Rettet KI die deutsche Industrie?
KI-Agenten zur Wartung älterer Maschinen, zur Optimierung täglicher Führungsroutinen oder in der klassischen Fertigung, um etwa Fehler zu beheben - bei Bosch hält KI Einzug in vielen Bereichen.
05.10.2026 | 4:39 minWenn bei Bosch in Stuttgart-Feuerbach eine der Maschinen mal streikt, dann sind Instandhaltungsplaner Mark Engl und seine Kollegen gefragt. Wo liegt der Fehler? Wie kriegt man die Maschine möglichst schnell wieder ans Produzieren?
Durch KI: mehr Produktivität, geringere Kosten
Seit neuestem hilft ihnen dabei die KI, ein eigens entwickelter Chatbot. Innerhalb weniger Sekunden durchsucht er alte Fehlerberichte von Mitarbeitern, Anleitungen des Maschinenherstellers, weitere interne Daten - und gibt Handlungsempfehlungen. "Gerade bei komplexeren Störungen, die wir in der Vergangenheit hatten, bei denen man tagelang gesucht hat, hilft es einfach enorm", sagt Engl. Man könne als Person kaum die letzten 2.000 oder 10.000 Fehler einer Maschine durchgehen, "aber so eine KI kann das halt relativ schnell."
"Manufacturing Co-Intelligence" nennen sie das bei Bosch: KI-Anwendungen, speziell für die Produktion entwickelt, die die Produktivität steigern sollen. Bei der rechtzeitigen Material-Nachbestellung, bei der Schichtplanung - oder eben beim Reparieren. Man hält bei Bosch dadurch in Fabriken fünf bis 15 Prozent mehr Produktivität für möglich, zehn bis 30 Prozent weniger Kosten in einzelnen Bereichen und bis zu 50 Prozent schneller gelöste operative Probleme. Das übergeordnete Ziel: die eigene Wettbewerbsfähigkeit steigern:
KI ist der entscheidende Hebel, um die Industrie im globalen Wettbewerb zukunftsfähig aufzustellen.
Tanja Rückert, Geschäftsführerin Robert Bosch GmbH - verantwortlich für Industriepolitik
Bei der Roboter-WM in Peking traten Humanoide auch in Alltagsaufgaben im Haushalt gegeneinander an. Welchen Einfluss Roboter zukünftig auf das Leben haben könnten, analysiert ZDFheute live.
27.08.2026 | 35:00 minKI-Nutzung: rechtliche Fragen und Sorgen um digitale Souveränität
Künstliche Intelligenz verbreitet sich im Moment geradezu explosionsartig in der Industrie, in der gesamten Wirtschaft. Im Mai 2024 lag laut ifo-Umfrage der Anteil der Unternehmen in Deutschland, die KI nutzen, noch bei 27 Prozent, dieses Jahr sind es nun 54,4 Prozent. Viele weitere Unternehmen (16 Prozent) planen bereits den KI-Einsatz oder diskutieren darüber (21,6 Prozent).
Doch die Einführung von KI-Anwendungen in Unternehmen ist kein Selbstläufer. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen tun sich häufig schwer. Da ist zum einen die Suche nach den jeweils passenden Anwendungen, zum anderen sind da rechtliche Fragestellungen und Sorgen um die digitale Souveränität.
Die Unternehmen erkennen zunehmend eine Abhängigkeit von Anbietern außerhalb Europas
Thorsten Eller, Industrie- und Handelskammer (IHK) Stuttgart
sagt Thorsten Eller von der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Stuttgart. Er fordert von der Politik vor allem, die digitale Souveränität in Europa weiter auszubauen, "eine leistungsfähige Infrastruktur, stabile Rechenzentren", damit Unternehmen eine echte Wahlmöglichkeit hätten.
Deutschland baut zunehmend KI in industrielle Prozesse ein. Warum gerade das für die Wertschöpfung von KI wichtig ist.
28.06.2026 | 1:03 minKI in Unternehmen: "kein Selbstläufer"
Im Angesicht von Sparrunden, Arbeitsplatz-Abbau, Produktions-Verlagerungen ins Ausland bei vielen deutschen Industrieunternehmen sieht auch Eller KI-Anwendungen als einen wichtigen Faktor - etwa, um steigenden Standortkosten und Fachkräftemangel zu begegnen. Und doch sei das Ganze kein Selbstläufer: Ohne die Mitarbeiter auf dem Weg mitzunehmen, sie im Umgang mit KI zu schulen, ginge es nicht, so Eller. Womit er auf einer Linie mit Alicia von Schenk liegt, KI-Professorin an der Uni Würzburg. KI, sagt sie, könne die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens verbessern. Ob daraus jedoch tatsächlich ein Wettbewerbsvorteil entstünde, dafür sei letztendlich die Umsetzung im Unternehmen entscheidend:
Wenn Wettbewerber ähnliche KI-Tools auch zur Verfügung haben, dann ist die entscheidende Frage: Können Unternehmen diese Tools dann mit ihrem eigenen Fachwissen und den eigenen Arbeitsabläufen passend zusammenbringen?
Prof. Alicia von Schenk, KI-Forscherin Universität Würzburg
KI verändert Gesellschaft und Arbeitswelt. Deutsche Unternehmen hoffen, dass sie zum Wachstumstreiber wird, denn es braucht leistungsfähige und energieeffiziente Technologien "made in Germany".
11.08.2026 | 1:58 minWettbewerbsfähigkeit durch KI ist kein Selbstläufer
Wie Einsatzfelder der KI sich zukünftig weiterentwickeln, dazu kann derzeit wohl niemand eine verlässliche Prognose abgeben:
Wenn wir heute die großen Modelle anschauen, wie schnell sie sich entwickeln, das ist unglaublich
Dr. Jana Kirchheim, Microsoft Deutschland
sagt etwa Jana Kirchheim von Microsoft Deutschland. Ihr Konzern arbeitet mit zahlreichen deutschen Firmen in Sachen KI zusammen, unter anderem mit Bosch. Sie sieht im internationalen Vergleich eine große Stärke der deutschen Industrie: die immensen Erfahrungen in Industrie und Ingenieurwissen.
Das macht uns so schnell keiner nach. Und mit diesem Wissen können wir gemeinsam so viel erreichen: Die Chancen sind immens.
Zitat: Dr. Jana Kirchheim, Microsoft Deutschland
Der Handlungsdruck bei vielen Industrieunternehmen in Deutschland allerdings auch.
Sven Class ist Reporter im ZDF-Landesstudio Baden-Württemberg.
Umbruch auf dem Jobmarkt
:"Frisst" KI Einstiegsjobs?Die Arbeitslosigkeit von Akademikerinnen und Akademikern hat einen neuen Höchststand erreicht: Sie ist stärker gestiegen als die allgemeine. Welche Rolle spielt KI dabei?
von Patricia Schäfer-Hosny
mit Video2:34
Über dieses Thema berichtete WISO am 05.10.2026 ab 19:25 Uhr.
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