Schluss mit «cashless» am Weihnachtsmarkt!

Bargeldpflicht in Zürich? Parlament gibt Regierung den Tarif durch
Schluss mit «cashless» am Weihnachtsmarkt!
Das Zürcher Stadtparlament will Bargeld als Zahlungsmittel sichern. Ein Vorstoss verlangt, dass städtische Betriebe und subventionierte Einrichtungen Bargeld akzeptieren müssen.
Publiziert: vor 13 Minuten
- Das Stadtparlament will Bargeld in städtischen und subventionierten Betrieben fest verankern
- Auslöser war das Kunsthaus, das seit einem Jahr nur noch elektronische Zahlungen akzeptiert
- Das Parlament nahm die Motion mit 74 zu 44 Stimmen an, nun folgt eine Vorlage des Stadtrats
Riccarda CampellRedaktorin Politik
Ob Glühwein am Weihnachtsmarkt oder eine Bratwurst auf dem Bürkliplatz: Wer in Zürich bar bezahlen will, hat es zunehmend schwer. Immer mehr Betriebe setzen auf Karte und Twint. Jetzt wehrt sich das Stadtparlament, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.
Auslöser war das Kunsthaus, das seit einem Jahr nur noch elektronische Zahlungen akzeptiert, um Sicherheitskosten zu sparen. Weil die Stadt das Museum jährlich mit Millionenbeträgen unterstützt, forderten Kritiker, dass es weiterhin Bargeld annehmen müsse.
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Daraufhin wurde auch die Politik aktiv: Drei SVP-Vertreter verlangten, die Bargeldannahme bei «allen städtischen Institutionen, Dienstleistungen und Anlagen» sicherzustellen. Der Gemeinderat überwies den Vorstoss. Der AL ging das zu wenig weit: Sie forderte, dass auch Betriebe, die städtische Subventionen erhalten, Bargeld akzeptieren müssen.
Obdachlose sind auf Bargeld angewiesen
AL-Gemeinderätin Tanja Maag (52) gab laut dem «Tages-Anzeiger» zu bedenken, dass Kinder nicht extra ein Handy oder eine Kreditkarte brauchen sollten, nur um sich eine Glace zu kaufen. Und die SP-Gemeinderätin Sofia Karakostas (59) betonte, dass Obdachlose oder Asylsuchende auf Bargeld angewiesen seien. «Hier geht es um mehr als Zahlungslogistik, nämlich um soziale Gerechtigkeit», sagte sie.
Die SP unterstützte die Motion nur unter der Bedingung, dass Betriebe auf öffentlichem Grund ausgenommen werden. Die AL akzeptierte den Kompromiss. Ungewöhnlicherweise zog auch die SVP am selben Strick und stimmte der Motion zu.
Der Stadtrat sowie Mitte und FDP lehnten sie jedoch ab. Der Stadtrat argumentierte, Zahlungsmodalitäten gehörten ins Gesetz oder in die Verwaltung, nicht in die Verfassung. Zudem verletze die Bargeldpflicht für Betriebe auf öffentlichem Grund die Wirtschaftsfreiheit. Trotzdem nahm das Parlament die Motion mit 74 zu 44 Stimmen an. Nun muss der Stadtrat eine Anpassung der Gemeindeordnung ausarbeiten.
Bargeldverbot am Weihnachtsmarkt sorgte für Kritik
Dass Bargeld zum Streitpunkt wird, ist nicht neu. Schon 2025 sorgte der Polarzauber am Hauptbahnhof mit einem Bargeldverbot für Kritik. Alle Stände mussten Kartenzahlungen und Twint akzeptieren. Wer trotzdem Bargeld annahm, riskierte 500 Franken Busse oder bei wiederholten Verstössen sogar den Ausschluss.
Das Polarzauber-Team begründete die Regel mit Sicherheitsbedenken. Nach heftigen Protesten lenkte es jedoch wenige Tage später ein: Bargeld blieb erlaubt.
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