sebastian Minninger vor. Eigener Solarstrom, Batteriespeicher, Ladesäule - das kostet. "Wir haben ja jetzt schon eine Ladesäule mit zwei Ladepunkten und haben so geplant, dass wir jederzeit noch eine zweite Ladesäule dazuschalten können", sagt Geschäftsführerin Ludwig.

Der weitere Ausbau hänge auch von den Anschaffungskosten für die Fahrzeuge ab. Zurzeit ist ein elektrisch angetriebener Lkw noch etwa doppelt so teuer wie ein Diesel-Pendant. Dennoch stiegen die Zulassungszahlen zuletzt deutlich an.

Elektrifizierung nimmt an Fahrt auf

Im europaweiten Vergleich nimmt Deutschland bei den Neuzulassungen von Elektro-Lkw über 3,5 Tonnen Gewicht eine Führungsrolle ein. Das geht aus den Zahlen des Europäischen Automobilherstellerverbands (ACEA) hervor.

Im ersten Halbjahr 2026 stieg die Zahl der Zulassungen elektrisch angetriebener Lkw um 88,5 Prozent auf insgesamt 3.545 Fahrzeuge. Die Antriebsart erreicht dabei einen Marktanteil von 8,7 Prozent, im EU-Schnitt sind es bisher nur 4,8 Prozent.

Nicht für jeden Einsatzzweck geeignet

Die Spedition Ludwig hat ihren Test-Lkw auf verschiedenen Strecken eingesetzt. Voll geladen schafft das Modell von DAF knapp 500 Kilometer. Die hat Jennifer Mayer auch schon bei einem "Rundlauf" genutzt, einem Transport nach Remscheid und ohne Laden wieder zurück in die Vulkaneifel.

Gerade auf längeren Strecken könne der E-Lkw wirtschaftliche Vorteile ausspielen, rechnet Iris Ludwig vor: "Weil wir dann einfach die Mautersparnis haben, die uns sonst viele Tausende Euro kostet. Wenn der Dieselpreis weiter so hoch ist, dann ist natürlich auch die Diesel-Ersparnis unser aktuelles Thema." Elektro-Lkw sind bis Ende Juni 2031 von der Lkw-Maut befreit.

Weniger Lärm und Abgase für die Fahrer

Ähnliche Erfahrungen macht auch der Logistik-Dienstleister Contargo mit Sitz in Duisburg. Das Unternehmen transportiert vor allem Container zwischen den Seehäfen, den Häfen entlang des Rheins und dem Hinterland. 90 E-Lkw fahren für das Unternehmen, davon sechs am Standort Wörth in Rheinland-Pfalz. "Die Technik funktioniert. Auch für die Fahrerinnen und Fahrer ist es wesentlich gesünder, da Lärm und Abgase nahezu nicht mehr vorhanden sind", resümiert Andreas Roer, Standortleiter in Wörth.

Jetzt müsse der Fokus auf einem erfolgreichen Ausbau der Ladeinfrastruktur liegen. "Dabei ist es wichtig, das Laden im Depot, das Schnellladen und das Übernacht-Laden an Autobahnen sowie stark befahrenen Gebieten sicher zu stellen", sagt Roer.

Ladeinfrastruktur als Nadelöhr

"Auf den Betriebshöfen werden Ladesäulen mittlerweile sehr stark ausgebaut", sagt Thorsten Hölser, Geschäftsführer des Speditions- und Logistikverbands Hessen/Rheinland-Pfalz. Der Ausbau sei allerdings mit großen Hürden verbunden, weil der Netzausbau noch nicht nachkomme: "Energielieferanten brauchen sehr, sehr lange, um die Ladeinfrastruktur umsetzen zu können."

Ladepunkte auf Betriebsgeländen seien aber nur ein Teil eines flächendeckenden Ladenetzes, sagt der Logistikverband. Säulen an Autobahnen seien vor allem auch für den internationalen Fernverkehr wichtig."

"Der Bund hat sicherlich die größte Herausforderung mit dem Aufbau des öffentlichen Ladenetzes. Da stehen wir momentan noch komplett am Anfang und es ist auch noch nicht absehbar, wie schnell es wirklich aufgebaut werden kann", resümiert Hölser.

Bund will öffentliches Lkw-Schnellladenetz ausbauen

Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums können E-Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer bislang 88 öffentlich zugängliche Lade-Standorte in Deutschland anfahren, um dort den Akku ihres Fahrzeugs wieder aufzuladen. Insgesamt stehen dort 355 Ladepunkte zur Verfügung (Stand 30. April 2026). Diese Säulen sind mit einem Stellplatz ausgestattet, der mindestens 16,5 m lang ist. So kann ein Sattelzug dort ohne Probleme parken.

Zudem soll ein Schnelladenetz für Nutzfahrzeuge entlang der Autobahnen installiert werden. Laut Verkehrsministerium sollen an etwa 350 Standorten rund 4.200 Ladepunkte entstehen, darunter auch besonders leistungsfähige Megawatt-Ladepunkte. Zunächst erfolge der Aufbau auf 124 Parkplätzen ohne Rastanlagen.

"Die Zuschläge sind am 30. Juni 2026 erfolgt, die Standorte werden sukzessive bis 2030 in Betrieb gehen", sagt eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums auf SWR-Anfrage. Das Verfahren für die Standorte an Parkplätzen mit Rastanlagen soll bis Ende 2026 beginnen.

Fahren ohne Reichweitenangst

Sorge vor einem leeren Akku hatte Jennifer Mayer auf ihren Touren bisher nicht: "Ich komme eigentlich mit genug Prozent wieder zurück. Also meist so 20, 30 Prozent, wenn ich Feierabend habe und ich den Lkw dann an den Strom anhänge."

Umstellen musste sie sich vor allem bei der Leistung des E-Lkw: "Der zieht auch ziemlich gut", sagt die Fahrerin und lächelt. Man müsse mit dem Gaspedal gerade beim Rangieren an die Rampe vorsichtig umgehen, sonst könne das schnell "nach hinten losgehen".

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