«Wer macht sauber?»: Tea sauer auf Touris, die Schweiz zumüllen

- Erbrochenes im Lavabo eines Restaurant-WCs in Grindelwald hat die Deutsche Tea (27) besonders schockiert.
- Auch in Lauterbrunnen BE sah sie Müll, Lärm und Touristen, die in fremden Gärten urinierten.
- Die Gemeinde Lauterbrunnen kennt keine solchen Vorfälle, Grindelwald Tourismus mahnt zur Zurückhaltung bei Verallgemeinerungen.
Die Deutsche Tea (27) liebt ihr neues Zuhause im Kanton Bern. Seit ihrem Umzug in die Schweiz im März fühle sie sich «glücklicher und gesünder als je zuvor». Doch dass nicht alle die Schweiz so schätzen wie sie, sei ihr bei Ausflügen nach Lauterbrunnen und Grindelwald schmerzhaft bewusst geworden. «Was ich dort erlebt habe an Respektlosigkeit, hat mich richtig schockiert.»
Einen solchen Ansturm und ein derartiges Verhalten von Touristinnen und Touristen habe sie in anderen Ländern «noch nie in diesem Ausmass» erlebt, erzählt sie weiter und meint: «Ich kann komplett verstehen, wenn Schweizer richtig abgefuckt sind von gewissen Touristen hier.»
«Urinieren im Garten und respektlos gegenüber Bauern»
Bei einem Ausflug nach Lauterbrunnen im Sommer habe sie laute Touristinnen und Touristen erlebt, die herumgeschrien, auf den Boden gespuckt und Müll zurückgelassen hätten, so die 27-Jährige. Besonders schockiert habe sie, dass einige sogar fremde Gärten betreten und dort uriniert hätten. «Die Schweiz ist eigentlich ein richtig sauberes Land. Aber da wird es von Touristen einfach verdreckt.»
Auch der Umgang mit eingezäunten Kühen habe sie nachdenklich gemacht. Zahlreiche Menschen hätten die Tiere gefilmt und beobachtet: «Einige haben sogar versucht, über den Zaun zu klettern.» Ein Bauer sei daraufhin wütend geworden und habe die Personen mit Schimpfwörtern vertrieben. Zunächst habe sie die Reaktion des Bauern übertrieben gefunden. Inzwischen könne sie seinen Ärger aber verstehen: «Der muss das wahrscheinlich jeden Tag machen. Da hat man irgendwann genug.»
«Eine Frau hat ins Lavabo erbrochen»
Auch in Grindelwald habe Tea unschöne Szenen erlebt. Der Ort werde von einzelnen Gästen «kaputt gemacht», findet die Deutsche. Neben herumliegendem Abfall sei ihr vor allem ein Vorfall in einem Restaurant-WC geblieben: «Eine Frau ist aus der Toilette gekommen und hat ins Lavabo erbrochen, obwohl die WC-Schüssel nur einen Meter entfernt war.» Das ganze Waschbecken sei voller Erbrochenem gewesen. «Wer soll das danach sauber machen? Kein Anstand und Respekt», meint sie.
Tourismusbehörde: «Keine allgemeinen Rückschlüsse»
Die Gemeinde Lauterbrunnen teilt auf Anfrage von 20 Minuten mit, dass ihr keine solchen Vorfälle von unangemessenem Verhalten von Touristinnen und Touristen bekannt seien. Grindelwald Tourismus betont, dass die Gemeinde grossen Wert auf einen respektvollen Umgang zwischen Gästen, Einheimischen und der Natur lege. Aus einzelnen Vorfällen liessen sich jedoch keine allgemeinen Rückschlüsse auf das Verhalten der Gäste ziehen. Die geschilderten Einzelfälle könne man nicht beurteilen.
Wie stehst du zu den Touristenmassen in Orten wie Lauterbrunnen oder Grindelwald?
Thomas Sennhauser (ths), arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er begann als Videojournalist und wechselte nach zwei Jahren ins Ressort News wo er über gesellschaftliche Themen und Analysen zu Geschehnissen im Ausland schreibt.
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