Hallenser Erfolgsgeheimnis: Eine Mannschaft voller Arbeiter müsst ihr sein
Der Hallesche FC überzeugt in der Regionalliga Nordost mit kompromissloser Abwehrarbeit statt Offensivspektakel. Der Lohn: nur neun Gegentore, eine starke Serie und noch zwei Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Chemnitz.

Der unbequeme Innenverteidiger: Burim Halili spielt eine starke Saison. IMAGO/Picture Point
Burim Halili und Vin Kastull stehen Arm in Arm vor der Fankurve und präsentieren Siegerfäuste. Mit den beiden Innenverteidigern hat der Hallesche FC in den sozialen Netzwerken wiederholt seine Siege bebildert. Passend: Der Höhenflug der Rot-Weißen in der Regionalliga ist direkt mit ehrlicher Abwehrarbeit verbunden.
Mit neun Gegentoren stellt der Hallesche FC die zweitbeste Defensive der Liga, in sieben von 13 Ligaspielen ist die Mannschaft von Trainer Robert Schröder ohne Gegentor geblieben.
In Tradition von Huub Stevens steht in Halle die Null und die Ergebnisse stimmen. Zuletzt gab es zwei minimalistische 1:0-Siege gegen Stahnsdorf und in Aue. Vor dem Heimspiel gegen Lok Leipzig am Sonntag ist der HFC mit 22 Punkten aus den vergangenen acht Spielen die formstärkste Mannschaft der Liga. Tabellenführer Chemnitz ist nur noch zwei Zähler entfernt.
Die Entwicklung ist erstaunlich. Als Robert Schröder in Halle das Traineramt anstelle von Vizemeister-Coach Mark Zimmermann anvertraut bekam, war das mit der Erwartung von mitreißendem Offensivfußball verbunden. Infolge einer schweren Krise im Herbst 2025, als dem 38-Jährigen das schnelle Aus drohte, hat der Mann aus Thüringen aber seinen Ansatz geändert. Er hat den Fokus mehr auf die Abwehr gelegt.
Inzwischen steht der HFC für Punkte ohne B-Note. "Wir sind", so befand es der Trainer schon nach dem mühevollen Sieg gegen Aufsteiger Stahnsdorf, "keine Ballbesitzmannschaft." Der Hallesche FC der Saison 2026/27 ist kein Team, das begeisternden Offensivfußball spielen kann. Siege gehen kaum leicht von der Hand. Dabei hat der HFC im Sommer seine Angriffsreihe mit Soufian Benyamina und Stanley Ratifo prominent verstärkt. Während sich die Angreifer aber schwertun, glänzen die Verteidiger.
Schröders Mannschaft ist eine der Arbeiter, geschlossen, stark in Zweikämpfen, mit Luca Bendel als sicherem Rückhalt im Tor. "Wir sind gut in den Basics", findet Mittelfeldspieler Niclas Stierlin. "Jeder kämpft für jeden, wir haben eine super Energie auf dem Platz." Schröder spricht gern von den "talentfreien Aktionen", die seine Mannschaft gut mache. "Unsere Identität ist das intensive Verteidigen", hat er erkannt. Dafür steht vielleicht kein Spieler mehr als Kastull. Der 21-Jährig, vergangene Saison noch Reservist, hat sich mit seiner Lust an direkten Duellen in die Startelf gearbeitet. Er schont mit seinen 1,93 Metern weder sich noch Gegner.
Der schwer zu besiegende HFC ist damit nah dran an dem, wie Lok Leipzig seine Regionalliga-Meisterschaften gewinnen konnte. Sicher stehen und selten, aber entscheidend zuschlagen. Häufig tat das bislang Stierlin, der bei acht Saisontreffern steht. Gegen Aue gelang der Sieg durch ein Tor von Fabrice Hartmann in der Nachspielzeit. Die "Lokisierung" birgt vor dem direkten Duell Ironie, denn Lok hat unter Ex-HFC-Trainer Torsten Ziegner seine defensive Stabilität verloren. 25 Gegentore haben die Leipziger bereits kassiert.
Die Jahrestabelle der Regionalliga Nordost führt der HFC bereits an. Gelingt jetzt der große Wurf?
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