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Saturday, October 17, 2026

Umgang mit Wölfen – Schwyzer Wölfe stehen unter Beschuss – auch politisch

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2006 wurde in Gsteigwiler im Kanton Bern ein Wolf vom Zug überfahren. Es war der erste Nachweis eines neu eingewanderten Wolfes nördlich der Alpen. Trotz unrühmlichem Ende folgten dem Wolf andere nach. Heute, zwanzig Jahre später, leben auch in den Nordalpen ganze Rudel.

Wir möchten, dass der Wolfbestand vorsorglich reguliert wird.

Seit Kurzem auch im Kanton Schwyz. Noch lange nicht alle freuen sich darüber. Ein SVP-Kantonsrat verlangt, dass das ganze sogenannte Chöpfenberg-Rudel geschossen wird. Und auch die Schwyzer Regierung hat Abschüsse genehmigt. Um die Wildhut zu unterstützen, hat der Kanton ausserdem 200 Jäger zur Wolfsregulierung ausgebildet.

«Nutztiere werden in einem alarmierenden Ausmass gerissen», sagt Kantonsrat Samuel Lütolf. Der 29-Jährige politisiert für die SVP im Schwyzer Kantonsrat und ist Betreiber des Wolftickers, einer WhatsApp-Gruppe für Wolfsichtungen. Lütolf will, dass alle acht Wölfe des Rudels geschossen werden. «Wir möchten, dass der Wolfbestand vorsorglich reguliert wird – und nicht erst, wenn es zu Rissen gekommen ist.»

Regierung: Herdenschutz ungenügend

Erfasst sind für Schwyz aktuell fünf Risse durch im Jahr 2026, wobei mehrere Schafe und mindestens eine Ziege gestorben sind. Die Schwyzer Regierung sieht auch die Schafhalterinnen und -halter in der Pflicht.

Ein erwachsener Wolf mit zwei Welpen im Wald.
Legende: Keystone/Dominc Favre

Der Herdenschutz funktioniere noch nicht wie gewünscht, schreibt der Regierungsrat es auf einen Parlamentsvorstoss. «Bei der Überprüfung des Herdenschutzes wurden etwa nicht eingezäunte Teilstücke der Weiden oder nicht elektrifizierte Metallgitterzäune festgestellt», heisst es da etwas. Oder: «Zudem kamen auch zu grosse Lücken vom Boden zur untersten Zaunlitze vor.»

«Gruppe Wolf»: Herdenschutz richtiger Weg

Auch die «Gruppe Wolf Schweiz», eine Organisation, die sich für das Zusammenleben zwischen Menschen und Wolf, Bär und Luchs in der Schweiz einsetzt, sieht im Herdenschutz den Weg zum Ziel – und verweist in einem aktuellen Social-Media-Post auf Erfahrungen im Kanton Graubünden: «Eindrücklicher Erfolg des Herdenschutzes: 35 Prozent weniger Risse von Nutztieren als im Vorjahr, trotz 80 Prozent mehr Welpen», schreibt die Organisation.

Das Bundesamt für Umwelt hat zu Beginn des Herbstes 2026 mehr Bewilligungen für präventive Wolfsabschüsse erteilt als im gleichen Zeitraum letztes Jahr. Für 39 Rudel liegt ein rechtskräftiger Bewilligungsentscheid vor. 2025 waren es 22 Rudel.

Dieser sprunghafte Anstieg der Bewilligungen lässt sich teilweise durch eine Änderung der Jagdverordnung erklären. Das Bafu kann eine Bewilligung zur Regulierung von Wolfswelpen erteilen, noch bevor deren Anwesenheit bestätigt wurde. Jungwölfe dürfen jedoch erst abgeschossen werden, wenn ihre Anwesenheit nachgewiesen wurde.

Laut Bafu liegt der Grund für mehr Gesuche für Teilregulationen darin, dass es in der Schweiz insgesamt mehr Wolfsrudel gebe. Die Zahl der erfassten Wolfsrudel stieg zwischen 2022 und 2025 von 26 auf 40.

