Sanktionen zeigen Wirkung: Deutschland kauft in Russland fast nichts mehr und exportiert wenig

Sanktionen zeigen Wirkung Deutschland kauft in Russland fast nichts mehr und exportiert wenig
21.10.2026, 11:13 Uhr

Viele Europäer hegen Zweifel an der Wirksamkeit der inzwischen 21 Sanktionspakete der EU gegen Moskau. Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen im Umgang mit Russland weitreichende Veränderungen. Betroffen ist nicht nur der Handelssektor.
Ob Handel, Flugreisen oder Zuzüge: Der deutsch-russische Austausch hat als Folge des anhaltenden Krieges gegen die Ukraine drastisch abgenommen. Im ersten Halbjahr 2026 importierte Deutschland 96,4 Prozent weniger Waren aus Russland als im Vergleichszeitraum 2021 vor dem Krieg, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Der Wert der Einfuhren sank von 15 Milliarden auf gut 500 Millionen Euro. Die deutschen Ausfuhren nach Russland brachen im selben Zeitraum um 73 Prozent ein - von knapp 13 auf etwas mehr als 3 Milliarden Euro.
Die Sanktionen der Europäischen Union haben die Handelsstruktur grundlegend verändert. Waren im Vorkriegszeitraum vor allem Erdöl und Erdgas die wichtigsten Importgüter, sind es nun Nahrungs- und Futtermittel, Metalle und chemische Erzeugnisse. Bei den Exporten dominieren inzwischen pharmazeutische Erzeugnisse, die mehr als 40 Prozent der Lieferungen ausmachen.
Die wirtschaftliche Entflechtung zeigt sich auch bei den Unternehmen. Die Zahl der von Russland aus kontrollierten Firmen in Deutschland sank von 229 im Jahr 2021 auf 76 im Jahr 2024. Ihr Umsatz brach von knapp 25,4 Milliarden auf 8,4 Milliarden Euro ein. Umgekehrt ging die Zahl der von deutschen Investoren kontrollierten Unternehmen in Russland im selben Zeitraum von 481 auf 290 zurück. Der dort erzielte Jahresumsatz fiel um zwei Drittel auf 13 Milliarden Euro.
Der Austausch zwischen beiden Ländern ist auch auf anderer Ebene stark zurückgegangen. Wegen des bestehenden Direktflugverbots ging im ersten Halbjahr 2026 die Zahl der an deutschen Hauptverkehrsflughäfen startenden wie auch der dort landenden Fluggäste mit Direktverbindung nach und von Russland gegen null. Mit letztbekanntem Streckenziel Russland hoben noch gut 39.900 Fluggäste von Deutschland ab - beispielsweise mit Umstieg in der Türkei oder anderen Drittstaaten ohne Direktflugverbot. Das waren 95,9 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2019, also vor den pandemiebedingten Einschränkungen des Flugverkehrs.
Zudem hat sich die Wanderungsbewegung umgekehrt: Im ersten Halbjahr zogen mehr russische Staatsangehörige aus Deutschland fort als hierher kamen. Auch die Zahl russischer Bildungsausländer, die ein Studium in Deutschland begonnen haben, hat sich von 2021 bis 2025 um 40 Prozent verringert. Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 hat die EU in 21 Paketen weitreichende Sanktionen verhängt, die unter anderem den Handel, den Finanzsektor und den Flugverkehr betreffen.
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