Gespräche mit Unicredit: Commerzbank will "Wertvernichtung" bei möglicher Übernahme verhindern

Gespräche mit UnicreditCommerzbank will "Wertvernichtung" bei möglicher Übernahme verhindern
02.09.2026, 14:18 Uhr

Die Übernahme der Commerzbank durch die Unicredit befindet sich auf der Zielgeraden. Die Chefin des deutschen Geldhauses steht im direkten Austausch mit den Vertretern des italienischen Geldinstituts. Ihr Ziel: Es jetzt "tunlichst nicht vermasseln".
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat direkte Gespräche mit der italienischen Großbank UniCredit über eine mögliche Übernahme bestätigt und ihre eigene Zukunft an eine gemeinsame strategische Ausrichtung geknüpft. Orlopp sagte auf dem "Handelsblatt"-Bankengipfel in Frankfurt, es gebe Kontakte und Gespräche zwischen den Instituten. Dies sei im Interesse beider Parteien. Nun gelte es, die richtige Strategie zu wählen und aufzupassen, dass "keine Wertvernichtung" passiere.
Orlopp warnte zugleich vor einer übereilten Integration. "Wir sollten es jetzt tunlichst nicht vermasseln." Dies berge Risiken, von denen die Konkurrenz profitieren könnte. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing etwa hatte zuvor auf derselben Veranstaltung gesagt, dass sich sein Institut intern auf eine Konsolidierung im Bankensektor vorbereite. "Wenn wir nicht davon profitieren, machen wir etwas falsch."
Orlopp erklärte zu ihrer eigenen Rolle, ihr Vertrag laufe bis 2029. Eine Zusammenarbeit sei jedoch an ein Vertrauensverhältnis und eine gemeinsame Strategie mit dem Aufsichtsrat geknüpft. Sollte es hierbei zu keiner Einigung kommen, müssten Konsequenzen gezogen werden. Zudem betonte sie die Bedeutung einer engen Abstimmung mit dem Bund als zweitgrößtem Aktionär der Commerzbank.
Regierung gibt Blockade auf
Die Bundesregierung hatte zuletzt ihre Blockadehaltung gegen eine Übernahme der Commerzbank durch die italienische Großbank aufgegeben. Finanzminister Lars Klingbeil wolle nun mit UniCredit-Chef Andrea Orcel beraten und habe diesen für den 14. September 2026 nach Berlin eingeladen, hieß es aus Regierungskreisen. Orcel habe die Einladung einem Vertrauten zufolge angenommen.
Das Institut aus Mailand hat sich inzwischen Zugriff auf bis zu 49,65 Prozent der Aktien des Frankfurter Konkurrenten gesichert. Die Bundesregierung, die nach einer Rettungsaktion in der globalen Finanzkrise noch gut zwölf Prozent der Commerzbank-Anteile hält, hatte sich ebenso wie der Vorstand der Commerzbank lange gegen einen Zusammenschluss gewehrt. Orcels Vorgehen war als aggressiv und feindselig eingestuft worden. Der UniCredit-Chef hatte jedoch auf einen Dialog mit Berlin und den Arbeitnehmervertretern gedrängt.
Die Europäische Zentralbank (EZB) muss zwar eine Übernahme genehmigen, dürfte aber trotz einiger Bedenken gegen das Vorgehen der UniCredit einer Transaktion zustimmen. In einem Reuters vorliegenden vertraulichen Dokument kam die EZB zu der vorläufigen Einschätzung, dass es "keinen Grund zur Ablehnung" der Kontrollübernahme der Italiener bei der Commerzbank gebe.
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