Der Kanton Graubünden verzeichnet mit zwanzig betroffenen Rudeln die meisten genehmigten Anträge. Das Bafu hat dort für 18 dieser Rudel die Tötung von zwei Dritteln der im Jahr 2026 geborenen Jungtiere genehmigt und gleichzeitig die vollständige Ausmerzung der Rudel von Calderas und Giarsiom bewilligt.

Im Tessin sind neun Rudel von einer Ausmerzung von zwei Dritteln ihrer Jungtiere betroffen. In St. Gallen, Glarus und Schwyz wurden gezielte Abschüsse von zwei Dritteln der Jungtiere genehmigt. Im Wallis hat der Bund die teilweise Ausmerzung der Jungtiere für die Rudel von Les Toules und Nendaz Isérable genehmigt. Nach einem Beschluss vom 29. September zählt nun das Rudel von Nanz neben jenem von Augstbord zur Gruppe der Rudel, die vollständig ausgerottet werden sollen. Der Antrag auf vollständige Keulung für das Vallon de Réchy ist noch hängig.

Eine besondere Entwicklung ist bei den Rudeln im Vallée de la Brévine und in Jougne Suchet zu beobachten, die in den Kantonen Neuenburg und Waadt leben. Für diese beiden Rudel hat das Bafu die Entnahme von zwei Dritteln der Welpen sowie die Tötung eines geschlechtsreifen erwachsenen Wolfs genehmigt. (Keystone-SDA)

Ende Juli zog die Gruppe Wolf Schweiz Halbzeitbilanz zum Alpsommer. Die Risszahlen hätten sich im Vergleich zum Vorjahr halbiert, bilanzierte die Vereinigung. «Die Wolfsrisse sind im Sommer 2026 schweizweit zurückgegangen.»

Laut der Gruppe Wolf Schweiz wurden während der Alpsaison insgesamt gut 180 Nutztiere gerissen, im vergangenen Jahr waren es etwas mehr als 400. Nicht mitgezählt sind die Risse im Tessin, da der Kanton keine aktuellen Zahlen publiziert hat.

1871 war im Tessin der offiziell letzte einheimische Wolf erlegt worden. Im 20. Jahrhundert wurden zwar immer wieder Wölfe beobachtet und auch erlegt. Dabei zeigte sich, dass es Grenzgänger waren – oder illegal ausgewilderte Wölfe. Ab Mitte der 1990er-Jahre besiedelten wieder einzelne Wölfe die Schweiz, seit 2012 werden ganze Rudel gezählt.

Laut der Gruppe Wolf Schweiz finden Wölfe in der Schweiz hervorragende Lebensbedingungen vor: grosse Wälder, ausgesprochen hohe Wildbestände und ausreichend Wasser. Von den aktuell 40 Wolfsrudeln in der Schweiz leben zehn grenzüberschreitend mit Italien und Frankreich. (Quelle: Gruppe Wolf Schweiz)

Trotz rückläufiger Risszahlen sorgt der Wolf weiter für eine emotionale Debatte – überall in der Schweiz. Für Christina Steiner vom Verein CHWolf mit Sitz in Einsiedeln SZ ist der Umgang des Kantons Schwyz mit dem Wolf «mehr als bedenklich»: Die präventive Regulierung des Chöpfenberg-Rudels habe mit einem wissenschaftlich fundierten Wolfsmanagement nichts zu tun, sagt sie.

Zwischen den Polen sieht sich Rinze Zgraggen, der Schwyzer Jagdverwalter. Er sieht Verbesserungen im Herdenschutz als wichtige Massnahme, verteidigt aber auch den präventiven Abschuss der vier Wolfwelpen des Chöpfenberg-Rudels. Es sei der Mittelweg, um die Schäden in der Landwirtschaft zu minimieren und die Scheu des Wolfes gegenüber dem Menschen zu erhalten – auch wenn die Jungwölfe bis anhin nicht negativ aufgefallen seien.

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Regionaljournal Zentralschweiz, 12.10.2026, 17:30 Uhr ;  zezm;lanr;liea

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